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Finnland baut seinen ersten Quantencomputer

Redakteur: Sebastian Gerstl

Das VTT – Technisches Forschungszentrum Finnland, die größte Einrichtung für Auftragsforschung Nordeuropas, beginnt mit der Erforschung und dem Bau des ersten nordischen Quantencomputers. 25 Millionen Euro werden in das mehrjährige Projekt investiert.

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Blick in den Reinraum von Micronova, einer Forschungsinfrastruktur zur Entwicklung von Nanotechnologie und Quantencomputer-Technologien. Im finnischen Otaniemi soll im Verlauf eines mehrjährigen Projekts des VTT der erste Quantencomputer Finnlands entstehen.
Blick in den Reinraum von Micronova, einer Forschungsinfrastruktur zur Entwicklung von Nanotechnologie und Quantencomputer-Technologien. Im finnischen Otaniemi soll im Verlauf eines mehrjährigen Projekts des VTT der erste Quantencomputer Finnlands entstehen.
(Bild: Micronova)

Noch sind Quantencomputer weit von einer kommerziellen Anwendbarkeit entfernt. Dennoch verspricht die Technologie, die Herangehensweise an Computing grundlegend zu verändern und mit seiner massiven Eigenschaft für Parallelität selbst modernste Supercomputer an Rechenleistung zu übertreffen. Im Februar 2020 hat das Forschungszentrum Jülich mit der Erforschung und dem Einrichtung eines dedizierten deutschen Quantencomputer-Forschungszentrums begonnen.

Nun ziehen die nordischen Länder nach: Das Technische Forschungszentrum Finnlands VTT startet ein mehrjähriges Projekt zur Anschaffung des ersten finnischen Quantencomputers.

25 Millionen Euro zur Erforschung eines Quantencomputer-System

„In der Zukunft werden wir auf Herausforderungen stoßen, die mit den derzeitigen Methoden nicht zu bewältigen sind,“ sagt Antti Vasara, der Geschäftsführer des VTT. „Die Quanteninformatik wird bei der Lösung dieser Art von Problemen eine wichtige Rolle spielen. Zum Beispiel werden die Quantencomputer der Zukunft in der Lage sein, Viren und Pharmazeutika genau zu modellieren oder neue Materialien in einer Weise zu entwerfen, die mit herkömmlichen Methoden nicht möglich ist“.

Das Projekt wird nach Angaben des VTT in drei Phasen gegliedert. Die erste Phase soll etwa ein Jahr in Anspruch nehmen und darauf abzielen, einen Quantencomputer mit mindestens fünf Qubits zu entwerfen und zu konstruieren. Zugleich soll ein Ökosystem aus finnischen Universitäten und Unternehmen etabliert werden, dass an der inländischen Entwicklung und Anwendung von Quantencomputern arbeitet.

Das VTT hofft, während der verschiedenen Phasen der Implementierung und Anwendung mit fortschrittlichen finnischen Unternehmen aus einer Vielzahl von Sektoren zusammenzuarbeiten. Die Entwicklung und der Bau des finnischen Quantencomputers werden als Innovationspartnerschaft durchgeführt, die VTT für internationale Ausschreibungen öffnen wird.

Am Ende des mehrjährigen Projekts soll ein Quantencomputer mit „einer großen Zahl an Qubits“ existieren. Die geschätzten Kosten des Gesamtprojekts sollen zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegen.

Grundlegende Infrastruktur bereits vorhanden

Das VTT verfügt über langjährige Erfahrung sowohl in der quantentechnologischen Forschung als auch in verwandten Bereichen der Wissenschaft und Technologie, wie supraleitende Schaltkreise und Kryogenik, Mikroelektronik und Photonik. Im finnischen Otaniemi betreibt das Forschungszentrum zusammen mit der Aalto Universität die Infrastruktur-Einrichtung Micronova, eine Sammelstelle für Startups und kleinere Forschungsunternehmen zur experimentellen Forschung und Entwicklung in Quantentechnologien. Die Reinräume von Micronova sind bereits für die Herstellung von Quantenkomponenten ausgerüstet, aber die Infrastruktur soll im Rahmen dieses neuen Projekts weiter ausgebaut werden.

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