DMASS Quartalsbericht 1Q2021 Europäischer Halbleitermarkt: Deutschland verliert mit -8,7 Prozent den meisten Umsatz

Redakteur: Margit Kuther

Nach Angaben von DMASS sank der Umsatz im europäischen Halbleiter-Distributionsmarkt im ersten Quartal 2021 um 1,6 Prozent auf 2,17 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das größte Umsatzplus verzeichnete Großbritannien mit 8,7 Prozent, das geringste Deutschland mit -8,7 Prozent.

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DMASS: Übersicht der Umsätze des europäischen Halbleiterdistributionsmarktes im Hahr 2020 und 1Q2021.
DMASS: Übersicht der Umsätze des europäischen Halbleiterdistributionsmarktes im Hahr 2020 und 1Q2021.
(Bild: DMASS)

Georg Steinberger, Vorsitzender von DMASS: „Während das Jahr 2020 sicherlich von der COVID-19-Pandemie und den Brexit-Ängsten beeinflusst war, scheinen diese Faktoren aus der aktuellen Marktentwicklung völlig verschwunden zu sein. Jetzt geht es um die Verknappung von Komponenten und strategische Abhängigkeiten von der asiatischen Produktion. Die Buchungszahlen sind verrückt und die Verfügbarkeit ist zu einem umsatzbegrenzenden Faktor für die Distribution und ihre Kunden geworden. Das sequenzielle Wachstum zeigt, in welche Richtung sich der Rest des Jahres entwickeln könnte.“

Quartalszahlen der Länder: von +8,7 Prozent bis -8,7 Prozent Umsatz

Auf Länder- und Regionenebene ist die Marktsituation sehr unterschiedlich und zeigt keine klare Richtung. Während Osteuropa, Großbritannien, Italien, die Schweiz, die nordischen Länder und die Benelux-Staaten eine positive Entwicklung zeigten, verzeichneten Deutschland, Frankreich, die Iberische Halbinsel, Israel und Russland Rückgänge im niedrigen bis hohen einstelligen Bereich. Deutschland schloss mit einem Rückgang von 8,7 Prozent und 594 Mio. Euro ab. Frankreich ging um 5,9 Prozent auf 135 Mio. Euro zurück, während Großbritannien um 8,7 Prozent auf 143 Mio. Euro zulegte. Italien stieg um 3 Prozent auf 212 Mio. Euro. Osteuropa wuchs weiterhin stabil um 3,2 Prozent auf 398 Mio. Euro und die nordische Region um 4,9 Prozent auf 164 Mio. Euro.

Georg Steinberger: „Das erste Quartal 2021 ist nicht wirklich ein großartiger Trendindikator, wenn man den großen sequenziellen Swing und die riesige Halbleiterknappheit, begleitet von signifikanten Preissteigerungen, bedenkt. So wie es aussieht, könnten die aktuellen Engpässe bis weit in das Jahr 2021 hineinreichen, wenn nicht sogar darüber hinaus.“

Die Bewertung auf Produktgruppenebene ist ähnlich schwierig und lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Uneinheitlichkeit. Während z.B. Diskrete, Stromversorgungen und Sensoren gut wuchsen, gingen Opto, Analog und MOS Micro leicht zurück und programmierbare Logik, Standard Logik und andere Logik brachen ein.

Nach Größe sortiert, sanken die analogen Komponenten um -3,8 Prozent auf 627 Mio. Euro und MOS Micro um -0,7 Prozent auf 430 Mio. Euro. Power wuchs um 6,8 Prozent auf 266 Mio. Euro, Opto blieb mit -0,3 Prozent auf 205 Mio. Euro unverändert und Speicher wuchsen um 1,2 Prozent auf 191 Mio. Euro. Der Bereich Diskrete wuchs um 14,6 Prozent auf 130 Mio. Euro und überholte damit die programmierbare Logik, die um 20,5 Prozent auf 124 Mio. Euro zurückging. Sonstige Logikbauteile verzeichneten einen Rückgang von 13,7 Prozent auf 105 Mio. Euro und die Sensoren legten um 15,7 Prozent auf 64 Mio. Euro zu.

Georg Steinberger: „Seltsamerweise haben sich einige Standardprodukte wie Diskrete und Stromversorgungen im ersten Quartal 2021 viel besser entwickelt als Logikbauteile im Allgemeinen oder Analog, ganz im Gegenteil zum letzten Jahr. Aber in einem Markt, der sich in Aufruhr befindet (oder im Boom-Modus, je nachdem, aus welcher Perspektive man es betrachtet), wird sich die Situation im Laufe des Jahres ändern. Und wie das sequenzielle Wachstum zeigt, könnte der begrenzende Faktor in den kommenden Monaten eher die Verfügbarkeit als die Nachfrage sein.“

„Was 2021 bringen wird, ist mehr von dem, was wir in den letzten Monaten gesehen haben, nämlich überzogene Buchungen, Preiserhöhungen, Verknappung und eine Umstellung der Beschaffungsstrategien auf längerfristige Bestellungen. Der Furor, mit dem die Politik jetzt versucht, die Abhängigkeit Europas von Asien bei der Halbleiterproduktion zu bekämpfen, zeigt die strategische Bedeutung dieser Technologie für viele Bereiche der europäischen Industrie. Es ist zu erwarten, dass der Bewusstseinswandel keine kurzfristigen Auswirkungen auf das Angebot haben wird.“

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