Podiumsdiskussion auf der electronica 2014

Fachkarriere oder Managementlaufbahn?

| Redakteur: David Franz

Auf dem Podium diskutierten: Beatrice Tamas (STMicroelectronics), Arnt Stumpf (Würth Elektronik), Karen Ossmann (Robert Bosch), Renate Schuh-Eder (SchuhEder Consulting), Frank Vernauer (P4 Career Consultants) und Prof. Heather Hofmeister (Goethe Universität Frankfurt)
Auf dem Podium diskutierten: Beatrice Tamas (STMicroelectronics), Arnt Stumpf (Würth Elektronik), Karen Ossmann (Robert Bosch), Renate Schuh-Eder (SchuhEder Consulting), Frank Vernauer (P4 Career Consultants) und Prof. Heather Hofmeister (Goethe Universität Frankfurt) (Bild: Messe München / Alex Schelbert)

Fachkarriere oder Managementposition mit disziplinarischer Personalverantwortung – welcher Weg führt langfristig zum Erfolg? Experten der Elektronikbranche geben im Interview ihre Einschätzung ab.

Viele Ingenieure fragen sich im Laufe ihrer Karriere, ob sie den Sprung in eine Managementposition wagen sollen oder nicht. Einige Unternehmen bieten aber inzwischen eine Alternative zur klassischen Manager-Laufbahn an – die Fachkarriere. Dieser Weg ermöglicht eine technische Karriere ohne Mitarbeiterführung. Doch sind die beiden Karriereoptionen wirklich gleichwertig?

Antworten gab es es in der Podiumsdiskussion „Fachkarriere vs. Managementlaufbahn: Welcher Weg führt langfristig zum Erfolg?“ auf der electronica 2014. Organisiert und moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Renate Schuh-Eder (SchuhEder Consulting). Im Anschluss waren die Diskussionsteilnehmer Karen Ossmann (Robert Bosch), Beatrice Tamas (STMicroelectronics), und Frank Vernauer (P4 Career Consultants) zu einem kurzen Interview bereit.

Wer Manager wird, geht auch ein Risiko ein. Die Zeiten sind vorbei, in denen man 40 Jahre lang bei einem Arbeitgeber sicher angestellt war. Wie steht man als Outplacement-Berater zur Managementkarriere?

Frank Vernauer: Eine Managementkarriere ist in der Wirtschaft und in unserer Gesellschaft die anerkannteste berufliche Entwicklungsform. Aber die Rahmenbedingungen unserer Arbeitswelt ändern sich zunehmend. Erhöhte wirtschaftliche Dynamik in allen Branchen, zunehmende Digitalisierung und Internationalisierung, Projektgeschäft und sich verändernde Ansprüche der ins Berufsleben eintretenden Generationen sind nur einige Megatrends, die grundlegend auch die bestehenden Modelle von Managementkarriere beeinflussen. Um sich als Manager in Zukunft zu behaupten, wird sich dieser Personenkreis zunehmend auf neue und heute noch unbekannte Herausforderungen einstellen müssen.

Funktioniert der Weg zurück in die Fachkarriere? Beispielsweise, wenn ein Manager in seiner Position scheitert?

Karen Ossmann: Für Bosch gesprochen muss man sich nicht für das eine oder gegen das andere entscheiden. Als Technikunternehmen brauchen wir sowohl hochqualifizierte Fach- als auch Führungskräfte. Ein Wechsel zwischen unseren drei Laufbahnen wird nicht nur gewünscht, sondern auch gefördert. Das hat weniger mit einem Scheitern zu tun. Im Gegenteil, ein Laufbahnwechsel zählt auch zu unseren Karrierebausteinen, um die nächste Hierarchiestufe zu erreichen. Aber unabhängig von der Laufbahn sehen wir es als wichtig an, noch besser mit Nicht-Erfolgen umzugehen: wer viel wagt, wer sich in neuen Märkten ausprobiert, geht Risiken ein, kann auch mal „scheitern“. Solche Erfahrungen sehen wir auch als wichtigen persönlichen Zugewinn.

Beatrice Tamas: Bei ST kommt das in der Praxis ebenfalls vor. Die Mitarbeiter müssen lernen, Veränderungen in ihrer Laufbahn als Chancen zu sehen.

Frank Vernauer: Ich sehe das etwas kritischer. Speziell in Deutschland wird der Wechsel von der Manager- in die Fachkarriere durchaus als „Scheitern“ interpretiert! Die Ergebnisse aus unserer Beratung von Fach- und Führungskräften zeigen mir, dass der Weiterbildung von Experten oftmals zu wenig Beachtung geschenkt wird. Neben anderen Faktoren kann diese dazu führen, dass das Karrieremodell Fachlaufbahn als Entwicklungsmodell „zweiter Klasse“ neben der Managerlaufbahn angesehen wird. Ein weiterer grundlegender Erfolgsfaktor ist die Verteilung der „Insignien der Macht“. Entscheidungs- und Mitbestimmungsrechte, PKW und administrative Unterstützung, Büro und Weiterbildungsangebote müssen nach innen und außen hin sichtbar und gerecht für die alternativen Karrieremodelle vom Unternehmen gestaltet werden.

Frau Ossmann, Frau Tamas, ist die Fachkarriere eine „Karriere zweiter Klasse“, in der die Underdogs arbeiten und nur einen Bruchteil der Managergehälter verdienen?

Karen Ossmann: Ganz im Gegenteil. Spitzenkräfte in Forschung und Entwicklung sind meistens Spezialisten auf ihrem Arbeitsgebiet mit Anerkennung weit über die Unternehmensgrenzen hinaus. Wir melden pro Arbeitstag jährlich weltweit 20 Patente an – das geht nicht allein mit Managern. Bei Bosch wertschätzen wir unsere Laufbahnen gleichermaßen; damit stehen wir auch für Nachwuchskräfte hoch im Kurs. Unterschiede im Gehalt ergeben sich eher durch die Berufserfahrung und die damit einhergehenden Fähigkeiten, die für eine bestimmte Tätigkeit erforderlich sind.

Beatrice Tamas: Die einzelnen Levels (Jobgrades) der beiden Pfade (Management/Fachkarriere) sind bei uns gleich und demzufolge gilt dann pro Jobgrade auch dasselbe Gehaltsband.

Blicken wir einmal 10 Jahre in die Zukunft. Reden wir da noch über die Aufteilung von Fach- oder Managementkarriere?

Beatrice Tamas: Wir werden zukünftig nicht mehr von einer Trennung sprechen. Es wird eine Mischung sein. Die Mitarbeiter werden auch zwischendrin Seitwärtsschritte gehen und die Verantwortung für ihre Karriere übernehmen. Die Personalplanung und -entwicklung richtet sich zukünftig nach den Talenten und den Stärken der Mitarbeiter mit dem Ziel: die richtigen Leute zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle!

Karen Ossmann: Die Fachlaufbahn gibt es bei Bosch seit den 1970er Jahren – und sie hat noch Bestand. Aber auch dort werden wir sicherlich Kontinuität und Wandel in Zukunft erleben. Prinzipiell ist mein Rat: Tun Sie das, wozu Sie Lust haben – und nicht das, was Sie meinen, was andere von Ihnen erwarten. Erstens können Sie sich da irren, zweitens haben Sie viel mehr Energie zum lebenslangen Lernen, wenn Sie mit Begeisterung dabei sind.

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