Universität des Saarlandes

Europäische Konferenz für Softwareforschung in Saarbrücken

| Redakteur: Hendrik Härter

Die größte europäische Konferenz für Softwareforschung findet vom 26. März bis 3. April in Saarbrücken statt. Auf der ETAPS diskutieren Informatikforscher aus der ganzen Welt, wie aufwändige Softwaresysteme sicherer und zuverlässiger gestaltet werden können.

Viele große Computerprogramme steuern heute Aktienmärkte, Zugfahrpläne und die industrielle Produktion. Sie sind über die Jahre gewachsen und immer komplexer geworden, aber dadurch auch anfälliger für Fehler. „Man kann das mit dem Bau einer Kathedrale vergleichen.

Da wurde im Mittelalter vieles ausprobiert und gebaut, was dann zum Teil auch wieder einstürzte. Die Statik konnte damals keiner berechnen, dennoch kann man viele hohe Kirchenbauten noch heute bewundern“, erläutert der Saarbrücker Informatik-Professor Reinhard Wilhelm.

Komplexität der Software in den Griff bekommen

Bei Softwaresystemen werde heute auch vieles konstruiert, was zwar in den meisten Fällen funktioniere, aber in der Theorie nicht verstanden sei und dann im ungünstigen Fall zum Absturz führe . „Hier besteht noch viel Forschungsbedarf, damit Unternehmen die Komplexität der Systeme besser in den Griff bekommen“, sagt Wilhelm, der Initiator der Konferenzserie und diesjährige Vorsitzende der Software-Konferenz ETAPS.

Für die Softwareforscher ist von Interesse, wie man ein Computerprogramm von vornherein so konstruieren kann, dass es keine Fehler enthält oder man zumindest darin Fehler automatisch findet. Zu diesem Thema wird Gerard J. Holzmann, ein renommierter Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, in Saarbrücken vortragen. Prakash Panangaden, der in Kanada forscht, wird über das Quantencomputing sprechen und sich mit der Frage beschäftigen, wie damit die Rechenleistung von Computern noch um ein Vielfaches gesteigert werden kann.

Software und Compiler verifizieren

Wenn Quantencomputing eines Tages funktionieren würde, was noch nicht klar ist, könnte es allerdings mit einem Schlag die kryptographische Infrastruktur zerstören, auf der alle Sicherheitsmechanismen der heutigen Informationstechnologie beruhen. Andrew Appel von der Princeton University (USA) hat mehrere Standardwerke zu Compilern geschrieben, die die Programmiersprachen erst in die für Computer lesbare Sprache übersetzen. Er wird in Saarbrücken darüber reden, wie man Software und Compiler verifizieren kann, damit sie genau das tun, was von ihnen erwartet wird und zwar mit hundertprozentiger Sicherheit.

Softwaretest und komplexe Computersysteme

In weiteren Vorträgen wird es um das Testen von Software und die Sicherheit von komplexen Computersystemen gehen. Ross Anderson von der Elite-Universität Cambridge wird erklären, warum es Datenschutz für große Datenbestände – wie etwa Facebook – niemals geben kann und wie damit umzugehen ist. Die internationale ETAPS-Konferenz findet erst zum zweiten Mal in Deutschland statt und wurde von den Saarbrücker Informatik-Professoren Holger Hermanns, Bernd Finkbeiner und Reinhard Wilhelm organisiert.

Als industrielle Partner und Sponsoren sind unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bosch, Microsoft Research, T-Systems, Software AG, IDS Scheer, IBM Research und das saarländische Unternehmen Absint Angewandte Informatik GmbH beteiligt. Auf der Konferenz werden mehr als 500 Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet, rund 60 davon kommen aus der Industrie.

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