Thema: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?

erstellt am: 17.02.2016 13:05

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Obsoleszenz
Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?


Elektrogeräte werden laut einer Studie des Umweltbundesamtes immer kürzer genutzt. Die Gründe für den frühzeitigen Austausch sind vielfältig. Kann ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Elektrogeräte Abhilfe schaffen? Der ZVEI ist skeptisch.

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nicht registrierter User


Kommentar zu: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
17.02.2016 13:05

Die meisten Geräte könnten länger halten mit nur einer geringen Preissteigerung. Hoch thermisch belasteten Bauteilen kann z.B. ein Kühlkörper spendiert werden. Spannungswandler sind oft sehr grenzwertig dimensioniert und meist sogar leicht überlastet.
Das Reparieren sehe ich zunehmend schwierig. Der Austausche der kleine SMD-Bauteile ist fast nicht mehr möglich ohne spezielles (teures) Werkzeug. Das Einplatinendesign (meist aus Platzgründen) verhindert den Austausch von Komonenten. Auch wenn ich reparaturfreundliche Geräte bevorzuge und auch selbst viel repariere, sehe ich zukünftig keine Lösung dafür.
Die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts lässt sich übrigens sehrwohl bestimmen. In Industrie- und Automotiveanwendungen wird dazu gern die Siemens Norm SN29500 verwendet.

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RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
17.02.2016 13:49

Jetzt ist wieder der Verbraucher Schuld! Er wechselt zu früh das Gerät aus. Wie erklärt man denn folgenden Vorgang: Eine Waschmaschine hat nach 5Jahren einen Lagerschaden. Lt. Forum im Internet ist das bei vielen Geräten dieses Typs u. Baujahr so. Rep. Kosten sind 50% teurer als der Anschaffungspreis. Ich höre schon das Argument. bei einer teureren Maschine wäre das nicht passiert. Es gibt aber auch die Möglichkeit als Hersteller ein Lager einzubauen das eine höhere Lebensdauer hat. dann muß der Verbraucher eben etwas mehr bei der Anschaffung zahlen und nicht eine sehr gut erhaltene Maschine verschrotten.

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nicht registrierter User


RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
17.02.2016 14:01

Manche würden ihr Smartphone oder ihren Laptop / PC gern länger nutzen, aber da wegen alter Hardware kein Update möglich ist (Windows) oder ein Update gar nicht existiert (Android, iOs) ist man gezwungen das Gerät zu entsorgen. Andernfalls läuft man Gefahr mit einem unsicheren Gerät zu arbeiten. Beim Flachbildschirm wurden anfangs unausgereifte Geräte verkauft (erinnert Ihr Euch an HDReady und andere Logos ?). Natürlich kauft man sich schon nach ein paar Jahren einen neuen, wenn das Bild des neuen Gerätes dramatisch besser ist.

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Jens_Grabner





dabei seit: 24.11.2014

Beiträge: 4

RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
17.02.2016 15:15

Die Europäische Union hat es nicht geschafft, Geräte mit fest eingebauten Akkus zu verbieten um die Nutzung von solchen Geräten zu verlängern. Technisch wird ein solches Gerät nach 3 Jahren intensiver Nutzung nicht mehr zu verwenden sein.

Es ist aus meiner Sicht nicht immer so, dass der Verbraucher nicht möchte. Die Industrie lebt vom frühzeitigem Ausfall der Produkte und hat kein Interesse an Langlebigkeit. Ein Mindeststandard an Qualität sollte eingeführt werden. Zum Beispiel dürfte es am Markt keine Zangen für 1 Euro geben, die man nach wenigen Wochen wegewerfen muss. Der Markt regelt eben nicht alles -- Bei Kleidung ist es ähnlich schwierig (Stichwort menschenwürdige Produktionsbedingungen). Diese könnten politisch eingefordert werden.

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jkirchhof





dabei seit: 08.01.2014

Beiträge: 48

RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
18.02.2016 14:36

Ich habe vor einem Jahr im Supermarkt zwei 40W LED Lampen von Osram gekauft und hatte die naive Vorstellung, dass die Lampen erst in 10 Jahren ausfallen würden. Jetzt sind beide nahezu zum gleichen Zeitpunkt kaputt gegangen. Ich kann mir auch vorstellen warum. Beide wurden in Deckenleuchten eingebaut. Eine im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses, die andere im Wohnungsflur. Ich gehe davon aus, dass die Lebensdauer nur erreicht wird, wenn die Lampe in einer Lampenfassung ohne jegliche Behinderung der Konvektion eingebaut wird. Aber wer hat statt Leuchten nur die nackten Fassungen in seiner Wohnung?
Hat der Hersteller bei der Dimensionierung schlicht vergessen dass um seine Lampe noch eine Leuchte ist? kann ich mir nicht vorstellen. Ist der frühzeitige Tod aufgrund mangelnder Konvektion geplant? Zumindest ist es das Ergebnis einer Produktentwicklung, die reale Einsatzbedingungen des Produktes nicht berücksichtigt, sondern nur noch auf Normen und vorgegebene Prüfverfahren setzt. Also alles, damit die Lampe auf dem Teststand gute Ergebnisse liefert. Was beim Kunden passiert, ist dem Entwickler nicht bewusst.

