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Erster eHighway für Hybrid-Lkw in Betrieb

| Autor / Redakteur: Richard Oed / Benjamin Kirchbeck

1,6 km lang ist der erste von Siemens mit seiner eHighway-Technologie elektrifizierte Straßenabschnitt in Kalifornien. Befahren wird er von drei Lkw mit unterschiedlicher Hybrid-Technologie.

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Die Stromabnehmer folgen der Fahrzeugbewegung und stellen so die ununterbrochene Energieversorgung der Fahrzeuge sicher.
Die Stromabnehmer folgen der Fahrzeugbewegung und stellen so die ununterbrochene Energieversorgung der Fahrzeuge sicher.
(Bild: www.siemens.com/presse)

Mit drei umgebauten Lastkraftwagen (Lkw) haben Siemens und die Luftreinhaltungsbehörde für Südkalifornien (South Coast Air Quality Management District, SCAQMD) eine 1,6 km lange eHighway-Teststrecke in der Stadt Carson im US-Bundesstaat Kalifornien in Betrieb genommen. Die drei Fahrzeuge nutzen dabei einen von Siemens mit einem Oberleitungssystem ausgerüsteten Streckenabschnitt auf der South Alameda Street zwischen den Häfen von Los Angeles und Long Beach. Ähnlich wie bei Straßenbahnen versorgt das System die Lastwagen über Stromabnehmer mit elektrischer Energie.

Die drei derzeit eingesetzten Lkw besitzen unterschiedliche Technologien: Die Firma TransPower entwickelte einen batteriebetriebenen und einen Flüssiggas-Hybrid-Lkw und Volvo in Kooperation mit seiner US-Tochter Mack Trucks einen Diesel-Hybrid-Lkw. Dank der Hybridsysteme der Fahrzeuge fahren diese auch ohne Oberleitung – die Flexibilität herkömmlicher Lastwagen bleibt erhalten.

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Trotz Oberleitung ist ein Fahrspurwechsel möglich

Der Demonstrationsaufbau ist mit dem bei Straßenbahnen verwendeten System vergleichbar. Es besteht aus dem stromführenden Oberleitungssystem entlang der Straße und einem Stromabnehmer in Kombination mit einem Hybridantriebssystem auf Seiten der Fahrzeuge. Ein Sensorsystem ermöglicht es dem intelligenten Stromabnehmer, den Kontakt zur Oberleitung herzustellen und zu unterbrechen. So können die Fahrzeuge die Fahrspuren wechseln und überholen, ohne in ständigem Kontakt mit der Leitung zu stehen.

Ziel des Projektes mit einem Auftragswert von 13,5 Millionen US-Dollar ist es, die Realisierbarkeit eines Oberleitungssystems für den Straßengüterverkehr ohne Schadstoffausstoß zu evaluieren. Bei Bewährung könnte dies zur Inbetriebnahme weiterer Strecken führen, um die Umweltverschmutzung und die Belastung der Anwohner zu verringern. In Südkalifornien sind schwere Nutzfahrzeuge die primäre Quelle smogbildender Emissionen.

Roland Edel, der Technologiechef der Mobilitätssparte von Siemens erwartet, dass sich der vom Straßengüterverkehr verursachte globale Kohlendioxidausstoß bis zum Jahr 2050 verdoppelt. Hier soll der Siemens-eHighway mit seiner im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so hohen Effizienz gegensteuern.

Auch in Deutschland ist ein eHighway geplant

Im Juni 2016 hat Siemens den weltweit ersten eHighway auf öffentlichen Straßen in Schweden in Betrieb genommen. Auf dem zwei Kilometer langen Autobahnabschnitt der E16 nördlich von Stockholm wird bis ins Jahr 2018 das Siemens- Oberleitungssystem für Lastwagen getestet. Dort verkehren zwei Biodiesel-Hybrid-Fahrzeuge des Herstellers Scania.

In Deutschland sollen im Jahr 2019 drei Feldversuche der eHighway-Technik auf ausgewählten Strecken starten. Eines dieser Projekte sieht die Elektrifizierung eines 10 km langen Abschnitts der A 5 zwischen den Anschlussstellen Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und Darmstadt/Weiterstadt vor. Auch bei diesen Versuchen steht die Reduktion von Schadstoffen im Mittelpunkt.

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