Thema: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs

erstellt am: 13.10.2016 11:09

Antworten: 25

nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
19.10.2016 10:31

Der Mann wird keinen Job mehr bekommen und das liegt an der Politik und unserer Unternehmenskultur!

Er hat jahrelang in der Firma gearbeitet und dabei gelernt, eine bestimmte Rolle zu übernehmen. Er ist ein perfekt eingearbeitetes Rädchen, in seinem Umfeld. Er kennt bestimmte Produkte, Methoden und Strukturen und damit er funktioniert braucht er auch die Strukturen. Ohne eine entsprechende Umgebung ist er wirkungslos!
Es ist daher auch nicht ohne Weiteres möglich, sich selbständig zu machen und mal schnell irgendwo was zu investieren und dann eine Firma aufzubauen. Wenn, dann müsste es sich schon um das Thema handeln, dass er kennt, denn da ist ER der Experte. Das hieße aber, seinem AG Konkurrenz zu machen. Und wenn da einer bei der Siemens ist, hieße das, selber Kraftwerke, Großanlagen oder Großgeräte zu bauen. Früher hätte es
gehießen, PCs und Mobiltelefone zu bauen.
Nichts davon ist praktikabel! Und selbst, wenn er Spezialknowhow hat, dass der Firma gefährlich werden könnte, steht dann im Auflösungsvertrag schon eine Klausel, die ihm untersagt, so etwas anzufangen!!
Wenn jemand aus so einer Position kommt, muss er auch wieder in eine ähnliche Position hinein! Das Problem ist, dass es diese Position eben nicht gibt und die Firmen keinen so Erfahrenen haben wollen, weil der als sperrig gilt. Teilweise zu Recht, teilweise zu unrecht. Oft ist es auch so, dass man unterstellt, dass der, der für andere Aufgaben getaugt hätte, nicht rausgeworfen worden wäre, sondern anders eingesetzt worden
wäre. Auch diese Logik kann stimmen oder nicht stimmen.
Das Problem ist, dass er sich in eine Position hinein spezialisiert hat,
deren Wert woanders nichts gilt. Er MUSS neu anfangen.
Alternative: Als Berater selbständig machen und dieses Wissen der Konkurrenz verkaufen. Auch die haben Bedarf an Koordination, Marketing und Allemöglichen und greifen darauf zurück, wenn sie ihn nicht dauern an der Backe haben.
Sein Problem ist natürlich auch, dass er ein hohes Gehalt hatte und nicht jedem Dreck machen will. Und selbst, wenn er für billig unterschreiben würde, macht es die Firma nicht, weil sie ihm unterstellt, dass er wieder weggeht. Also nimmt sie ihn erst gar nicht.
Richtig ist, dass die deutsche Industrie jammert und jammert und jammert aber in Wirklichkeit ständig Leute entlässt und niemanden Älteren einstellen will. Viele Abteilungsleiter wollen Jemanden, der ins Team passt und bei Älteren ist es nicht der Fall, weil überall Junge sitzen. So ist das.
Selbst Ich, der ich noch keine 40 bin, hätte Probleme, einen Job zu bekommen.
Als Selbständiger Entwickler rennen sie mir aber die Bude ein! Ich kann mich vor
Anfragen kaum retten und kann Auswählen. Aber nur, weil ich das mache,
was man ganz unten, in nicht spezialisierten Positionen tut:
Allgemeine Elektronikentwicklung!

Mein Rat an Alle: Lasst euch nicht in Spezialpositionen stecken, sondern
bleibt universell!! Nur so habt ihr zur Not noch eine Ausweichmöglichkeit.
Mein Rat an die Politik: Keine Ausländer rein, die nur dazu dienen, den
Gehaltsdruck weiter zu erhöhen und den Firmen in die Karten spielen, die
junge billige haben wollen und Ältere ab 40 nicht einstellen. Vorrangprüfung wie in der Schweiz!

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
19.10.2016 15:24

Oder kurz+knapp:
Der Inscheniör ist ein Spezialist, der immer mehr von immer weniger weiß, solange, bis er Alles von Nichts weiß.

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
04.12.2016 20:35

Als Abteilungsleiter sitze ich auf der anderen Seite - und bekomme die ganzen unpassenden Bewerbungen zu lesen. Bei uns sucht die Fachabteilung nach den passenden Mitarbeitern - der Personaler erklärt dann dem einen Auserkorenen nur noch den Vertrag.
Wir hatten gezielt zwei Stellenauschreibungen formuliert: eine allgemein gehaltene, die sowohl Absolventen als auch erfahrene Konstrukteure ohne Führungserfahrung ansprach, eine zweite gezielt auf ältere, projektleitungserfahrene Konstrukteure ausgerichtet. In beiden Ausschreibungen wurde an wirklich prominenter Stelle das Zielgebiet angegeben: Konstruktion, Automatisierungstechnik, Sondermaschinenbau.
Das lustige Ergebnis: die meisten der sich zahlreich bewerbenden Absolventen und Techniker berücksichtigten diese Vorgabe in Ihren Anschreiben oder als Schwerpunkt im Lebenslauf. Die spärlichen drei Bewerbungen auf die Stelle, die Projektleitererfahrung erfordert, sahen so aus:


    ein Bewerber 50+ (und somit aus der gesuchten Altersgruppe), der seit der Schule ausschließlich für das große S gearbeitet hat - nur keine Spur von Konstruktion, keine Spur von den anderen zwei Hauptkriterien,
    ein Bewerber, an den ich mich nicht mehr so genau erinnere, der aber jedenfalls auch kein Konstrukteur war,
    und ein Absolvent, der sich selbst (oder zumindest sein Erfahrungsniveau) ein wenig überschätzte.

Wenn es denn also so schwer ist, als 50+ einen adäquaten Job zu finden, warum bewirbt sich dann kein auch nur ansatzweise passender Techniker/Ingenieur auf eine ausdrücklich auf Erfahrung zielende, überregional ausgeschriebene Stelle?
Der Absolvent mit ein wenig Berufserfahrung, den ich eingestellt habe, zieht extra aus einem anderen Bundesland her. Und genau da liegt - denke ich - das Problem. Die meisten älteren Kollegen kleben an ihrer Scholle und sind nicht bereit, dorthin zu gehen, wo die für sie passenden Jobs sind.
Ich kann verstehen, dass man sich irgendwann nicht mehr auf so ein Abenteuer einlassen will (ich weiß, wovon ich spreche) - aber dann hat man auch nicht das Recht, sich über die angeblich so ignoranten Arbeitgeber zu beschweren. Dann hat man seine Prioritäten gesetzt - zu ungunsten des Jobs. Diese Entscheidung muss jeder selbst treffen, aber dann auch dazu stehen.

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
05.12.2016 08:38

Wenn alle umziehen, sind der Norden und der Osten Deutschlands bald entvölkert.

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
23.09.2019 21:25

sehr interessant!

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
25.09.2019 01:21

Und zu den jetzt schon arbeitslosen Elektroingenieuren kommen künftig noch die vielen Maschinenbauingenieure hinzu!
Elektromobilität machts möglich!

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