Großbrand bei Renesas Feuer in Fab: Chipmangel bei Autoherstellern verschärft sich

Redakteur: Michael Eckstein

Schlechte Nachrichten für Fahrzeughersteller: Ein Feuer hat eine wichtige 300-mm-Waferlinie in der Naka-Fab von Chiphersteller Renesas zerstört und einen Produktionsstopp verursacht. Erst in einem Monat soll sie wieder hochgefahren werden.

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Großbrand zur Unzeit: Ein Feuer zerstörte 600 Quadratmeter Reinraum und elf Maschinen in der Naka-Fab von Mikrocontrollerhersteller Renesas. Die Produktion ist lahmgelegt
Großbrand zur Unzeit: Ein Feuer zerstörte 600 Quadratmeter Reinraum und elf Maschinen in der Naka-Fab von Mikrocontrollerhersteller Renesas. Die Produktion ist lahmgelegt
(Bild: Renesas)

Nach dem Großbrand in seiner Naka-Fab in Japan geht Renesas davon aus, dass es mindestens einen Monat dauern wird, bis die Produktion wieder hochgefahren werden kann. Das Feuer hatte nach Angaben des Herstellers rund 600 Quadratmeter des insgesamt 12.000 m² großen Reinraums und mit ihm elf Maschinen für 300-mm-Wafer zerstört. Mitarbeiter kamen demnach nicht zu Schaden.

Diese Nachricht von einem der größten Hersteller von Automotive-Chips trifft die Automobilindustrie weltweit ins Mark: Wegen anhaltender Nachschubprobleme bei wichtigen Elektronikkomponenten mussten viele Fahrzeughersteller bereits ihre Produktion drosseln. Diese Situation wird sich nun mit hoher Wahrscheinlichkeit verschlimmern. Renesas geht davon aus, dass seine Kunden in etwa einem Monat mit einem – zusätzlichen – Versorgungsengpass konfrontiert werden.

„Es gibt keine Reservefertigungskapazitäten"

CEO Hidetoshi Shibata sagte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Online-Briefing, dass etwa zwei Drittel der Produktion auf seiner 300-mm-Wafer-Linie, die von dem Feuer am Freitag betroffen war, Chips für die Automobilindustrie seien. Das Problem: Laut Shibata produziert Renesas bereits unter Volllast, „es gibt keine Reservefertigungskapazitäten mehr“.

Bedingt durch die Corona-Pandemie gibt es seit letztem Jahr einen Verkaufsboom in der Unterhaltungsindustrie. Außerdem hat die schnelle Erholung des chinesischen Marktes für einen starken Aufschwung bei Autoverkäufen dort gesorgt. Da die Chiphersteller jedoch ihre Produktion nicht beliebig erhöhen können, kämpfen viele Autohersteller seither mit ausbleibenden Chiplieferungen.

Qualm verseucht Reinraum

Nach Angaben von Reuters hat das Feuer in der Naka-Chipfabrik im Nordosten Japans elf Maschinen oder 2 % der Produktionsanlagen zerstört. Problematisch war zudem aufsteigender Qualm, der die Reinraumatmosphäre verunreinigt und den Herstellungsprozess stört. Shibata sagte, dass Renesas möglicherweise nicht in der Lage sein wird, alle zerstörten Maschinen innerhalb eines Monats zu ersetzen. Das bedeutet, dass eine Rückkehr zur vollen Produktion auch länger als einen Monat dauern könnte.

Derzeit sucht Renesas nach Möglichkeiten, auf andere Werke auszuweichen, um bis zu zwei Drittel der verlorenen Produktion zu ersetzen. Diese entspricht nach eigenen Angaben einem Wert von etwa 17 Mrd. Yen (156 Mio. US-Dollar) pro Monat.

Auch andere Auto-Chiphersteller haben Probleme

Renesas ist in letzter Zeit vom Produktions-Pech verfolgt: Erst im letzten Monat musste der japanische Hersteller seine Produktion in den Naka-Werken für einige Tage stoppen, nachdem ein Erdbeben die Stromversorgung unterbrochen hatte und die vorhandenen Notstromgeneratoren nicht funktionierten. Vor zehn Jahren musste der Hersteller das Werk für drei Monate schließen, als ein verehrendes Erdbeben mit folgendem Tsunami die Nordostküste Japans verwüstete.

Doch nicht nur Renesas ist von Produktionsproblemen betroffen: Ein ungewöhnlich starker Wintereinbruch in Texas hatte Mitte Februar etliche Chiphersteller zum Produktionsstopp gezwungen, darunter auch Infineon/Cypress und NXP – beides Wettbewerber von Renesas. Die klirrende Kälte führte zu Stromausfällen in weiten Bereichen des Bundesstaates, woraufhin die Regierung die Hersteller per Anordnung zum Stopp ihrer Fabs zwang.

Infineon hat gerade begonnen, seine FErtigung in Texas wieder hochzufahren. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzausfall in Höhe eines hohen zweistelligen Millionenbetrages in Euro.

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