Faire Kobaltgewinnung: Fairphone startet die ‚Fair Cobalt Alliance‘

Redakteur: Margit Kuther

Kobalt ist einer der gefragtesten, aber auch polarisierendsten Rohstoffe – abgebaut oft unter schlechten sozialen und ökologischen Bedingungen. Die Fair Cobalt Alliance möchte dies ändern.

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Kupfermine: Über 50% der weltweit abgebauten Kobaltproduktion kommt aus der Demokratischen Republik Kongo. Der Abbau erfolgt meist unter prekären Bedingungen.
Kupfermine: Über 50% der weltweit abgebauten Kobaltproduktion kommt aus der Demokratischen Republik Kongo. Der Abbau erfolgt meist unter prekären Bedingungen.
(Bild: / CC BY-SA 2.0)

Als Hauptrohstoff für Batterien gilt Kobalt als Schlüsselmaterial der Energiewende und Digitalisierung im Allgemeinen und der Elektro- und Automobilindustrie im Speziellen. Die Gewinnung des Materials findet weltweit häufig unter prekären Bedingungen statt. Das nieder­ländische Social Business Fairphone hat gemeinsam mit den Gründungspartnern Signify, Huayou Cobalt, Impact Facility sowie den Unternehmen Glencore, Responsible Cobalt Initiative (RCI), Sono Motors und Lifesaver die ‚Fair Cobalt Alliance‘ (FCA) gegründet. Die FCA-Partner möchten auf die Missstände im Kobaltabbau aufmerksam machen und diesen sozial verantwortlicher, klimaschonender und konfliktfreier gestalten.

Zudem möchte die FCA eine vermittelnde Rolle zwischen Regierungen und Zivilgesellschaft einnehmen und den Dialog fördern. Auch sollen Kontrollsysteme für den Kleinbergbau (Artisanal and Small-Scale Mining = ASM) professionalisiert und für den Kampf gegen Kinderarbeit sensibilisiert werden. Die vollständige Erreichung der Ziele, die sich die ‚Fair Cobalt Alliance‘ gesetzt hat, wird bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen. Beginnen soll die Umsetzung in Minen in Kasulu und Kamilombe in der Demokratischen Republik Kongo und anschließend auf weitere Minen übertragen werden.

Kobalt, ein Schlüsselmaterial für die Zellfertigung

Kobalt gilt als Schlüsselmaterial für die Herstellung fairer und nachhaltiger Batterien. Laut Prognosen wird die Nachfrage an dem elementaren Rohstoff noch weiter steigen, jedoch kann diese nicht durch das weltweite Vorkommen an Kobalt gedeckt werden. Das Risiko, dass immer mehr informelle ASM-Minen mit schlechten Arbeitsbedingungen entstehen, um die Versorgungslücke zu füllen, steigt. ASM-Minen befinden sich in Bezug auf Arbeits- und Sicherheitsbedingungen, Schutz vor Kinderarbeit und Zugängen zu legitimen, transparenten Märkten meist weit unter den internationalen Standards.

Die Allianz setzt sich für kinderarbeitsfreie Kolwezi-Minen ein und möchte Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Bildung und Berufsausbildung ermöglichen. Desweiteren möchte die FCA in Gemeinschaftsprogramme, die auch andere nachhaltige Lebens­bereiche außer den Bergbau fördern, investieren. Um das allgemeine Haushaltseinkommen der Gemeinschaft zu steigern, liegt der Fokus auf der Unterstützung der Landwirtschaft, des Unternehmertums und der Finanzkompetenz.

Mehr als zwei Drittel des weltweiten Kobaltangebots stammen aus der Demokratischen Republik Kongo und obwohl der Großteil aus großen Bergbaubetrieben gewonnen wird, tragen ASM–Minen einen erheblichen Teil dazu bei. Im Jahr 2019 setzten diese Minen 11% der Kobaltproduktion um, während sie auf dem Höhepunkt der Kobaltpreise im Jahr 2018 sogar 20% verzeichneten. Noch bedeutender ist, dass der Kleinbergbau eine Quelle direkter Beschäftigung für mehr als 100.000 Menschen ist, wobei die Zahl der Beschäftigten auf der Grundlage der jeweils aktuellen Marktpreise schwankt. Insbesondere jetzt, angesichts der andauernden Pandemie. Experten schätzen, dass in der DRK rund 1,5 bis 2 Millionen. Menschen im Metall- und Edelsteinabbau tätig sind.

