Europäische EMS/ODM-Industrie wichtiger Spieler im Elektronikweltmarkt

| Redakteur: Johann Wiesböck

Marktforscher Dieter G. Weiss kennt die Europäische EMS-Industrie wie kein zweiter und liefert regelmäßig hochinteressante Einblicke ins schwierige EMS-Geschäft.
Marktforscher Dieter G. Weiss kennt die Europäische EMS-Industrie wie kein zweiter und liefert regelmäßig hochinteressante Einblicke ins schwierige EMS-Geschäft. (Bild: Weiss Engineering)

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Die europäische EMS-Industrie verändert sich massiv, einerseits durch neu hinzu gekommene EMS-Unternehmen in Frankreich, andererseits durch starkes Umsatzwachstum in Osteuropa. Der Markt wächst weiter, der Wettbewerb auch.

Die Marktforschung von ‚in4ma Marktstatistiken & Analysen‘ für die Europäische EMS-Industrie für 2018 ist abgeschlossen. Nachdem zu Jahresbeginn noch aufgrund der Jahresstatistik bei den deutschen Meldefirmen, die immerhin 68% des deutschen Produktionsvolumens ausmachen, ein Umsatzplus von 7,4% verzeichnet wurde, kam das Endergebnis für Deutschland auf 5,3%.

Der Unterschied ist einfach erklärt, Firmen mit schwachen Ergebnissen versuchen diese geheim zu halten und melden nicht in die Jahresstatistik. Rein rechnerisch hatten die Firmen, die nicht melden und 32% des Deutschen Produktionsvolumens erwirtschaften, lediglich ein mittleres Umsatzwachstum von 0,8%.

Auf europäischer Ebene gab es massive Veränderungen, einerseits durch neu hinzu gekommene EMS Unternehmen in Frankreich, andererseits durch starkes Umsatzwachstum in Osteuropa. Die Anzahl der Westeuropäischen EMS Unternehmen betrug zu Jahresbeginn noch 1.454 EMS Unternehmen (423 in Osteuropa). Mit Unterstützung des französischen Elektronikverbandes SNESE konnten in Frankreich zusätzlich zu den 181 EMS Unternehmen weitere 281 Unternehmen identifiziert werden so dass derzeit in Frankreich 462 EMS Unternehmen bekannt sind. Die Gesamtzahl der EMS Unternehmen hat sich damit auf 2158 Firmen erhöht, die zu 1888 Unternehmen gehören.

Weitere 69 Unternehmen müssen noch untersucht werden, was sich etwas schwieriger gestaltet, da diese Firmen keine Homepage haben. Aufgrund der Tatsache, dass diese Unternehmen alle im Umsatzbereich von maximal bis 2 Mio. Euro anzusiedeln sind, wird sich damit das europäische Umsatzvolumen nicht wesentlich ändern.

Für jede dieser 2158 Firmen gibt es komplette Kontaktdaten und wesentliche Zahlen wie Umsatz und Mitarbeiter und in vielen Ländern zudem noch diverse Bilanzzahlen. Dementsprechend ist das gesamte Produktionsvolumen eines einzelnen Landes bzw. von ganz Europa lediglich ein einzelner Klick in der Excel-Datenbank.

42,081 Mrd. Euro Umsatz in 2018 und 9% Wachstum zu 2017

Für 2018 ergibt sich ein Umsatz von 42,081 Mrd. Euro und eine Wachstum von 9% zu 2017. Dieses Wachstum bedarf weiterer Erklärung. Wir alle erinnern uns noch an die Allokationsprobleme und damit verbundene Preiserhöhungen sowohl bei Memory Halbleitern als auch bei MLCC und passive Chip-Widerständen. Die Profis unter den EMS/ODM konnten diese Preiserhöhungen (zumindest partiell) an den Kunden weitergeben, welches dem Umsatzwachstum half.

Ein massives Umsatzwachstum fand 2018 jedoch mit 15,8% in Osteuropa statt (Westeuropa 3,3%). Globale EMS legten in ihren Fabriken in Osteuropa massiv zu: Flex in Ungarn (+40%), Wistron in Tschechien (+209%), Foxconn in Tschechien (+12%), Jabil in Ungarn (+60%). Eine potenzielle Erklärung ist vielleicht in der Aussage von Simon Lin, Chairman/CSO von Wistron Corp zu finden: „We will enhance the distribution and balance of our global operation sites“.

