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Chinesen auf Einkaufstour Europäische Automobilzulieferer im Visier asiatischer Investoren

| Redakteur: Margit Kuther

Chinesische Automobilzulieferer befinden sich auf Expansionskurs. Im Visier haben sie insbesondere solide, deutsche Automobilzulieferer.

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Automobilzulieferer geraten immer häufiger ins Visier chinesischer Investoren (Bild: berlin-pics pixelio.de)
Automobilzulieferer geraten immer häufiger ins Visier chinesischer Investoren (Bild: berlin-pics pixelio.de)

Obwohl während der Automobilkrise in den Jahren 2008 und 2009 weltweit rund 350 Automobil-Zulieferer Insolvenz anmeldeten, hat eine Konsolidierung der Branche kaum stattgefunden.

Der Markt kommt nun allerdings vor allem durch chinesische Investoren in Bewegung, die sich längst nicht mehr auf günstige Zukäufe angeschlagener Unternehmen fokussieren.

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Strategische Investoren aus China suchen gezielt nach westlichen Unternehmen, durch die sie ihre eigene technologische Wettbewerbsposition verbessern können. Dies ist das Ergebnis der neuen Roland-Berger-Studie „Chinese Appetite – Emerging market players are buying into the European auto supplier industry“.

Die überwundene Wirtschaftskrise lockt Investoren

Nach den Krisenjahren 2008 und 2009 hat sich der Markt für die weltweite Zulieferindustrie deutlich erholt; die Anzahl der Insolvenzen ging signifikant zurück. Hatten 2009 in Europa etwa 100 Automobilzulieferer Insolvenz gemeldet, so waren es 2010 nur noch rund 25. In den USA sank die Zahl der Insolvenzen in der Branche von 55 Unternehmen im Jahr 2009 auf zehn im Folgejahr. Im gleichen Zeitraum gingen die Insolvenzmeldungen in Japan von 70 Unternehmen auf rund 25 zurück.

„Seitdem sich die Automobilmärkte weltweit stabilisiert haben, kommen immer mehr Unternehmen auf den Markt, die nicht aus einer Zwangslage – wie etwa einer Insolvenz – heraus verkauft werden“, erklärt Marcus Berret, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. Von der Insolvenz waren im vergangenen Jahr vor allem Zulieferer betroffen, die sich schon im Besitz von Finanzinvestoren befanden und von der Unterstützung durch Automobilhersteller besonders abhängig waren.

Insolvenzen ohne Marktbereinigung

Auch die Zulieferer, die in den Krisenjahren Insolvenz anmelden mussten, wurden überwiegend weitergeführt und anschließend veräußert. Eine Konsolidierung im Sinne einer Marktbereinigung blieb weitgehend aus. "Verantwortlich dafür sind vor allem die Automobilhersteller", erklärt Berger-Experte Berret.

"Denn ihre Strategie liegt darin, die Marktanteile jedes einzelnen Zulieferers je nach Produktsegment unter maximal 40% zu halten. Zu große Marktanteile in einem bestimmten Marktsegment würden zu einer Übermacht der Zulieferer führen. Entsprechend könnten Lieferanten die Produktpreise selbst bestimmen – zu Lasten der Abnehmer."

Neue Spielregeln für Übernahmen

Insgesamt nimmt die weltweite Zahl der M&A-Transaktionen (Mergers & Acquisitions) in der Zuliefersparte weiter zu. Im Krisenjahr 2009 wurden 302 Übernahmen von Zulieferbetrieben weltweit abgeschlossen; im Jahr 2010 waren es 341 – Tendenz steigend.

"Der Markt für M&A-Transaktionen (Mergers & Acquisitions) hat sich erholt und mittlerweile das Vorkrisenniveau erreicht. Dies liegt hauptsächlich daran, dass sich die generellen Marktbedingungen für Übernahmen erheblich verbessert haben", erläuter Roland Berger Partner Berret.

Strategische Investoren lösen die Finanzinvestoren ab

Dabei zeichnet sich ein klarer Trend im Transaktionsmarkt ab: Waren vor der Krise noch die Finanzinvestoren die zentralen Spieler im Transaktionsgeschäft, verlagerte sich während der Krise der Schwerpunkt auf industrielle, strategische Investoren.

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