Fair Cobalt Alliance: Gemeinsam für faires Cobalt

Abbau: Kobalt wird häufig neben Kupfer und Malachit (Steine mit blaugrüner Farbe) gefunden. Daher sind diese Lieferketten und die damit verbundenen Risiken oft eng miteinander verbunden.
Abbau: Kobalt wird häufig neben Kupfer und Malachit (Steine mit blaugrüner Farbe) gefunden. Daher sind diese Lieferketten und die damit verbundenen Risiken oft eng miteinander verbunden.
(Bild: Fairphone)

Die FCA wurde vom Social Business Fairphone und seinen Partnern Signify, einem weltweit führenden Unternehmen für Beleuchtung; Huayou Kobalt, ein führender Kobaltlieferant und der Impact Family gegründet, eine Organisation zur Regulierung der Lieferketten, um ASM-Gemeinschaften zu stärken und eine Differenzierung der Bergbauökonomen zu ermöglichen. Die FCA integriert Kobalt aus ASM-Betrieben in der Provinz Lualaba aus der Demokratischen Republik Kongo mit globalen Lieferketten für die Automobil- und Elektroindustrie. Zu den Gründungsmitgliedern gesellten sich auch Glencore und die Responsible Cobalt Initiative (RCI), ein Programm, das von chinesischen Kobaltraffinerie- und Bergbauunternehmen, die im Kongo tätig sind, ins Leben gerufen wurde.

Die RCI widmet sich den Risiken, denen die Minenarbeiter ausgesetzt sind. Auch der deutsche Mobilitätsanbieter Sono Motors und das Unternehmen Life­saver, das mobile und mietbare Powerbanks anbietet, haben sich der Initiative angeschlossen. Wissens- und Entwicklungsorganisationen, darunter das Miller Centre for Entrepreneurship, und die kongolesische Zivilgesellschaft, darunter das Centre Arrupe pour la Recherche & Formation (CARF), unterstützen die Initiative ebenfalls aktiv. Das niederländische Außenministerium und das Ministerium für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit, die von der niederländischen Unternehmensagentur The Netherlands Enterprise Agency umgesetzt werden, tragen durch einen Zuschuss über mehrere Jahre zum Bündnis (FCA) bei.

Fairphone 3: Faire Elektronik, modulare, reparable und langlebige Produkte sind das Ziel des niederländischen Unternehmens Fairphone.
Fairphone 3: Faire Elektronik, modulare, reparable und langlebige Produkte sind das Ziel des niederländischen Unternehmens Fairphone.
(Bild: Fairphone)

Dr. Assheton Stewart Carter, Geschäftsführer der Impact Facility und Fair Cobalt Alliance: „Die Sicherheit der Kobalt-Lieferketten ist nun wichtiger denn je, da unser Bedarf an diesem extrem wichtigen Mineral in der neuen digitalen Wirtschaft offensichtlich wird. Wenn wir Umwelt-, Sozial- oder Arbeitsprobleme in Lieferketten finden, sollten wir nicht wegsehen, wir sollten uns nicht abwenden, sondern es als unsere Pflicht sehen, Maßnahmen zu ergreifen und Verbesserungen vorzunehmen. Die ‚Fair Cobalt Alliance‘ ist ein mutiger Schritt genau in diese Richtung. Es gilt einen systemischen Wandel herbeizuführen, indem man mit lokalen Partnern und allen Unternehmen in der Lieferkette zusammenarbeitet, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.”

David Finlay, Responsible Minerals Manager, Fairtrade and Board of Trustees und The Impact Facility: „Fairtrade arbeitet daran die Vorteile des Handels gleichmäßiger zu verteilen – durch Standards, Zertifizierung, Herstellerunterstützung und Programmen vor Ort. Wir freuen uns sehr über die Gründung der ‚Fair Cobalt Alliance‘, die diese Mechanismen zum Nutzen der Arbeitnehmer und ihrer Gemeinden im handwerklichen Bergbausektor der Demokratischen Republik Kongo umsetzen möchte. Wir freuen uns darauf, durch die Zusammenarbeit mit der Impact Facility eng mit der FCA zusammenzuarbeiten.“

Fairphone 3: Das Smartpnone besteht aus fair gehandelten und recycelten Materialien.
Fairphone 3: Das Smartpnone besteht aus fair gehandelten und recycelten Materialien.
(Bild: Fairphone)

Benjamin Katz, Policy Analyst bei der OECD: „Millionen von Lebensgrundlagen in der Demokratischen Republik Kongo und auf der ganzen Welt hängen von ASM ab. Die OECD ermutigt die Industrie, sich durch fortschreitende Verbesserungen verantwortungsbewusst mit dem Sektor auseinanderzusetzen, anstatt ihn zu meiden – oftmals bleiben Schwierigkeiten in ASM dadurch verborgen. Wir unterstützen vollstens das Ziel der ‚Fair Cobalt Alliance‘, in bessere Arbeitsbedingungen für ASM und ähnliche Projekte zu investieren, um mehr Transparenz für den Sektor zu schaffen und gleichzeitig den Marktzugang für Kleinproduzenten zu erweitern.”

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 24/2020 (Download PDF)

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