Thema: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs

erstellt am: 13.10.2016 11:09

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Diskussion zum Artikel


Arbeitsmarkt
Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs


Wäre der von den Industrieverbänden beschworene Ingenieurmangel Realität, dann dürfte es diese Biographie so nicht geben. Ein 55-jähriger Elektroingenieur aus dem Großraum München ist seit zweieinhalb Jahren vergeblich auf der Suche nach einem Job.

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Olaf Barheine





dabei seit: 05.12.2011

Beiträge: 739

Kommentar zu: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 11:09

Es wird hierzulande ja immer viel über die Gleichstellung der Frau im Berufsleben diskutiert. Ich glaube, eine Diskussion über die Chancen älterer Bewerber am Arbeitsmarkt wäre mindestens genauso notwendig. Zumal sich die Problematik in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte.

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nicht registrierter User


Biographie eines arbeitslosen Dipl. Betriebswirtes
13.10.2016 12:06

Alle Angaben (Fakten) des arbeitslosen Ingenieurs kann man zu 100% auf auf die Dipl. Kaufleute und Betriebswirt übertragen.

Die meisten Firmen haben gar kein wirkliches Interesse an einer zu hoch qualifizierten Generation Ü45/Ü50 (ist ein wenig branchenabhängig!) und damit zu vielen und diversifizierten Erfahrungen. Diese überreifen und meistens sehr intelligenten Menschen (Ü45/Ü50) stellen eher eine Gefahr für jede Firma dar, weil sie zu schnell und zu scharfsinnig fast (legale-halblegale und illegale) Machenschaften in einer Firma durchschauen können.

In einem Zeitalter der Kurzlebigkeit von Güter und Dienstleistungen stellen langjährige Erfahrungen eher Hemmnisse und Risiken für die Firmen da, da diese Unternehmungen sich nur für kurzfristige Profite der kapitalistischen Akteure interessieren. Wenn Gewinnaufschläge auf Produkte von 100% nicht mehr reichen und Eigenkapitalrenditen von 25% bis 30% erwartet werden, dann ist der Untergang aller Wirtschaften (und damit der Volkswirtschaften/Gesellschaften) sehr nahe.

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 12:19

Nach einem Abfindungsvertrag Ende 2013 (Pflege Familienmitglied) bin ich seit 2 Jahren wieder auf Stellensuche. Meine Bewerbungen: 95% Personalvermittler, suchen angeblich nach dem grauen Gold, wollen aber weniger als € 13,-- Std zahlen. Als Radio-Fernsehtechniker Meister und staatl. gepr. Elektrotechniker mit zuletzt 30 Jahren bei gleichem Arbeitgeber in der Automatisierungsindustrie, Entwicklung - Labor werde ich aufgeben, mich weiter zu bewerben. Nun bin ich 60 Jahre alt und werde es bis zum Rentenbeginn aussitzen. Der Koffer mit den Absagen quillt schon jetzt über...

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 12:29

Ich bin auch der Ansicht das der angebliche Bedarf nicht korrekt ist.
Wir entwickeln seit 40 Jahren embeded Lösungen.
Z.Zt. sind praktisch keine interessanten Aufträge zu bekommen.
Die Firmen machen angeblich alles im Haus, da das billiger ist.
Wenn ich die Situation analysiere, heißt das z.B.:
Für eine Entwicklung wurden 40 .. 50.000 angeboten.
Für einen Zeitaufwand von 5..6 Monaten. Das ist viel zu Viel !!!
Der eigene Ing. bekommt 6 .. 8.000 im Monat.
Der Assi noch mal 4..6.000.
Das macht dann ca. 40.000 bis zu 84.000.
+ Urlaub, Krankheit, Elternfreizeit +++
Auserdem werden dann aus den 4 bis 6 Monaen meistens eher 9 bis 12 !
Frage mich schon seit Jahren, wo hier die Einsparrung ist.
Gruß
az

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naonym





dabei seit: 21.01.2016

Beiträge: 1

RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 13:18

Das geschriebene kann ich nicht bestätigen. Nach 27 Jahren habe ich auch einen Auflösungsvertrag unterschrieben und hatte bereits 2 Monate später die Wahl zwischen 3 Arbeitsstellen als Ingenieur. Ich werde wie der erwähnte Herr auch dieses Jahr 55 Jahre alt. Mein jetziger Arbeitgeber hat ganz gezielt nach einem älteren erfahrenen Mitarbeiter gesucht.

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RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 14:04

Auch wenn in Einzelfällen das Alter des Bewerbers kein Hemmnis darstellt, so ist die tendenzielle Auswertung der Fälle dem gegenläufig. Auch mir wurde, (Elektromaschinenbauer, Elektrotechniker, Wirtschaftstechniker, 18 Jahre bei der Firma in der Aus und Weiterbildung von Servicetechniker) im Alter von 45 Jahren der Laufpass gegeben, da ich 300,- Euro Netto mehr benötigt habe. Überstunden, unbezahlte wohlgemerkt, versuchte ich so zur Anrechnung bringen. Interessant, nicht die Geschäftsführung sondern der Betriebsrat intervenierte in dem Fall gegen meine Interessen. Letztendlich wurden drei Kollegen mit der Arbeit beschäftigt, welche ich vorher selbstständig erledigte. Meine Versuche bei anderen Firmen Fuss zu fassen schlugen fehl. Erst der Weg zur Seefahrt brachte mich wieder in Dienst und Brot.
Die Firmen trachten nicht danach ältere, erfahrene Mitarbeiter zu erhalten. Ihnen sind die noch formbaren, im Gehalt geringer angesiedelten, weitaus angenehmer.