Ursache könnte hier der Handelskrieg USA/China sein und damit verbunden die Eliminierung sämtlicher Risiken, die zur Verschlechterung der Unternehmensergebnisse führen könnten.

Blick auf die Entwicklung der EMS-Industrie für 2019

Einen ersten Blick auf die Entwicklung der europäischen EMS Industrie für 2019 kann man werfen, wenn man die börsennotierten Unternehmen auswertet, die ihre Ergebnisse jedes Quartal veröffentlichen und mittlerweile die Ergebnisse der ersten 3 Quartale berichtet haben. Dazu gehören Cicor (Halbjahr), Incap, Kitron, Neways, Norbit, Note, Scanfil. Die Berechnung des organischen Wachstums, also ohne Zukäufe, führt in den ersten neun Monaten 2019 zu einem Wachstum gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von 9,6%.

Zudem berichtet Neways, dass das Umsatzwachstum vor allem mit Hilfe des Automotive-Sektor stattgefunden hat. Und Norbit berichtet ein Umsatzplus von 54% für die ersten neun Monate aufgrund eines großen Vertrags mit dem deutschen Industrie-Giganten und Tier 1 für die Automobilindustrie Continental Automotive.

Darüber hinaus arbeitet in4ma derzeit an der Zusammenstellung der EMS-Unternehmen im Mittleren Osten und Nordafrika, wo bisher 48 Unternehmen identifiziert wurden. Für diejenigen, die mehr auf EMEA als auf Europa fokussiert sind bedeutet dies für 2018 2.206 EMS-Unternehmen, die zu 1.926 Unternehmen gehören und in Summe in EMEA einen Umsatz von 43,72 Mrd. Euro (51.63 Mrd. USD) erwirtschafteten.

EMS-Tag stellt die 100 größten EMS/ODM-Unternehmen vor

Ein EMS-Highlight erwartet die Teilnehmer des 18. Würzburger EMS-Tag, auf dem Dieter G. Weiss die Top 100 der globalen EMS/ODM-Unternehmen vorstellen und deren Entwicklung aufzeigen wird. Einen ersten Vorgeschmack lieferte er bereits mit der Liste der globalen Top 10, die für viele große EMS einige Überraschungen bereithält. In der bisher veröffentlichten Liste eines anderen Marktforschers finden sich einige der Firmen nicht, zudem sind interessanterweise der Umsatzzahlen insbesondere bei den US-Unternehmen anders als in der in4ma-Liste.

Die Auswertung der Wachstumsraten der globalen EMS/ODM-Unternehmen in USD stellt Weiss zudem in Frage. Bei einer Auswertung der Umsätze der globalen Top 20 erklärt sich dies von selbst. 81,4% der Umsätze der Top 20 werden in TWD berichtet. Lediglich 14,9% sind in USD (2,0% in RNB, der Rest in SGD, JPY und EUR). Betrachtet man zudem die hohe Volatilität des Wechselkurses des USD zu anderen Währungen ist jede Auswertung in USD massiv beeinflusst von der Volatilität des USD und liefert ein stark verfälschtes Bild der Entwicklung der EMS/ODM-Industrie.

In der ersten Januarwoche 2020 startete wieder die Jahresstatistik, zu der über 200 EMS-Unternehmen angeschrieben werden. Je mehr EMS-Unternehmen teilnehmen, umso genauer wird die erste Auswertung für 2019, die sechs Wochen nach Jahreswechsel an alle Meldefirmen kostenlos verteilt wird.

Weitere Informationen zur in4ma-Statistik gibt es bei Weiss Engineering: in4ma@gmx.de, www.in4ma.de.

Tipp der Redaktion: Dieter G. Weiss, den Verfasser der in4ma-EMS-Studien, könne Sie persönlich am 18. Juni 2020 auf dem 18. Würzburger EMS-Tag treffen: www.ems-tag.de.

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