Zukunft Personal Ethisches Handeln in Unternehmen – eine Frage der Personalentwicklung

Redakteur: David Franz

Ist ethisches Denken und Handeln im modernen Arbeitsleben möglich? Nur wenn es explizit geschult wird, meint Unternehmensberater und Psychotherapeut Prof. Dr. Rupert Lay SJ. Er empfiehlt ein zweijähriges Trainee-Programm, um frisch rekrutierte Mitarbeiter in werteorientierte Unternehmenskulturen einzuführen.

Als Special Guest der größten europäischen Fachmesse für Personalmanagement beteiligt sich der 84-jährige Experte Prof. Dr. Rupert Lay SJ am Mittwoch, 18. September, an einem Podiumsgespräch zum Thema Wertewandel in Unternehmen.
Als Special Guest der größten europäischen Fachmesse für Personalmanagement beteiligt sich der 84-jährige Experte Prof. Dr. Rupert Lay SJ am Mittwoch, 18. September, an einem Podiumsgespräch zum Thema Wertewandel in Unternehmen.
(Bild: Zukunft Personal)

„Genauso wie man sein Gewissen schulen muss, damit es in kritischen Situationen nicht versagt, muss man ethisches Handeln trainieren, das letztlich auch Gewissensnormen unterstellt ist“, erklärt Pater Rupert Lay, der seit den 90er Jahren als Ethik-Papst der Wirtschaft gilt.

Bei der Ausbildung einer werteorientierten Unternehmenskultur sei das Personalmanagement von entscheidender Bedeutung und müsse eine aktive Rolle spielen, unterstreicht der Philosoph und Unternehmensberater.

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Personalentwicklung mit ethischem Anspruch einführen

Ganz konkret rät er Personalverantwortlichen dazu, ein Trainee-System im Unternehmen zu verankern: „Unter der Leitung eines ethisch verantwortlich handelnden Vorsitzenden – am besten eines Vorstands – sollten junge Leute, die von der Hochschule oder aus anderen Unternehmen kommen, erst mal zwei Jahre lang in die Unternehmenskultur eingeführt werden.“

Ein Ziel dabei sei, die Mitarbeiter zu befähigen, Anordnungen, Weisungen oder Befehle auf ihre sittliche Qualität hin zu überprüfen – was gegebenenfalls auch zu einer Auftragsverweigerung führen könnte. „Dies allein unterscheidet letztlich eine Führungskraft von einer Führungspersönlichkeit“, betont der Ethik-Spezialist.

Gespräche, Handlungen und Gedanken auf dem Prüfstand

Doch es fällt nicht immer leicht, so zu agieren: Insbesondere in emotionalen Grenzsituationen, in denen man sich getadelt oder verärgert fühle, müsse sozial verträgliches Handeln eingeübt werden –. „damit man es kann, wenn es darauf ankommt“. Wie aber lässt sich ethisches Handeln in Unternehmen trainieren? „Es fängt mit Kleinigkeiten an“, erklärt Prof. Lay.

„Zum Beispiel bei der Überlegung, wenn ich jetzt mit diesem Kunden oder jenem Mitarbeiter spreche, wie gestalte ich das sozial verträglich?“ Gespräche, Handlungen und Gedanken sollten stets darauf ausgerichtet sein, die persönliche Entfaltung aller Beteiligten möglichst zu fördern anstatt einzuschränken.

Rupert Lay hält sich selbst an diese oberste Maxime seiner Ethik der Biophilie, der „Liebe zum Leben“: „Vor allen Dingen, wenn ich nicht nur Small Talk mache, bin ich daran interessiert, das Leben der mir anvertrauten Menschen eher zu mehren als zu mindern.“

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