Regulierung statt Verbot EU und Bitcoin werden Freunde

Von Dr. Stefan Riedl

Die Kryptowährung Bitcoin wird reguliert, nicht bekämpft. Abgeordnete der EU-Kommission folgten insgesamt Argumenten aus der Krypto-Community. Auch Nachhaltigkeits-Aspekte spielten eine Rolle in dem Diskurs.

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Bitcoin kann grüne Energie günstiger machen.
Bitcoin kann grüne Energie günstiger machen.
(Bild: Сергей Шиманович - stock.adobe.com)

Auf Twitter fasste es der Publizist Holger von Krosigk folgendermaßen zusammen: „Stell dir vor: Du schreibst ein Konzept für digitales Cash und schickst es per Mail herum. Und: 13 Jahre später stimmt die Europäische Kommission über eine deiner ­Ideen ab. Und entscheidet sich dafür, um den Standort Europa für die Finanzwelt von morgen zu erhalten. #Bitcoin“

Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System

Das Konzept, von dem hier die Rede ist, ist das Paper „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ vom pseudonym gebliebenen Satoshi Nakamoto und besagte ­Entscheidung ist die Ablehnung der EU-Abgeordneten im ECON-Ausschuss (Ausschuss für Wirtschaft und Währung) gegen den umstrittenen Verbots-Paragrafen für PoW-basierte (Proof-of-Work) Kryptowährungen im MiCA-Gesetzentwurf (Markets in Crypto-Assets).

Die Vorgeschichte: Ein als „Bitcoin-Verbot“ gehandelter Gesetzentwurf wurde bereits im Februar von den Fraktionen der Grünen, Linken und Sozialdemokraten eingebracht, unter der Prämisse, nicht ökologisch nachhaltige Konsensmechanismen bei Krypro-Blockchains verbieten zu wollen. Es gab Widerstand aus dem Krypto-Space, anderen Fraktionen und der Wirtschaft.

Die Frage nach der Nachhaltigkeit

Der Verbots-Paragraf machte daraufhin mit dem Rotstift Bekanntschaft. Er wurde gestrichen. Die Gründe dafür bewegen sich auf mehreren Ebenen: Zum einen lässt sich eine dezentrale, Blockchain-basierte Währung nicht verbieten, sondern maximal ­lediglich der Handel einzelner Kryprowährungen von Anbietern im Geltungsbereich des EU-Raums. Analog zum Beispiel China wäre der Handel über außerhalb angesiedelte Dienstleister sowieso weitergelaufen. Zum anderen wiegen die Argumente dafür, dass Bitcoin und andere Kryprowährungen mit einem Proof-of-Work-basierten Konsensmechanismus ökologisch nachhaltig sind, schwer. Betrachtet man den Ist-Zustand, wird das Gros der Energie bereits aus nachhaltigen Energien (Windrädern, Vulkankraftwerken et cetera) gespeist. Zudem, so die Argumentation der Krypto-Community, müsse der Energieverbrauch mit dem der Bankenwirtschaft verglichen werden. In vielen Gegenden der Welt gibt es Smartphones aber keine Zahlungsdienstleister in Form von Banken. Der Energieverbrauchsvergleich würde hier zugunsten der Kryprowährung ausfallen.

Überschuss-Strom monetarisieren

Außerdem beinhaltet das Bitcoin-Netzwerk einen originären Nachhaltigkeits-Aspekt: So ermöglicht es Bitcoin, Kraftwerksbetreibern aus dem Segment der erneuerbaren Energien, den Strom günstig zu halten, da überschüssige Energie für den Proof-of-Work-Konsensmechanismus genutzt werden kann. Strom ist das wohl verderblichste Gut der Welt, denn er muss in dem Moment verbraucht werden, in dem er ­erzeugt wird.

Mangels wirtschaftlicher Energie-Speichermöglichkeit können Produktionsspitzen, beispielsweise bei Windrädern, dank Bitcoin monetarisiert werden, statt das Windrad leer laufen zu lassen. Das senkt nachhaltig die Kosten grüner Energie.

Konsensmechanismus

Der Stromverbrauch liegt im Grundprinzip des Proof-of-Work-basierten Netzwerkkonsens. So genannte Miner müssen im Netzwerk nachweisen, dass sie einen gewissen Aufwand aufgebracht haben, um Blöcke zu erzeugen. Mit den Blöcken werden Bitcoins geschürft. Dies stellt mehrere Prinzipien von Kryptowährungen wie Bitcoin in dezentralen Netzwerken ­sicher. Hauptsächlich gilt es, sich auf eine identische Version der Blockchain zu einigen, die dadurch praktisch unangreifbar wird.

Finanzstandort Europa

Wohl am schwersten wog jedoch das Argument, das von Krosigk formulierte: Es geht um den Standort Europa in der Finanzwelt von morgen, denn Kryprowährungen sind Selbstläufer voller Eigendynamik. Es wird nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben, etwa 19 Millionen sind bereits geschürft. Die Schwierigkeit der Aufgaben, die Miner lösen müssen, um Blöcke zu generieren, wird so gestaltet, dass automatisiert im Schnitt alle zehn Minuten ein neuer Block geschürft wird.

Alternatives, mathematisch begrenztes Geld

Im Gegensatz zu dem von Zentralbanken organisierten Geld, dessen Menge durch Bilanzverlängerung stetig steigt, ist die ­Digitalwährung Bitcoin mathematisch begrenzt. Bei der fortschreitenden Adaption steigt ihr Preis, insbesondere in Inflationszeiten, in der die Nutzer nach monetären Alternativen suchen. Neben dem PoW-Konsensmechanismus haben sich bei den Krytowährungen auch besonders energieeffiziente etabliert. Die von der Marktkapitalisierung her zweitgrößte Kryptowährung Ethereum wird demnächst auf den Proof-of-Stake-Mechanismus wechseln.

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„Verbot“ ist vorerst vom Tisch

Ein Bitcoin-Verbot erschien dem ECON-Auschuss bei dieser Gesamtgemengelage kein gutes Signal zu sein. Auch ein kurzfristig eingereichter Änderungsantrag, der mit anderen Formulierungen auf ein ­Bitcoin-Dienstleistungsverbot hinausgelaufen wäre, wurde kurzfristig abgelehnt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal IT-Business.de.

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