Thema: Die Briten haben gesprochen – was passiert jetzt?

erstellt am: 24.06.2016 10:30

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Nach dem Brexit-Referendum
Die Briten haben gesprochen – was passiert jetzt?


Die Bürger des Vereinigten Königreichs haben sich mehrheitlich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Jetzt hängt es von der Politik ab, den Schaden für Großbritannien, aber auch für die EU zu begrenzen. Aber der Vertrag von Lissabon setzt der EU und dem Vereinten Königreich ein enges Zeitlimit.

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Olaf Barheine





dabei seit: 05.12.2011

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Kommentar zu: Die Briten haben gesprochen – was passiert jetzt?
24.06.2016 10:30

Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Ich bin absolut schockiert. Aber es hilft nichts. Wir müssen jetzt nach vorne blicken. Unsere Zukunft liegt nicht in Europa, sondern in Asien und Amerika!

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nicht registrierter User


RE: Die Briten haben gesprochen – was passiert jetzt?
24.06.2016 13:02

... je suis British
5.43 Uhr: Unruhig war die vergangenen Nacht, tapse, noch schläfrig, nach meinem Wecker und stelle fest: er ist es nicht, der mich aus den Träumen riss. Ich ahne den Grund, schlüpfe aus dem Bett und sitze fassungslos vor meinem Lappy, den Blick auf die Nachricht geheftet, die ich erwartet, aber nicht erhofft habe. Were out!!. Was in aller Welt hat die Briten dazu gebracht, uns zu verlassen? Das Wort Brexit hat für mich phonetisch so etwas wie das Brechen von Ästen, von Holz, von Gewachsenem - oder vermittelnd, etwas feiner und eher britisch formuliert, das Geräusch, das entsteht, wenn man den Biskuit teilt, den man zum Five oclock tea zu sich nimmt. Ein Anflug von Wehmut ist das erste, was sich in mir breitmacht. Das Bild der riesigen Empfangshalle im Hafen von Dover vor Augen. Es riecht nach Bohnerwachs und Desinfektion. In Jeans und Turnschuhen stehe ich, mit vielen anderen Aspiranten hinter mir, die Zutritt zum Vereinigten Königreich begehren, auf einem langen, dunkelroten Läufer, ehrfürchtig und aufgeregt zugleich. Wir schreiben das Jahr 1968. Vor mir, an beiden Seiten und am Ende des Läufers, zwei hüfthohe gußeiserne und schwarz lackierte Ständer mit Goldknauf, einzig dazu da, mir mit einer dazwischengespannten, schiffstaugleichen Kordel Einhalt zu gebieten - bis Er das Zeichen gibt: In gebührendem Abstand von gut drei Yards, vor ihm ein brusthohes, hochstelziges Pult aus dunkelbraunem Holz, sitzt Er, deutlich erhöht. Dunkle Kleidung, darüber eine grüne Schürze mit Brustteil, so, als wolle Er - vor welchen Unreinheiten auch immer geschützt - seiner Arbeit im Dienste seiner Majestät, die in einen goldenen Rahmen über ihm die sonst eher karglose Wand ziert, mit unangreifbarer Korrektheit nachgehen. Seine Rechte, mit der er einen Bleistift hält, erhebt sich schwer vom Pult, gibt mir ein Zeichen. Der weiße Ärmelschoner glänzt makellos im fahlen Licht, das sich durch die blinden Scheiben der Immigration Hall müht. Ich darf die Kordel an einer Seite abhängen, hinter mir wieder einhaken und nach vorne treten. Der Akt, bis ich den erlösenden Stempel in die ausgefüllte Application Form gedrückt bekomme, das kritische Beäugen, der herablassende Blick sind es, den ich nicht vergessen habe. Jetzt, nach 48 Jahren, steigt in mir bei der offensichtichen Euphorie der Briten über ihren neugewonnenen Independance Day der Geruch von Bohnerwachs und Desinfektion wieder empor. Die Enttäuschung, die Traurigkeit in mir, der immer die Liebe zu diesem Land, zu den Menschen mit ihrem teils schrulligen Ansichten und nicht minder schrägem Habitus sucht, ist unsagbar groß. Doch im gleichen Moment kommt in mir Zweifel auf, ob es allein die Briten waren, die das back to the roots so forciert haben. Ich denke, dass wir uns, die übrigen Europäer an die eigene Nase fassen müssen, mit all unserem teils unglaubwürdigen Verhalten, dass wir Europapolitik nannten. Nicht nur die Briten misstrauen inzwischen der Art, wie wir vorangehen, schleppend, inkosequent, zu sehr aufs eigene Wohl bedacht, alte Pfründe schützend. Dazu gehört auch, den Extra-Würsten aller Euro-Querulanten den Zipfel abzuschneiden, ja, auch denen, die die Briten fordern. Ich bedauere es sehr, dass ein Jean-Claude Juncker, ein für mich überzeugter Europäer, zusehens als Kämpfer gegen Windmühlen gesehen wird. Europa braucht, mit Verlaub, einen gehörigen Tritt in den Hintern! Was nun folgt, ist das Begehren anderer Rechtspopulisten, wie in den Niederlanden, die die Europäische Union als einen Club betrachten, aus dem man aussteigen kann, weil einem der Mitgliedsbeitrag nicht mehr passt. Es wird meines Erachtens schlichtweg vergessen, dass es - nicht nur weltwirtschaftlich gesehen - eine Notgemeinschaft ist, in der wir uns zusammenfanden und weiter zusammenfinden müssen. Noch nie war die Chance größer als jetzt, sich kulturell, von Humanismus geprägt, besser zu verständigen. Vielleicht sollte ich diesem Beitrag eher den Titel geben Je suis European...

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nicht registrierter User


RE: Die Briten haben gesprochen – was passiert jetzt?
24.06.2016 14:28

Habt Ihr alle einen an der Klatsche? Es gibt doch in ganz Europa kein undemokratischeres Staatskonstrukt als das EU-Parlament selbst. Niemand dort wurde gewählt. Man kann auch niemanden abwählen, obwohl sie alle gemeinsam völkerrechtswidrig Entscheidungsbefugnis über Menschen und Nationen an sich reißen.

Ist doch logisch daß GB abspringt! Kann nur so seine Souveränität wahren. Kein EU-Diktat bzgl. TTIP, CETA, TISA! Juncker und Konsorten werden das trozdem durchboxen. Sind doch nur Marionetten der (US) Megakonzerne, die der ganzen Welt eine Art Witschaftsfaschismus überstülpen möchten. Bald werden sie das geschafft haben - dank der vielen Arbeitsameisen, die ihr ganzes Leben bzw. Wachkoma damit verbringen, sich mit dem abzufinden, was man ihnen antut. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es, liebe Arbeitsameisen, wenn Sie zunächst einmal damit aufhören würden, Kritik zu bekämpfen und schlechte Entwicklungen schönzureden! Auch da liegt nämlich Demokratie und Faschismus dicht beisammen! Und falls Sie wirklich keine Interesse an unserer Zukunft haben, dann tun Sie uns doch bitte einen Gefallen und gehen Sie Fußball gucken!

fyi

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