Digitales Cockpit Extra breiter Hyperscreen im Mercedes EQS

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

In seinem Elektro-Flaggschff EQX verbaut Daimler künftig ein sogenanntes Hyperscreen (MBUX). Unter dem Deckglas arbeiten drei Bildschirme, die sich per Berührung bedienen lassen.

Neben dem Funktionsdisplay vor dem Lenkrad verfügt MBUX über ein zentrales Display und ein separates Infotainment- und Steuerungsdisplay für den Beifahrer.
Neben dem Funktionsdisplay vor dem Lenkrad verfügt MBUX über ein zentrales Display und ein separates Infotainment- und Steuerungsdisplay für den Beifahrer.
(Bild: Daimler)

Nicht kleckern, sondern klotzen: So zumindest stellt sich im Elektro-Flaggschiff EQS von Daimler das Display im Armaturenbrett dar. Der sogenannte Hyperscreen (Mercedes-Benz-User-Experience (MBUX)) im Mercedes EQS enthält drei Bildschirme, die unter einem gebogenen Deckglas miteinander verbunden sind. Die gesamte bedienbare Fläche beträgt 2432,11 cm².

Das Deckglas wird bei einer Temperatur von 650 °C in seine endgültige Form gebracht. Das Glas selbst besteht aus kratzfestem Aluminiumsilikat, das bei sehr geringer Dicke extrem bruchfest ist. Dank des Prozesses ist es möglich, einen verzerrungsfreien Blick auf die Displayeinheit über die gesamte Fahrzeugbreite zu bekommen. Ganz unabhängig vom Radius des Deckglases.

Die Steuerelektronik für das Displays enthält acht CPU-Kerne, die über einen schnellen Speicherbus mit 46,4 GByte pro Sekunde auf den Arbeitsspeicher mit 24 GByte zugreifen. Für die haptische Rückmeldung bei der Bedienung befinden sich insgesamt zwölf Aktoren unter den Touchscreen-Oberflächen. Berührt der Finger dort bestimmte Punkte, lösen sie eine spürbare Vibration der Deckplatte aus.

Angepasste Helligkeit, keine Verzerrung des Inhalts

Die Helligkeit des großen Touchscreen wird anhand der Messdaten einer Multifunktionskamera und eines zusätzlichen Lichtsensors an die entsprechenden Umgebungsbedingungen angepasst. Und weil ein so großes Glas in einem Fahrzeug auch ein potenzielles Risiko für die Sicherheit der Insassen darstellt, hat der Hersteller eine nicht näher spezifizierte Anzahl von Sollbruchstellen sowie fünf spezielle Halterungen vorgesehen, die im Falle eines Crashs gezielt nachgeben können.

Als wichtige Kommunikationsschnittstelle zwischen Mensch und Fahrzeug (HMI) darf die Oberfläche des Hyperscreen nicht spiegeln. Der Blick auf die Displayeinheit ist über die gesamte Fahrzeugbreite komplett frei von Verzerrungen, unabhängig vom Radius des Deckglases.

Neben dem Funktionsdisplay vor dem Lenkrad verfügt MBUX über ein zentrales Display und ein separates Infotainment- und Steuerungsdisplay für den Beifahrer. Die beiden letztgenannten sind in OLED-Technik ausgeführt, um einen besonders hohen Kontrastumfang zu erreichen.

Alle wichtigen Funktionen im Blick

Hinter dem Deckglas sind insgesamt drei Bildschirme miteinander verbunden. Die gesamte bedienbare Fläche beträgt 2432,11 cm².
Hinter dem Deckglas sind insgesamt drei Bildschirme miteinander verbunden. Die gesamte bedienbare Fläche beträgt 2432,11 cm².
(Bild: Daimler)

Die Benutzeroberfläche ist so gestaltet, dass die wichtigsten Funktionsbereiche direkt zugänglich sind, ohne tief in irgendwelche Menüs eintauchen zu müssen. Daimler nennt diese Ebene Zero Layer.

Gesteuert von KI-Algorithmen soll das MBUX-System ein kontextsensitives Bewusstsein entwickeln, in dem sowohl Umweltveränderungen als auch das Nutzerverhalten permanent zu einer Optimierung der Prozesse führen.

Die Benutzeroberfläche ist so gestaltet, dass die wichtigsten Funktionsbereiche direkt zugänglich sind, ohne tief in irgendwelche Menüs eintauchen zu müssen. Daimler nennt diese Ebene Zero Layer.
Die Benutzeroberfläche ist so gestaltet, dass die wichtigsten Funktionsbereiche direkt zugänglich sind, ohne tief in irgendwelche Menüs eintauchen zu müssen. Daimler nennt diese Ebene Zero Layer.
(Bild: Daimler)

Mercedes hat das Nutzungsverhalten seiner ersten MBUX-Generation untersucht: Die überwiegende Mehrheit nutzt Navigation, Radio/Medien und Telefonie. Deshalb steht die Navigation mit ihrem vollen Funktionsumfang immer im Mittelpunkt des Hyperscreens. Das System speichert die Anwendungspräferenzen von bis zu sieben Personen.

Funktionen des Hyperscreens im Überblick

  • Wer dienstagabends auf dem Nachhauseweg immer einen bestimmten Freund anruft, bekommt einen entsprechenden Anruf künftig an diesem Wochentag und zu dieser Uhrzeit vorgeschlagen. Dabei erscheint eine Visitenkarte mit dessen Kontaktinfos, und – wenn hinterlegt - dessen Bild. Alle Vorschläge von MBUX sind an das Profil des Nutzers gekoppelt. Fährt an einem Dienstagabend jemand anderes den EQS, unterbleibt also diese Empfehlung – beziehungsweise es kommt eine andere, abhängig von den Vorlieben des jeweils anderen Nutzers.


  • Verwendet der EQS-Fahrer im Winter regelmäßig die Massagefunktion nach dem Hot-Stone-Prinzip, lernt das System dazu und schlägt ihm die Komfortfunktion bei winterlichen Temperaturen automatisch vor.


  • Schaltet der Benutzer regelmäßig zur Sitzheizung beispielsweise auch die Heizung von Lenkrad und von weiteren Flächen ein, wird ihm das vorgeschlagen, sobald er die Sitzheizung betätigt.


  • Das Fahrwerk des EQS kann angehoben werden, um mehr Bodenfreiheit zu bieten. Eine nützliche Funktion bei steilen Garageneinfahrten oder Schwellen zur Verkehrsberuhigung am Boden („Sleeping Policemen“). MBUX merkt sich die GPS-Position, an der der Nutzer Gebrauch von der Vehicle-Lift-Up-Funktion gemacht hat. Nähert sich das Fahrzeug erneut der GPS-Position, schlägt MBUX selbstständig vor, den EQS anzuheben.

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