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RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
19.02.2016 14:03

Ein Mindesthaltbarkeitsdatum für größere Haushaltsgeräte ist längst überfällig. Ich nehme Bezug auf einen Siemens Geschirrspüler knapp 3 Jahre. Keine Funktion. Ausfall der Elektronikplatine (Niedervoltnetzteil). Hersteller sieht geräteseitig keine Sicherung der Elektronik vor. Eine speziell ausgeformte Leiterbahn auf der Elektronikplatine dient als Sicherungsersatzmaßnahme. Daraus folgt: Reparatur der Elektronikplatine aus formalen Gründen fachgerecht nicht möglich. Ersatzteilpreis der Elektronikplatine laut Siemens 168,00 Euro. Normalerweise benötigt man einen Kundendiensttechniker. Der kostet eben falls 100,00 Euro. Damit liegt eine Reparatur über 50% des Anschaffungspreises (499,00 Euro). Ursache für den Ausfall ist ein Schaltregler (IC). Preis im Handel 59 Cent. Laut IC Hersteller als billig Teil für Ladegeräte von Smartphones gedacht. Da das Schaltnetzteil in der Geschirrspülmaschine permanent an der Netzspannung liegt, beträgt die Betriebszeit mehr als 25.000 Betriebsstunden. In meiner Wahrnehmung hat die Firma Siemens hier besonderen Wert auf Kostenoptimierung gelegt. Ein Ausfall an der Wirtschaftlichkeitsgrenze ist hier einkalkuliert. Mit Ausnahme eines Standardschreibens mit dem Ausdruck des Bedauerns, habe ich von Siemens bisher keine Stellungnahme erhalte.
PS: Nach Austausch des Schaltreglers und die Reparatur der Leiterbahn durch eine Lötsicherung funktioniert die Maschine wieder. Reparaturpreis für Ersatzteile 2,00 Euro.

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RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
19.02.2016 20:21

Ich besitze ein Navigationsgerät, dieses funktioniert hardwareseitig ohne Probleme. Leider kostete eine aktuelles Kartenupdate nach fünf Jahre Benutzung 99 Euro. Dies war genau der Anschaffungspreis. Dies ist für mich geplante Obsoleszenz schlechthin.

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RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
23.02.2016 13:20

Zitat: Eine wie auch immer geartete „geplante Obsoleszenz“ von Seiten der Hersteller konnte nicht nachgewiesen werden. Das ist ein Witz mit Anlauf. Mittlerweise sind in unserem Haushalt schon drei LCD-Monitore ausgefallen. Aufgrund meines Tatendrangs habe ich die Geräte geöffnet und festgestellt, dass an allen drei Geräten die Elkos des Schaltnetzteils ohne Funktion waren. Das Netzteil hat einen konstruktiven Schwachpunkt: Die Transitoren und Schaltregler-ICs sind aussen an einem U-förmigen Kühlkörper befestigt, der auf der Platine angebracht ist. Fast alle Kondensatoren sind innerhalb dieses Kühlkörpers untergebracht. Es bleibt natürlich offen, ob der Entwickler aus grober Fahrlässigkeit diese Anordnung gewählt hat oder ob er vorsätzlich seine Kondensatoren beheizen wollte - ich jedenfalls würde eine Kondensatorheizung so ähnlich bauen. Über die SN29500 bzw. mit EXAR ließe sich die Lebensdauer der Bauelemente so sehr genau einstellen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt ...

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nicht registrierter User


RE: Kommt das „MHD“ für Elektro- und Elektronikgeräte?
24.02.2016 15:30

Auf den ersten Blick klingt ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gut. Auf den zweiten Blick sehe ich die Gefahr, dass die Hersteller das MHD gleichzeitig als Verfallsdatum sehen. Mit Software kein Problem, das Gerät wird am Tag nach dem MHD, bzw. nach der garantierten Betriebsstundenzahl, automatisch deaktiviert. Reklamationen zwecklos, denn das MHD wurde ja erreicht!

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