Erstes privates 5G-Standalone-Campusnetz in Betrieb

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

An der TU Kaiserslautern wurde im November zusammen mit dem DFKI und Nokia das deutschlandweit erste private 5G-Campusnetz errichtet. Damit soll die Praxistauglichkeit abgebildet werden.

Firmen zum Thema

An der Tu Kaiserslautern ist im November das erste private 5G-Standalone-Campusnetz in Deutschland in Betrieb gegangen.
An der Tu Kaiserslautern ist im November das erste private 5G-Standalone-Campusnetz in Deutschland in Betrieb gegangen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mit 5G erwartet die Wirtschaft einen kräftigen Schub, da große Datenmengen mit niedriger Latenz übertragen werden können. Teilweise gibt es schon 5G-Netze, die aber lokal noch begrenzt sind. Die TU Kaiserslautern forscht zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie weiteren Partnern aus Industrie und Forschung an konkreten Anwendungsszenarien. Dazu gehören Konzepte für die Digitalisierung der industriellen Produktion und Intralogistik, eine vernetzte Landwirtschaft oder das Thema autonomes Fahren.

Ende November ist das erste private 5G-Standalone-Campusnetz in Deutschland in Betrieb gegangen. Die notwendige Netztechnik stammt von Nokia. Unter dem Namen „5G Kaiserslautern“ soll vor allem der lokale und regionale Mittelstand von der praxisnahen Kompetenz und den Angeboten aus dem Projekt profitieren.

„Das Besondere am jetzt fertiggestellten Netzwerk ist, dass es in einem Fahrzeug mit Teleskopmast integriert wurde und somit mobil einsetzbar ist. Das ermöglicht temporäre Anwendungen, für die eine festinstallierte Mobilfunkinfrastruktur nicht kosteneffizient oder nicht umsetzbar ist – beispielsweise auf Baustellen oder bei Aussaat- und Erntekampagnen in der Landwirtschaft, aber bei auch Großveranstaltungen und in der Katastrophenhilfe“, berichtet Prof. Dr. Hans Schotten vom Lehrstuhl für Funkkommunikation und Navigation an der TU Kaiserslautern.

Praxisnahe Forschung mit kommerzieller Mobilfunktechnik

Geschaffen wurde die Realumgebung, die für die praxisnahe Forschung unverzichtbar ist, mit kommerzieller Mobilfunktechnik des finnischen Telekommunikationskonzerns Nokia. „Der Auftrag für den Aufbau des Netzes wurde im Rahmen des Forschungsvorhabens 5G Kaiserslautern des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur über eine öffentliche Ausschreibung an Smart Mobile Labs vergeben“, erklärt Projektleiter Christian Schellenberger vom Lehrstuhl für Funkkommunikation und Navigation an der TUK.

„Technisch basiert das Mobilfunknetz auf Hardware von Nokia und der Nokia Digital Automation Cloud (NDAC), einer Digitalisierungsplattform für industrietaugliche private Drahtlosnetze. Den Fahrzeugausbau hat, ebenso basierend auf einer Ausschreibung, die Schweitzer Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH übernommen. Und im November hat Smart Mobile Labs letztlich das Forschungsnetz zusammen mit uns installiert, in Betrieb genommen und getestet.“

Forschungsnetz nicht öffentlich

Das Forschungsnetz wird im Bereich der von der Bundesnetzagentur (BNetzA) vergebenen Frequenzen für regionale private Netze von 3,7 bis 3,8 GHz betrieben. Es dient zusätzlich als Evaluationsnetz, um mit der BNetzA zusammen an dynamischen und automatisierten Frequenzvergabeverfahren zu arbeiten. Aus regulatorischen Gründen ist es auch nur für die im Projekt beschriebenen Forschungszwecke und nicht öffentlich nutzbar.

Im Rahmen des Gesamtvorhabens sind künftig noch weitere Netzwerke (insgesamt sieben) geplant, die Schritt für Schritt mit verschiedenen Hardwareherstellern umgesetzt werden.

Im Oktober 2019 wurde Kaiserslautern eine von sechs 5G-Modellregionen in Deutschland. Dazu erhält die TUK für drei Jahre rund 11,6 Mio. Euro, um an der 5G-Technik und ihren Anwendungen zu forschen.

(ID:47035802)