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RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 15:36

Viel wichtiger als das Alter ist die Einstellung. Interesse, Lernfähigkeit, Lernwille, und schon geht es. Ich habe schon genug Ex-Mitarbeiter von Siemens-ähnlichen Unternehmen gesehen. Nicht wenige meinen, ihr ersessenes Gehalt sei doch das Mindeste und eigentlich suchen sie auch nur eine Rentenbrücke, ohne Engagement. Das wird dann nichts. Erfahrung zählt nur, wenn es die richtige Erfahhrung ist. Und auch wenn das passt muss auch noch die Einstellung passen. Dazu liest man in solchen Meldungen wie dieser nie etwas. Da ist jedes Beispiel recht.

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
13.10.2016 15:45

Ja, kann ich so nur bestätigen. Ich, 46 Jahre alt, Dipl.-Ing. Elektrotechnik bin im hessischen Groß-Grau vor über siebeneinhalb Jahren genau so gestrandet. Nichts zu machen ! Der hochnäsige Hesse beliebt seine Ingenieure nur jungfräulich anzuwerben. Tausende von Bewerbungen, völlig sinnlos. Ein Volksverbrechen ist in vollem Gange. Unter berücksichtigung des Totschläger-JobCenters Groß-Grau sowieso.
Seit einer Woche arbeite ich als Halbaffe bei einem Zulieferer von POPEL Rüstanbul als Staplerfahrer und in Wirklichkeit als Lagerarbeiter und Handlanger. Auf einem Gabelstapler habe ich noch nicht gesessen. Ein Witz müsste man eigentlich sagen. Was die Realität betrifft jedoch eher ein zweiter Holocaust am eigenen Volk. Übrigens liegt die Suizidrate im Bereich Hartz IV ca. 20x so hoch wie normal !!!!
Dass ich mich irgendwann dafür entsprechend revanchiere, dürfte klar sein, oder ?
Dieser dreckige Staat provoziert seine Bürger selbst zu Unruhen. DAS wird wohl auch der
Masterplan sein, um dann endgültig Kriegsrecht auszurufen und das System in eine
vollständige Dikatur um zu kippen. JEDER, der dies bestreitet, steckt mit in diesem Komplott und wird durch eine üppige Belohnung irgendwie bei Stange gehalten.
Die Zeichen stehen auf Bürgerkrieg. Und dieser wurde durch die hoch und höchstkriminelle
Regierung selbst provoziert.

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nicht registrierter User


RE: Biographie eines arbeitslosen Elektroingenieurs
14.10.2016 00:51

Danke für diesen Bericht, der sicher der Wahrheit entspricht!

Es gibt und gab sicher immer eine regionale Fachkräftesuche, aber dort von dem vielbeschworenen Fachkräftemangel zu sprechen, ist sicher falsch! Die Lobby hat ein großes Interesse daran, von 100 Kandidaten die 5 benötigten wählen zu können. Je mehr auf der Straße stehen, desto billiger der Einzelne, der einen Job bekommt.

Mit 42 Jahren hatte ich den alten Arbeitgeber verlassen, um meine Perspektive zu verbessern. Als vorwiegend im Embedded-Bereich tätiger Entwicklungsingenieur mit guten Hardware-Kenntnissen (PCB-Layouten, Mikroelektronik usw.) sowie Software-Kenntnissen (C++, C, Delphi, Visual-Studio usw.) begab ich mich auf Jobsuche in der angeblich so von Fachkräftemangel geplagten Republik. Private Fortbildung hatte bei mir IMMER stattgefunden, besitze ein komplettes Labor zu Hause, moderne Scopes, Analyser und Generatoren. Und dennoch war ich vielen Firmen in NRW nicht genug genug, weil ich nicht zu 100% auf die Stelle passte. Einarbeitung kostet ja Geld, und wenn es nur ein paar Wochen sind, wird die eierlegende Wollmilchsau gesucht. Oder ich war nach 20 Jahren im Job mit 60k brutto zu teuer. Lustig, wenn man da mal ein einfaches Managergehalt im Bereich der Kaufleute entgegensetzt.

Schön, wenn der VDE oder VDI wie im Artikel entgegensetzt, dass die Leute zu lange in einem Bereich gearbeitet haben sollen, und zu spezialisiert seien. Tja, dass lässt sich bei der Komplexität der heutigen Welt nicht mehr verhindern. Wenn ich meinen derzeitigen Arbeitgeber betrachte, dann sind ALLE Mitarbeiter 3er Teams im Automotive-Umfeld hochspezialisiert, weil die Werkzeuge und Aufgaben das genau erfordern!!! Und wenn es neben dem Beruf für den heutigen Ingenieur auch noch ein wenig Privatleben geben soll, dann ist es Aufgabe der Konzerne eben umzudenken!

Die Probleme der Gegenwart sind kein Fachkräftemangel im Ingenieursbereich, sondern die komplette Fehleinschätzung seitens der Personalabteilungen, Lobbyisten, Politiker und der Verbände wie VDE und VDI, deren Ingenieure auch nur verwalten und reden, aber keine Ahnung von der Materie haben, über die sie sprechen!

Sie wollen den jungen billigen 25 jährigen Hochschulabsolventen mit der Erfahrung eines erfahrenen 50 jährigen - den gab es nie und wird es aufgrund immer komplexerer Technologien noch weniger geben!!!

Ein Umdenken ist absolut notwendig, seitens der Politik, der Unternehmen und auch der Schwätzer vom VDI/VDE, sonst fährt der Wirtschaftsstandort Deutschland vor die Wand. Steckt das Geld in die Fachkräfte, nicht in die Boni der Manager.

Der genannte Ingenieur im Artikel entspricht der allgemeinen Situation in Deutschland, Ausnahmen gibt es immer.

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