Leistungshalbleiter aus Eigenproduktion Foxconn übernimmt Siliziumkarbid-Chipfabrik von Macronix

Redakteur: Michael Eckstein

Der weltweit größte Elektronikhersteller Foxconn will Mikrochips verstärkt selbst herstellen – vor allem für die Automobilbranche. Daher hat der Konzern eine Fabrik für 6-Zoll-SiC-Wafer von Macronix gekauft.

Firmen zum Thema

Fokus E-Mobilität: Foxconn will demnächst selbst SiC-Leistungshalbleiter für den aufstrebenden Elektrofahrzeugmarkt fertigen.
Fokus E-Mobilität: Foxconn will demnächst selbst SiC-Leistungshalbleiter für den aufstrebenden Elektrofahrzeugmarkt fertigen.
(Bild: Clipdealer)

Erst vor kurzem hat der taiwanesische Konzern Foxconn mit Partner Yageo die XSemi Corporation zwecks gemeinsamer Chipherstellung gegründet. Der Fokus dieser Fertigungskooperation liegt auf „small ICs“ mit einem Stückpreis unter zwei US-Dollar – 90 Prozent der Chips in E-Autos fallen darunter.

Nun geht der iPhone-Produzent einen Schritt weiter: In Taiwan hat der Konzern eine Halbleiterfertigungsstätte von Macronix zum Preis von 2,52 Milliarden Taiwan-Dollar (etwa 76,8 Millionen Euro) übernommen. Interessant dabei: Es handelt sich um eine Fertigung für ICs auf Basis von Siliziumkarbid (SiC), die hauptsächlich als Leistungshalbleiter zum Einsatz kommen – etwa in Elektroautos. Noch in diesem Jahr soll die Akquisition abgeschlossen werden, meldet Foxconn.

„Offizieller Einstieg“ in die Entwicklung und Fertigung von Wide-Bandgap-ICs

„Der Kauf der 6-Zoll-Wafer-Fabrik signalisiert offiziell den Einstieg von Foxconn in die Entwicklung und Herstellung von Halbleitern mit weitem Bandabstand, insbesondere SiC, und ebnet den Weg für ein langfristiges Engagement in der Halbleiterentwicklung“, erklärt Young Liu, Chairman und CEO von Foxconn.

Die Herstellung von SiC stehe im Einklang mit der von Foxconn ausgerufenen 3+3-Strategie: Elektrofahrzeuge (Electric Vehicles, EV), digitale Gesundheit, Robotik + KI, Halbleiter sowie fortschrittliche Kommunikation. „Der SiC-MOSFET ist ein wichtiger Baustein für EV, und EV ist die Nummer 1 in Foxconns 3+3-Strategie“, macht der CEO klar.

Die 6-Zoll-Waferfabrik im Hsinchu Science Park werde als Hauptsitz der S Business Group dienen. Der Standort in dem riesigen Halbleitercluster würde engere Partnerschaften mit den dort ansässigen Halbleiterunternehmen ermöglichen. Auch der weltgrößten Chip-Auftragsfertiger TSMC hat hier seinen Hauptsitz und große Fabriken.

Zeitpunkt für Einstieg in Chipproduktion gut gewählt

Den Zeitpunkt für den Einstieg ins Auto-IC-Geschäft hat Foxconn gut gewählt, stöhnt doch die Branche weltweit wegen fehlender Halbleiter. Schon haben verschiedene Autohersteller wieder Produktionsstopps und Kurzarbeit angekündigt, etwa Daimler für sein Werk in Bremen, und auch Ford fährt seine Produktion in Köln gerade wieder herunter. Schon von Anfang Mai bis Mitte Juli hatte die Fiesta-Produktion in Köln wegen Halbleiter-Nachschubproblemen geruht.

Die in der bisherigen Macronix-Fab hergestellten MOS-Feldeffekttransistoren (MOSFETs) auf Basis von SiC halten bis zu zehnmal höhere elektrische Feldstärken aus als FETs auf Basis von reinem Siliziumsubstrat. Zudem weisen SiC-MOSFETs keinen Spannungsanstieg auf, wie es etwa bei IGBT der Fall ist. Dadurch ist der Leitungsverlust über den gesamten Strombereich geringer. Mit ihren besonderen Eigenschaften eignen sich SiC-MOSFETs besonders als Leistungstransistoren etwa für den Einsatz in Elektrofahrzeugen und Ladestationen. Wie das Wall Street Journal berichtet, nutzt E-Auto-Pionier Tesla SiC-Bauteile als einer der ersten Fahrzeughersteller bereits seit 2018.

Nicht nur Halbleiter, sondern ganze E-Auto-Plattformen

Foxconn versucht verstärkt, sich als Auftragsfertiger auch für die Automotive-Branche zu etablieren. So hat das Unternehmen bereits eine eigene Plattform für Elektrofahrzeuge entwickelt. Produktionsabkommen mit Fahrzeugentwicklern wie Byton oder Fisker sollen bereits unter Dach und Fach sein. Auch mit Stellantis, dem Mutterkonzern von Opel, PSA, Fiat und Chrysler besteht bereits eine strategische Partnerschaft.

Mit der von Macronix übernommenen Chip-Fabrik verfügt Foxconn nach eigenen Angaben über ausreichend Kapazität, um monatlich etwa 30.000 Fahrzeuge mit SiC-Halbleitern ausrüsten zu können. Dafür seien monatlich rund 15.000 6-Zoll-Wafer-Starts nötig.

Macronix will sich nach dem Abstoßen seiner 6-Zoll-Fabrik auf sein Geschäft mit Flash-Speichern konzentrieren. Hier kommen üblicherweise 12 Zoll große Wafer zum Einsatz. Besonders die Forschung, Entwicklung und Herstellung von 3D-NAND- und NOR-Flash-Bausteinen steht im Vordergrund. Damit konkurriert Macronix mit Konzernen wie Micron, Samsung, Kioxia oder auch SK Hynix.

(ID:47589956)