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Fabless-Halbleiterhersteller: Broadcom überholt Qualcomm

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Jahrelang galt Qualcomm als unangefochtener Spitzenreiter under den Fabless-IC-Herstellern. Nun hat Broadcom das Unternehmen in Sachen Marktvolumen überflügelt. NVIDIA feiert derweil ein Erfolgsjahr, vor allem dank des Server-Geschäfts.

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Broadcom hat Qualcomm überflügelt und ist wieder die umsatzstärkste Halbleiterfirma ohne eigene Foundry. NVIDIA legt allerdings ein Rekordjahr hin und schließt erstmals spürbar zu den beiden SoC-Größen auf.
Broadcom hat Qualcomm überflügelt und ist wieder die umsatzstärkste Halbleiterfirma ohne eigene Foundry. NVIDIA legt allerdings ein Rekordjahr hin und schließt erstmals spürbar zu den beiden SoC-Größen auf.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Umsatzzahlen der 10 größten Foundry-losen Halbleiterherstellung nach einer Erhebung von TrendForce.
Umsatzzahlen der 10 größten Foundry-losen Halbleiterherstellung nach einer Erhebung von TrendForce.
(Bild: TrendForce)

Qualcomms Erfolg als größter Chiphersteller ohne eigene Foundry ist seit Jahren eng mit dem Erfolg seiner SoCs und Modems im Smartphonemarkt gekoppelt. Daran hatte auch ein zwischenzeitlicher und mittlerweile beigelegter Rechtsstreit mit Apple, einem der größten Abnehmer in diesem Segment, nichts geändert: Die Umstellung auf 5G-Technologie hat Qualcomms Geschäft sogar noch einmal stark angetrieben. Auch das von der Konkurrenz argwöhnisch beurteilte Lizenzmodell mit Exklusivabsprachen konnte das Unternehmen erfolgreich vor einem Berufungsgericht verteidigen, was dem Börsenkurs noch einmal Auftrieb gab.

Dieser Aufwärtstrend ist im zweiten Quartal 2020 allerdings ins Stocken geraten. Schuld daran ist unter anderem eine Verzögerung bei der Markteinführung und Auslieferung der neuesten iPhone-Modelle von Apple. Neue Produktveröffentlichungen von Apple im dritten Quartal hatten in der Vergangenheit in der Regel zu den Einnahmen von Qualcomm im zweiten Quartal beigetragen.

Während um Qualcomm im vergangenen Jahr ein regelrechter Rummel in den Schlagzeilen herrschte, hat dagegen Broadcom das Unternehmen vergleichsweise still und heimlich bei den Umsatzzahlen überflügelt. Die die Marktanalysten bei Trendforce ausführen, kommt Broadcom im zweiten Quartal 2020 auf ein geschätztes Umsatzvolumen von 3,976 Milliarden US-$, während Qualcomm bei 3,807 Milliarden US-$ liegt. Interessant ist hier allerdings der direkte Vorjahresvergleich: Im zweiten Quartal 2019 hatte Broadcom noch 4,265 Milliarden US-$ an Umsatz ausgewiesen und hat somit um 6,8% weniger Volumen auszuweisen. Dagegen hat Qualcomm im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,9% zugelegt. Damals waren 3,567 Milliarden US-$ Umsatz ausgewiesen worden.

NVIDIA auf Höhenflug, wertvoller als Intel

Der große Überflieger in diesem Ranking ist allerdings NVIDIA. Der GPU-Spezialist konnte, vor allem dank eines starken Servergeschäfts, im Vergleich zum Vorjahr einen um 47,1% gesteigerten Umsatz melden (3,461 Milliarden US-$ im zweiten Quartal 2020, verglichen mit 2,352 Milliarden US-$ im zweiten Quartal 2019). Zudem sind in diesem Quartal erstmals auch die Umsatzzahlen aus dem Merger mit Mellanox mit ausgewiesen, der im April abgeschlossen wurde. NVIDIA hatte den israelischen Interconnect-Spezialisten für 6,9 Milliarden US-$ übernommen und damit in einem Bieterstreit Konkurrenten wie Intel ausgestochen. NVIDIA befindet sich seit einem Jahr auf einem Höhenflug, den auch die aktuelle Coronakrise nicht ausbremsen kann. An der Börse, speziell im NASDAQ-Index, ist NVIDIA seit Juli sogar als Unternehmen wertvoller als Chipriese Intel, die NVIDIA-Aktie wird derzeit mit knapp 535 US-$ gehandelt. (Da Intel kein Fabless-IC-Hersteller ist, sind die Umsatzzahlen des Unternehmens in diesem TrendForce-Listing nicht vertreten.)

Die derzeitige Schwäche von Intel kommt auch AMD zugute, das ebenfalls mit einem zweistelligen Prozentbetrag im Umsatzvolumen (um 14,2% auf 1,531 Milliarden US-$) zulegen konnte. Der Fabless-Prozessorhersteller profitiert von einem extrem starken Geschäft mit Highend-Desktop-CPUs, die Ryzen,-Architektur läuft hier momentan Intels aktueller Generation an iCore-Prozessoren zunehmend den Rang ab.

Auch die stark diversifizierten taiwanischen Chiphersteller Mediatek und Realtek konnten eine zweistellige Zunahme des Umsatzvolumens melden.

Xilinx rutscht überraschend ab

Dagegen hat Xilinx erstmals einen zweistelligen Rückgang im Umsatzvolumen melden müssen (- 14,5%, 727 Millionen US-$ Umsatz im zweitan Quartal 2020 im Vergleich zu 850 Millionen US-$ im Q2 2019). Der FPGA-Marktführer hat vor allem in den Netzwerk- und Automotive-Märkten Rückschläge einstecken müssen.

Xilinx hatte mit dem Launch der Highend-Plattform ACAP eigentlich auf dem Servermarkt durchstarten und damit explizit NVIDIA als Konkurrenten angreifen wollen. Zudem legen kleinere FPGA-Hersteller wie Lattice derzeit an Marktvolumen zu, da diese weiterhin explizit Low-End und Low-Power bedienen; viele Kunden nehmen es so war, als würden Xilinx - wie auch Intel PSG - diese Bereich derzeit zu Gunsten des Servermarktes vernachlässigen.

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