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Europaweiter Produktionsstopp von Automobilen wegen Coronavirus

| Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Nach vereinzelten Infektionen von Mitarbeitern mit dem Covid-19-Erreger macht VW die Produktion vielerorts dicht. Auch bei Renault, dem Opel-Mutterkonzern PSA und dem Fiat-Chrysler-Konzern stehen europaweit zahlreiche Fabriken still.

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Das VW-Logo steht auf dem Verwaltungshochhaus vom Volkswagen-Werk. Der Konzern will die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus vorübergehend aussetzen.
Das VW-Logo steht auf dem Verwaltungshochhaus vom Volkswagen-Werk. Der Konzern will die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus vorübergehend aussetzen.
(Bild: Sina Schuldt/dpa )

Der VW-Konzern will die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus vorübergehend aussetzen. An den allermeisten Standorten solle an diesem Freitag (20. März) die letzte Schicht laufen, hieß es am Dienstag (17.3.) aus dem Betriebsrat in Wolfsburg. In den vergangenen Tagen hatte es auch in deutschen Werken erste bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 gegeben. Der Betriebsrat beriet nun mit dem Vorstand über die Lage. Aus Sicht der Mitarbeitervertreter reicht die beschlossene Unterbrechung der Fertigung bisher aber nicht aus.

„Im Vordergrund stand die Situation der Kolleginnen und Kollegen im direkten Bereich, wo auf den Montagelinien Schulter an Schulter an unseren Fahrzeugen gearbeitet wird“, hieß es. Das Robert-Koch-Institut empfehle jedoch etwa Mindestabstände, die an den einzelnen Arbeitsstationen nicht einzuhalten seien. „Wir dringen hier auf verbindliche Ansagen“, erklärte der Betriebsrat in Richtung Management.

Zwei Wochen Unterbrechung

Welche Folgen der Schritt für die Produktion beim größten Autohersteller der Welt hat und wie lange die Maßnahme anhält, war zunächst unklar. VW-Chef Herbert Diess sagte, viele Standorte richteten sich auf zwei Wochen Unterbrechung ein. Die deutschen VW-Standorte waren nach jüngsten Angaben des Konzerns bisher nur von relativ wenigen nachgewiesenen Sars-Cov-2-Infektionen betroffen. Am vergangenen Wochenende waren Fälle im Werk Baunatal bei Kassel sowie im Stammwerk Wolfsburg bekannt geworden.

Den betreffenden Beschäftigten soll es jüngsten Angaben zufolge gut gehen, sie sind in häuslicher Quarantäne. VW hatte zuletzt etwa Hygiene- und Abstandsvorschriften verschärft, auch Kantinen sollten geschlossen werden. Dienstreisen wurden eingeschränkt, größere Versammlungen verschoben.

Vorstand und Betriebsrat hatten sich kürzlich an die Belegschaft gewandt. „Uns ist klar, dass wir auch bei Volkswagen mit Fällen von Corona rechnen müssen“, hieß es in einem Brief an die Mitarbeiter. „Es geht aber darum, die Ausbreitung einzudämmen. Denn so schützen wir die Schwachen in der Gesellschaft: unsere Eltern und Großeltern, Lungenkranke, Asthmatiker und alle anderen Risikopersonen.“

Der größte deutsche Industriekonzern hat weltweit mehr als 670 000 Beschäftigte, auch in vielen anderen Ländern gelten inzwischen erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. Bisher waren die Lieferketten nach offiziellen Angaben nicht nennenswert unterbrochen oder gefährdet.

In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausbrach und Volkswagen zeitweilig auch schon Fabriken schließen musste, entspannte sich die Lage zuletzt wieder etwas. Im Februar waren die Verkäufe in der Volksrepublik abgestürzt: Sie sanken im wichtigsten Einzelmarkt im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Viertel. Der Effekt war maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch bei globaler Betrachtung ein erhebliches Minus um 24,6 Prozent in der Absatzstatistik stand.

Audi kämpft mit Nachschubproblemen

Die VW-Tochter Audi fährt ihre Werke in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn bis Ende dieser Woche schrittweise komplett herunter. Angesichts der deutlich verschlechterten Absatzlage und der sich abzeichnenden Unsicherheit der Teileversorgung der Werke «wird es an den meisten Standorten des Volkswagen-Konzerns zu Produktionsunterbrechungen kommen», teilte Audi am Dienstag mit.

