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Mutmacher Es braucht Mut, ins „kalte Wasser“ zu springen

| Redakteur: Margit Kuther

Corona bricht lang gewachsene Strukturen innerhalb kürzester Zeit auf. Doch mit Vertrauen in uns selbst, Kollegen und Partner meistern wir die Krise, so CEO Thomas Rudel von Rutronik.

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Thomas Rudel, CEO von Rutronik: „Das Virus hat die Welt erschüttert. Es hat uns aber auch Schwachstellen im System gezeigt.“
Thomas Rudel, CEO von Rutronik: „Das Virus hat die Welt erschüttert. Es hat uns aber auch Schwachstellen im System gezeigt.“
(Bild: Rutronik / Foto Fabry)

ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Rudel, wie gehen Sie mit der Krise um?

Thomas Rudel: Wir bei Rutronik nutzen besonders jetzt das gesamte unternehmerische Knowhow unserer Unternehmensgeschichte. Bereits im Januar haben wir eine Taskforce eingesetzt und Analysen zur Situation durchgeführt. Oberste Prioritäten waren, und sind immer noch Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden bei Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit. Ganz zentral ist unser Logistikzentrum. Dort haben wir quasi über Nacht auf ein komplett getrenntes Zweischichtsystem mit strengen Hygienemaßnahmen umgestellt. Zudem konnten wir innerhalb kürzester Zeit für einen Großteil der Mitarbeiter die Arbeit vom Homeoffice ermöglichen und sämtliche Kommunikation, auch Schulungen und Veranstaltungen, digitalisieren.

Was hilft in diesen schwierigen Zeiten?

Die wichtigsten Attribute sind die folgenden beiden: Zum einen braucht es Mut. Ins „kalte Wasser“ zu springen, wenn langjährig, gewachsene Strukturen innerhalb kürzester Zeit aufgebrochen werden müssen und es zunächst noch keinen „doppelten Boden“ oder Backup gibt, lässt auch erfahrene Unternehmer zögern. Und zum anderen brauchen wir alle Vertrauen: in uns selbst, unsere Kollegen und Partner, die Forschung und in die Zukunft.

Wie unterstützt Rutronik seine Mitarbeiter?

Das Buzzword der Stunde ist wohl auch hier „Flexibilität“: Für uns geht die Sicherheit und Gesundheit zu hundert Prozent vor, deshalb versuchen wir auch so flexibel wie irgendwie möglich auf die individuellen Bedürfnisse zu reagieren: Viele Mitarbeiter*innen haben auch Kinder, die zusätzlich Zuhause betreut werden mussten, Arbeitszeiten wurden flexibler gestaltet und Teams in „Büroschichten“ geteilt.

Bei der Einführung des Zweischichtsystems in der Logistik haben wir einen Shuttleservice für die Mitarbeiter*innen eingerichtet, da der ÖPNV mit den neuen Arbeitszeiten nicht kompatibel war.

Wir haben uns als eines von wenigen Unternehmen zudem bewusst gegen Kurzarbeit entschieden, da gerade jetzt unsere Mitarbeiter*innen wenigstens in Bezug auf ihre Gehälter Planungssicherheit haben sollen. Die Sicherung der Arbeitsplätze ist oberstes Ziel.

Wie binden Sie Ihre Partner ein?

Wir setzen vor allem auf Verlässlichkeit und offene Kommunikation. Durch die Aufrechterhaltung unserer Logistik können wir Lieferketten fortführen und Bedarfe erfüllen. Dabei haben wir haben uns in der akuten Phase dazu entschlossen, systemrelevante Marktsegmente wie die Medizintechnik zu priorisieren. Selbstverständlich wollen wir mit unserem technologischen Knowhow und unserer internationalen Distributionspower unterstützen.

Außerdem haben wir eine umfassende Analyse der Bedarfe des Elektronikmarktes durchgeführt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Das Ergebnis zeigt, dass nahezu alle unsere Partner auf Betriebsferien oder Urlaube in den Sommermonaten verzichten, um krisenbedingte Defizite kompensieren zu können. Wir haben deshalb beschlossen, dass Vertrieb und Produktmarketing, die Field Application Engineers und Line Manager die nächsten Monate ebenfalls uneingeschränkt für unsere Kunden und Partner zur Verfügung stehen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Unserer Ansicht nach sind wir alle in der Pflicht dafür zu sorgen, dass es schnellstmöglich ökonomisch wieder aufwärts geht. Dabei werden wir alle aber ein Höchstmaß an Flexibilität und Willen zur Veränderung aufbringen müssen. Ja, das Virus hat die Welt erschüttert. Es hat uns aber auch Schwachstellen im System gezeigt, bei denen es auch an uns selbst liegt, sie zu beheben: Zum Beispiel Technologie nicht nur zu entwickeln, sondern auch im Alltag zu nutzen oder (fest-) gefahrene Strukturen zu hinterfragen und ggf. aufzubrechen.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 15/2020 (Download PDF)

Und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Als inhabergeführtes Unternehmen sehen wir natürlich die große Verantwortung für unsere Partner, Mitarbeiter und Kunden. Deshalb setzen wir jetzt z.B. auf ein antizyklisches Modell, um flexibel die veränderten Bedürfnisse der internationalen Märkte zu erfüllen und die eigene Unternehmensposition nach der Krise zu stärken. Unser Krisenteam rekapituliert die vergangenen Monate, ergänzt und passt unsere bereits vorhandenen Krisenmanuals an. Wir setzen vor allem auch auf unsere engagierten und versierten Mitarbeiter, um unseren Kunden als starker, verlässlicher Partner in dieser wirtschaftlichen Extremlage und beim Re-Start zur Seite stehen zu können.

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