Auftragseingang plus 132 Prozent FBDi: Rekordwachstum bei deutscher Bauelemente-Distribution

Redakteur: Michael Eckstein

Deutsche Bauelemente-Distributoren haben im zweiten Quartal 2021 ein Umsatzplus von 17,5 Prozent und ein Plus von 132 Prozent beim Auftragseingang verbucht! Bei anhaltend hoher Nachfrage verhindert die derzeitige Bauteileknappheit ein noch besseres Ergebnis.

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Ausgeliefert: Die deutschen Distributoren kommen der enormen Nachfrage aus der Industrie nach elektronischen Komponenten kaum nach. Zweistelliges Umsatzwachstum und explodierender Auftragseingang sind die Folgen.
Ausgeliefert: Die deutschen Distributoren kommen der enormen Nachfrage aus der Industrie nach elektronischen Komponenten kaum nach. Zweistelliges Umsatzwachstum und explodierender Auftragseingang sind die Folgen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Erste Konsequenzen der Bauteileknappheit zeigten sich im zweiten Quartal des Jahres. Die im FBDi registrierten Distributoren verzeichneten von Apri lbis Juni 2021 einen Umsatzzuwachs von 17,5 Prozent auf 802 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum explodierte der Auftragseingang und erreichte mit 132 Prozent Zuwachs und einem Gesamtvolumen von 1,43 Milliarden Euro zwei neue Rekordmarken. Wie bereits in Q1 bremste die mangelnde Verfügbarkeit das Umsatzwachstum erheblich. Die Book-to-Bill-Rate stieg erneut auf sehr hohe 1,79.

Auf Produktebene legten die Passiven Bauelemente mit 35 Prozent auf 104 Millionen Euro deutlich zu, ebenso die Elektromechanik mit 31 Prozent auf 112 Millionen Euro. Die Halbleiter als stärkste Produktgruppe wuchsen „nur“ um 11,2 Prozent auf 520 Millionen, haben aber einen massiven Zuwachs beim Auftragseingang auf über 1 Milliarde Euro.

Leichte Verschiebung bei der Umsatzverteilung

Elektromechanik-Sensoren wuchsen um 54 Prozent, Displays um 3,9 Prozent, Stromversorgungen um 28,2 Prozent und Baugruppen und Geräte um 43,3 Prozent. An der Umsatzverteilung zeigen sich leichte Verschiebungen: Halbleiter nehmen 65 Prozent des Umsatzes ein, Passive 13 Prozent, Elektromechanik 14 Prozent, Stromversorgungen 4 Prozent, die restlichen 4 Prozent verteilen sich auf die übrigen Produkte.

Der FBDi-Vorstandsvorsitzende Georg Steinberger kommentiert: „Angesichts der absurd hohen Auftragslage ist davon auszugehen, dass das Umsatzplus mehr von mangelnder Verfügbarkeit und Preiserhöhungen geprägt war als von echtem Wachstum, das sich dann hoffentlich in den nächsten Quartalen materialisiert.“ Wieviel von den fast 1,5 Milliarden Euro Neuaufträgen real seien, werde sich spätestens nächstes Jahr zeigen – denn ein Großteil davon seien langfristige Vorbuchungen vieler Kunden, die eine Situation wie jetzt vermeiden wollten.

„Brauchen bessere Bildung und Forschung statt Milliardengeschenke für Chip-Fabs“

Interessanterweise hat sich die Diskussion um Milliardenzuschüsse für 5-nm-Chip-Fabriken wieder etwas beruhigt, so Steinberger: „Wir nehmen an, dass im Verborgenen weiter an den Politikern gearbeitet wird, um Milliarden Steuergeschenke zu verteilen, aber die Differenzierung der Diskussion hat schon begonnen.“

Das europäische Problem ließe sich nämlich nicht in Nanometer messen, sondern im Mangel an interessanten, massentauglichen Chipdesigns im Stile von Smartphone- oder Tablet-Prozessoren. Und die würden daher rühren, dass im Vergleich zu USA, China und Japan hierzulande kaum nennenswerte Forschungs- und Bildungsstrukturen für Mikroelektronik existieren und ebenso wenig eine Investitions- und Support-Landschaft für Chip-Start-ups. „Solange Subventionen immer in Großunternehmen versickern, um Dinge zu finanzieren, die diese ohnehin machen, wird sich das nicht ändern“, ärgert sich der FBDi-Chef.

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