Produktions- und Logistikvorstand Peter Kössler sagte: "Die aktuelle Lage zwingt uns nun zu den angekündigten Maßnahmen und wird uns weiterhin viel Flexibilität und Solidarität abverlangen." Ab kommendem Montag solle die Produktion in diesen Werken stehen, denn das Coronavirus breite sich in Europa und vielen Ländern der Welt aus. Der Schritt sei mit dem Betriebsrat und dem Volkswagen-Konzern abgestimmt. In den deutschen Audi-Fabriken arbeiten rund 60 000 Beschäftigte.

Auch andernorts macht sich bei Audi die Ausbreitung von Sars-CoV-2 bemerkbar. In Brüssel stand vorübergehend die Produktion still, weil Mitarbeiter aus Sorge um Virenschutz vorübergehend die Arbeit niedergelegt hatten, meldet die FAZ. Zwar konnten die Bedenken in Gesprächen zwischen Betriebsleitung und Gewerkschaft mittlerweile ausgeräumt werden, meldete ein Sprecher des Unternehmens. Dennoch bekommt der Konzern die Folgen der aktuellen weltweiten Krise zu spüren: Aufgrund der Lage in China kämpft Audi seit Monaten mit Nachschubproblemen um Batteriekomponenten, die besonders für die Elektro-LKW-Reihe E-Tron benötigt werden.

Opel schließt unter anderem Rüsselsheim und Eisenach

Auch der Opel-Mutterkonzern PSA schließt wegen der Covid-19-Pandemie in den kommenden Tagen 15 Autofabriken in Europa. In Deutschland sind ab dem heutigen Dienstag die Standorte Rüsselsheim und Eisenach betroffen, teilte der Hersteller gestern in Rueil-Malmaison bei Paris mit. Die Schließungen sollen bis zum 27. März dauern.

PSA führte als Gründe Unterbrechungen in der Zulieferkette und einen deutlichen Rückgang auf den Automobilmärkten an. Betroffen sind auch Standorte in Spanien, Frankreich, Portugal, Großbritannien und in der Slowakei.

Auch der ohnehin kriselnde PSA-Rivale Renault stoppt seine Produktion in Frankreich. Davon seien zwölf Werke mit 18.000 Mitarbeitern betroffen, teilte der Konzern mit.

Produktionsstopp auch in europäischen Fabriken von Fiat Chrysler und bei Ferrari

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) schließt wegen des Ausbruchs des Coronavirus vorübergehend die meisten Werke in Europa. Davon ist auch die Maserati-Produktion betroffen. In Italien gelte der Beschluss zunächst bis Ende März für sechs Produktionsstätten (Melfi, G. Vico/Pomigliano, Cassino, Carrozzerie Mirafiori, Grugliasco und Modena), in Serbien (Kragujevac) und Polen (Tychy) für jeweils eine, teilte der Autobauer am Montag mit. Damit reagiere die Firma auf die sinkende Nachfrage.

FCA habe auch Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um die Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 einzudämmen. So seien unter anderem Abstände zwischen Arbeitsplätzen vergrößert und Desinfektionsmittel bereitgestellt worden.

Auch Maserati-Konkurrent Ferrari hat bekannt gegeben, wegen des Coronavirus-Ausbruchs für zwei Wochen seine beiden Werke zu schließen. Das Unternehmen hatte ursprünglich versucht, die Fabriken am Laufen zu halten, doch nun ließen „die ersten ernsthaften Probleme in der Lieferkette“ eine weitere Produktion nicht mehr zu, teilte Ferrari in einer Erklärung am Samstag mit. Die Werke in Maranello und Modena würden daher ebenfalls bis zum 27. März geschlossen bleiben.

Auch die für die Formel-1 zuständige Scuderia Ferrari habe den Betrieb eingestellt. Die Entscheidung wurde „aus Respekt“ und für den „Seelenfrieden“ der Arbeiter und Zulieferer von Ferrari getroffen, sagte der Vorstandsvorsitzende Louis Camilleri.

Einzig an BMW scheint die aktuelle Problematik weitgehend ohne nennenswerte Auswirkungen vorüberzuziehen. „Es gibt derzeit keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in unserer Lieferkette“, teilte ein Sprecher des Unternehmens der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit. Auch die Frage von Kurzarbeit stelle sich für BMW derzeit nicht.

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