Suchen

Vom Fahrer zum Passagier Erprobung von Interaktionskonzepten für das autonome Fahren

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Um für die aufkommenden Fragen im Bereich des automatisierten Fahrens passende Antworten für die Autobauer zu finden, befasst sich Continental mit der Erforschung von Anzeige- und Bedienkonzepten für das autonome Fahren. Dem ehemaligen Fahrer kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Mit einem Eingabegerät kann der Fahrer die automatisierte Fahrt starten oder bestimmte Manöver beauftragen. Der Autopilot wird in der Erprobungsphase von einem speziell geschulten Rechtslenker simuliert.
Mit einem Eingabegerät kann der Fahrer die automatisierte Fahrt starten oder bestimmte Manöver beauftragen. Der Autopilot wird in der Erprobungsphase von einem speziell geschulten Rechtslenker simuliert.
(Bild: Continental)

Das Lenkrad loslassen und in Ruhe ein Buch lesen, während einen das Auto nach einem langen Arbeitstag durch den Feierabendverkehr chauffiert: Damit dieser Traum vom automatisierten Fahren zur Wirklichkeit werden kann, kommt neben der Fahrzeugtechnik auch dem Faktor Mensch eine entscheidende Rolle zu.

Bildergalerie

Übernimmt das Auto immer mehr Fahraufgaben, wird der Fahrer schrittweise vom Lenker zum Beobachter. Für die Interaktion zwischen Mensch und Fahrzeug ergeben sich so ganz neue Frage- und Aufgabenstellungen.

Wie genau muss der Fahrer noch über das Verkehrsgeschehen Bescheid wissen? Wie informiert das Fahrzeug den Fahrer am besten, wenn er ins Fahrgeschehen eingreifen soll? Wie interagiert der Fahrer mit dem Fahrzeug bei der Ausführung bestimmter Manöver? Und mit welchen fahrfremden Tätigkeiten werden sich Fahrer zukünftig in automatisierten Fahrphasen beschäftigen?

Oberste Priorität haben dabei die Wünsche und der Schutz des Fahrers sowie die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer um ihn herum. „Bei der Entwicklung zum vollautomatisierten Fahren ist unsere größte Herausforderung der Rollenwechsel des Fahrers und die daraus resultierenden neuen Bedürfnisse und Anforderungen“, erklärt Dr. Karsten Michels, Leiter System- und Vorentwicklung der Division Interior bei Continental.

War der Fahrer bislang ausschließlich mit der Fahraufgabe beschäftigt, wird er nun zum kritischen Nutzer und Überwacher im Cockpit. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, muss er jederzeit darüber Bescheid wissen, wie das Fahrzeug agiert und in welchem Fahrmodus es sich gerade befindet.

„Transparenz und Situationsbewusstsein sind für uns deshalb die bedeutenden Schlagworte bei der Entwicklung neuer Konzepte für den ganzheitlichen Dialog zwischen Mensch und Maschine. Nur so wird der Fahrer Vertrauen in vollautomatisiert fahrende Systeme fassen“, so Michels.

„Dabei zählt das richtige Maß an Vertrauen: Überschätzt der Fahrer die Fähigkeiten des Systems, übernimmt er im Extremfall die Fahraufgabe am Ende eines automatisierten Fahrabschnitts womöglich nicht zurück, obwohl dies notwendig wäre“, ergänzt Guido Meier-Arendt, leitender Experte Mensch-Maschine-Schnittstelle und Ergonomie der Division Interior bei Continental.

Die technischen Komponenten von Interaktionskonzepten für das Automatisierte Fahren müssen dafür nicht nur dynamisch und multimodal verknüpft werden, sondern gleichzeitig intuitiv bedienbar sein und den aktuellen Fahrerzustand jederzeit berücksichtigen. So benötigt der Fahrer womöglich mehr Zeit und Unterstützung bei der Rückübernahme der Fahraufgabe, wenn er sich nach einer längeren automatisierten Fahrphase anderweitig beschäftigt hat.

Mit Fahrsimulator und Testfahrzeug zu detaillierten Messergebnissen

Insbesondere für die sensible Übergabephase am Ende eines automatisierten Fahrabschnitts entwickelt Continental schon heute Konzepte, die vor ihrem Einsatz intensiv erprobt werden müssen – im Labor wie auch auf der Straße. Denn egal wie gut die Technik funktioniert, dem menschlichen Verhalten kommt in der Übergangsphase zum autonomen Fahren (Level 5) eine bedeutende Rolle zu.

Eine realistische Einschätzung und Bewertung der Technik ermöglichen umfangreiche Tests mit Probanden, die keine gelernten Testfahrer sind. Im realen Straßenbetrieb kommt bei Continental ein Verfahren zum Einsatz, das dem Probanden das Gefühl vermittelt, mit einem hochautomatisierten System zu arbeiten.

(ID:44731598)