Flugverbot für Boeing 737 Max bleibt bis August bestehen

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Eine Boeing 737 MAX 8 landet nach einem Testflug auf dem Boeing Field. Das Ende März erteilte Stratverbot für die Maschinen dieses Typs wird sich voraussichtlich noch bis Auguist hinziehen. Unterdessen kommen mehr Deatils zu fehlerhaften Teilen und Konstruktionsfehlern ans Licht.
Eine Boeing 737 MAX 8 landet nach einem Testflug auf dem Boeing Field. Das Ende März erteilte Stratverbot für die Maschinen dieses Typs wird sich voraussichtlich noch bis Auguist hinziehen. Unterdessen kommen mehr Deatils zu fehlerhaften Teilen und Konstruktionsfehlern ans Licht. (Bild: Ted S. Warren/AP/dpa)

Das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max wird nach Einschätzung des internationalen Airline-Verbands IATA mindestens noch bis August gelten. Derweil räumte Boeing-Chef Muilenburg erstmals Fehler ein.

Das Grounding der Flugzeuge der Boeing 737 Max Familie wird noch voraussichtlich bis Mitte August andauern: Maschinen der Baureihe dürften voraussichtlich frühestens in zehn bis zwölf Wochen wieder abheben, sagte der Chef des Weltluftfahrtverbands IATA, Alexandre de Juniac, am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „Wir bereiten ein Treffen zwischen den Aufsichtsbehörden, dem Hersteller und den Flugzeugbetreibern vor, um die Lage zu beurteilen“, sagt de Juniac. „Aber es liegt nicht in unseren Händen. Es ist Sache der Aufseher.“

Beim Absturz einer Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines im März und einer Maschine gleichen Typs der indonesischen Fluglinie Lion Air im Oktober waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In beiden Fällen war möglicherweise die Programmierung des Steuerungssystems MCAS in den Flugzeugen verantwortlich. Mitte März verhängten Luftfahrtbehörden in aller Welt ein Startverbot für den Flugzeugtyp. Auch die Auslieferung neuer Maschinen ist gestoppt. Die FAA soll nun ein von Boeing entwickeltes Update für die MCAS-Software testen und freigeben.

Boeing-Chef Muilenburg räumt nach Flugzeugabstürzen Fehler ein

Derweil hat der CEO-des Boeing-Konzerns, Dennis Muilenburg, erstmals eingeräumt, dass bei der Konstruktion der 737 MAX und im Umgang mit den Abstürzen danach Fehler gemacht wurden. Bei den Unglücksfliegern der Baureihe 737 Max habe sein Unternehmen ein Warnsystem in den Cockpits nicht korrekt implementiert, bestätigte Muilenburg am Mittwochabend im US-Sender CBS. „Unsere Kommunikation diesbezüglich war nicht, wie sie hätte sein sollen“.

Boeing hatte Anfang Mai eingeräumt, bereits einige Monate nach Auslieferungsbeginn der 737 Max im Mai 2017 Probleme mit dem Warnsystem festgestellt zu haben. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sei jedoch erst nach dem ersten Absturz am 29. Oktober 2018 informiert worden. Boeing hatte zunächst eine interne Untersuchung gestartet, laut der keine Beeinträchtigung der Flugsicherheit vorlag.

Muilenburg sprach den Angehörigen der Absturzopfer erneut sein Mitgefühl aus, zeigte sich aber grundsätzlich überzeugt von der Sicherheit der 737-Max-Flugzeuge. Auf die Frage, ob er seine Familie an Bord lassen würde, antwortete er: „Ohne zu zögern“.

Das fehlerhafte Warnsystem steht im Zusammenhang mit der Steuerungssoftware MCAS, die als entscheidende Absturzursache im Verdacht steht. Der Alarm hätte Piloten möglicherweise auf Probleme mit der Automatik aufmerksam machen können. Die MCAS-Software soll in kritischen Flugsituationen eigentlich automatisch den Flugwinkel korrigieren. Doch erste Unfallberichte deuteten darauf hin, dass das System die Maschinen durch falsche Sensordaten Richtung Boden lenkte.

Möglicherweise fehlerhafte Teile in 737-Jets verbaut

Inzwischen sind weitere Mängel bei Boeing ans Licht gekommen: Der US-Flugzeughersteller hat bei der US-Luftaufsichtsbehörde FAA eingeräumt, möglicherweise fehlerhafte Teile in einem Teil seiner Flotte verbaut zu haben. Das teilte die FAA am Sonntag mit. Dies betreffe sowohl die Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max - deren Maschinen derzeit nach zwei folgenschweren Abstürzen unter Flugverbot stehen - sowie Jets des Typs Boeing 737 NG. Die FAA wies an, die fraglichen Teile innerhalb von zehn Tagen auszutauschen.

Zu einem Absturz könne ein Ausfall dieser Teile nicht führen, hieß es in Medienberichten. Bei den möglicherweise fehlerhaft hergestellten Teilen handele es sich um bewegliche, vom Piloten zu steuernde Teile an den Tragflächen, die sogenannten Leading edge slats. Sie werden etwa bei der Landung benutzt, um Geschwindigkeit zu reduzieren.

Boeing will trotz der momentanen Situation nicht am Zeitplan für einen neuen mittelgroßen Passagierjet rütteln. Der Flieger soll sein Debüt weiterhin im Jahr 2025 feiern, sagte Muilenburg. Das Flugzeug, das bisher den Namen New Midsize Aircraft (NMA) trägt, soll die Lücke zwischen den Mittelstreckenjets der 737-Familie und den Großraumjets wie dem „Dreamliner“ (Boeing 787) füllen. (Mit Material von dpa)

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