Wirtschaft Fehlende Vorprodukte: Ifo kürzt Konjunkturprognose

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Deutschlands Wirtschaft erholt sich – aber Lieferengpässe bremsen den Aufschwung stärker aus als erwartet, meldet das Wirtschaftsinstitut Ifo. Ab nächstem Jahr soll die deutsche Wirtschaft aber richtig in Fahrt kommen.

Engpass: Nicht nur die Automobilhersteller warten sehnsüchtig auf Chips aus meist asiatischen Fabriken.
Engpass: Nicht nur die Automobilhersteller warten sehnsüchtig auf Chips aus meist asiatischen Fabriken.
(Bild: Clipdealer)

Die globalen Lieferengpässe werden nach der Konjunkturprognose des Ifo-Instituts die wirtschaftliche Erholung in Deutschland zunächst noch bremsen. Die Münchner Ökonomen erwarten für dieses Jahr noch ein Wachstum von 3,3 Prozent, wie das Institut mitteilte. Das wären 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im März erwartet.

Kurzfristig dämpfend wirken nach Einschätzung des Konjunkturforschers Timo Wollmershäuser vor allem die Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten – damit gemeint ist unter anderem der Chipmangel in der Autoindustrie.

BIP: Minus 380 Milliarden Euro von 2020 bis 2022

Dafür könnte es dann im kommenden Jahr wesentlich kräftiger aufwärts gehen als ursprünglich gedacht. Für 2022 erhöhte das Ifo-Institut seine Wachstumsprognose um 1,1 Punkte auf 4,3 Prozent.

Dessen ungeachtet gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die deutsche Wirtschaft von 2020 bis 2022 wegen der Corona-Krise Einbußen von über 380 Milliarden Euro verkraften muss.

Grundlage ist die Annahme, dass die Wirtschaft ohne Krise im jährlichen Schnitt um 1,2 Prozent hätte wachsen können. 2020 war das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um knapp fünf Prozent geschrumpft.

Entspannung am Arbeitsmarkt erwartet – und spürbare Teuerung

Wollmershäuser und seine Kollegen gehen davon aus, dass sich die Lage auch auf dem Arbeitsmarkt zunehmend entspannt. Ende Mai waren geschätzt noch 2,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen mit „nur noch“ 100.000 Kurzarbeitern – also ähnlich viel wie vor Beginn der Krise. Die Arbeitslosigkeit könnte demnach von 2,7 Millionen Ende 2020 auf 2,4 Millionen im kommenden Jahr zurückgehen.

Doch müssten sich Bürger und Unternehmen auf eine im Vergleich zum Vorjahr spürbare Teuerung einstellen. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut eine Inflationsrate von 2,6 Prozent, bedingt vor allem durch höhere Energiepreise und die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer.

2021: Ifo prognostiziert über 10 Prozent Exportwachstum

Wollmershäuser prophezeit zudem einen Außenhandelsboom – mit einem Exportwachstum von 10,4 Prozent in diesem Jahr. Die Importe könnten demnach sogar um 11,4 Prozent zulegen, womit auch der im Ausland oft kritisierte Überschuss der deutschen Leistungsbilanz kleiner werden würde.

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