Suchen

Für vermeintlich mehr Sicherheit EU will Autofahrer mit automatischem Bremssystem entmündigen

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Europäische Union möchte Geschwindigkeitsübertretern das Wasser abgraben: Ab 2020 soll ein Bremssystem die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit automatisch verhindern. Hierdurch lässt sich die Zahl der Verkehrstoten um bis zu 37 Prozent reduzieren, heißt es – doch Zweifel sind angebracht.

Firmen zum Thema

Die EU will ein neuartiges Bremssystem einführen, welches grundsätzlich jeden Versuch der Geschwindigkeitsübertretung unterbindet. Als technische Grundlage soll die sogenannte Verkehrszeichenerkennung dienen. Dieses System ist bereits heute in vielen Fahrzeugklassen optional zu erhalten.
Die EU will ein neuartiges Bremssystem einführen, welches grundsätzlich jeden Versuch der Geschwindigkeitsübertretung unterbindet. Als technische Grundlage soll die sogenannte Verkehrszeichenerkennung dienen. Dieses System ist bereits heute in vielen Fahrzeugklassen optional zu erhalten.
(Bild: BMW)

Im Jahr 2015 gab es in der EU über 26.000 Verkehrstote. Das zuständige Verkehrskommissariat erarbeitete daraufhin ein Arbeitspapier, mit mehreren Vorschlägen und Szenarien, um die Zahl deutlich zu senken. Der Hauptvorschlag: Ein neuartiges Bremssystem unterbindet grundsätzlich jeden Versuch der Geschwindigkeitsübertretung.

Die technische Grundlage bildet die sogenannte Verkehrszeichenerkennung. Das System ist gegenwärtig bereits in vielen Fahrzeugklassen optional wählbar. Die Europäische Union plant derweil, die Schildererkennung direkt mit dem Bremssystem zu verknüpfen. So soll das Fahrzeug selbstständig eingreifen und einen Bremsvorgang starten, falls der Fahrer, bewusst oder unbewusst, das Limit überschreitet.

Nach dem vorläufigen Rekord im Jahr 2015 mit über 26.000 Verkehrstoten (Zahlen für 2016 stehen noch aus), hofft man, in Brüssel mit dieser Maßnahme die Kehrtwende zu erzielen. Wie in dem EU-Bericht weiter zu lesen ist, erwarten die Parlamentarier mittels des automatischen Bremssystems einen Rückgang der Verkehrstoten um 37 Prozent.

Alternativ wurde ein Szenario entwickelt, in dem nur die Schildererkennung zur Pflichtausstattung wird. Hierbei kann laut EU aber nur eine Reduzierung von maximal 8 Prozentpunkten erzielt werden. Von einer Entscheidung sei man aber noch entfernt, da die fehlende Akzeptanz der Autofahrer als großes Problem gewertet wird.

Folglich wird es keine sofortige Umsetzung geben, vielmehr will man ab September 2020 die erste Etappe einleiten. Ab diesem Zeitpunkt sollen neue Fahrzeugtypen mit dem automatischen Bremssystem ab Werk ausgestattet werden. Zwei Jahre später soll die Regulierung für jeden Neuwagen verpflichtend sein.

Bis zur endgültigen Entscheidung wollen sich die EU-Verkehrsbeauftragten noch mit Interessensvertretern und Branchenverbänden austauschen. Auch weitere Technologien sollen geprüft und auf ihre potenzielle Effektivität bewertet werden.

(ID:44496559)