Angemerkt Es herrscht Ausverkauf in der Halbleiterindustrie

Redakteur: Sebastian Gerstl

Mehr als 130 Milliarden US-$ - so viel Geld wurde allein 2015 in die Konsolidierung des Halbleitermarktes investiert. Eine Summe, die noch in keinem anderen Jahr zuvor für Merger, Fusionen und Übernahmen hingeblättert wurde.

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Sebastian Gerstl, Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: „Wie viel Konkurrenz wird noch übrig sein, wenn sich der Kaufrausch einmal legt?“
Sebastian Gerstl, Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: „Wie viel Konkurrenz wird noch übrig sein, wenn sich der Kaufrausch einmal legt?“
(Bild: Bild: VBM)

Avago ließ sich den Einkauf von Broadcom über 30 Milliarden davon kosten, während Intel für FPGA-Entwickler Altera 16,7 Milliarden US-$ hinblätterte.

2016 legt die Industrie hier nochmal drauf: Erst kaufte der japanische Softbank-Konzern Prozessorentwickler ARM für 32 Milliarden US-$ ein. Qualcomm, seit dem Avago/Broadcom-Deal nur noch Nummer Zwei unter den Fabless-Anbietern, möchte gar noch mehr ausgeben, um NXP zu schlucken und wieder zuzulegen. NXP selbst war erst Anfang des Jahres zu Europas größtem Halbleiteranbieter geworden, als es für 16,7 Milliarden US-$ den Rivalen Freescale einverleibte. Dagegen muten die 850 Millionen, die Europas Nummer Zwei Infineon für Wolfspeed hingelegt hat, geradezu wie Peanuts an.

Der niedrige Leitzins der Banken regt aber auch zum Kaufrausch auf Pump an! Entwicklungskosten und Ausgaben für Fertigungsprozesse bei immer kleineren Strukturgrößen steigen. Alle wollen raus aus Smartphones und Computer, rein in die erklärten Zukunftsmärkte, auf denen groß die Labels „Automotive“ und „IoT“ prangen. Wer mithalten will, der blecht halt jetzt auf billigem Kredit.

Aber wohin soll das führen? Konkurrenz, so heißt es, belebt das Geschäft - aber wie viel Konkurrenz ist übrig, wenn sich der Kaufrausch einmal legt? Wieviel Geld bleibt für Forschung und Entwicklung übrig, wenn das Geld bereits für neue Einkäufe ausgegeben wurde?

Der Objektivist im Silicon Valley mag sagen: wenn der Markt nicht so zersplittert ist, können weniger, größere Unternehmen sich auf bessere Produkte konzentrieren. Aber wenn der Konkurrenzdruck zunehmend schwindet - welche Motivation bestünde dann noch dazu? Vielleicht liefert der Markt in den nächsten Monaten darauf ja noch eine Antwort.

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