Ericsson schließt Übernahme von Kathreins Antennen- und Filtergeschäft ab

| Redakteur: Michael Eckstein

Jetzt aber: Nach rund einmonatiger Verzögerung ist Kathreins Kerngeschäft Mobile Communication nun Teil des Mobilfunkriesen Ericsson.
Jetzt aber: Nach rund einmonatiger Verzögerung ist Kathreins Kerngeschäft Mobile Communication nun Teil des Mobilfunkriesen Ericsson. (Bild: Kathrein)

Das Kathrein-Antennen-Knowhow soll vor allem die 5G-Technik des Mobilfunk-Multis voranbringen. Gleichzeitig will Ericsson seine Basis in Europa stärken.

Ericsson hat die Übernahme der Antennen- und Filtersparte von Kathrein abgeschlossen. Der für seine hochwertige Antennen- und Filtertechnologien bekannte Anbieter mit Hauptsitz in Rosenheim steuert unter anderem wichtige Expertise für das Entwickeln leistungsfähiger 5G-Produkte bei. Ende Februar 2019 hatte der schwedische Mobilfunkausrüster bekannt gegeben, den Unternehmensbereich Mobile Communication von Kathreins kaufen zu wollen. Darin hatten die Rosenheimer ihr Antennen- und Filtergeschäft gebündelt. Andere Bereiche wie Kathreins SAT-, Broadcast- und IoT-Business, in denen rund 350 Mitarbeiter tätig sind, sind nach wie vor nicht Teil der Akquisition. Über eine engere Partnerschaft oder sogar einen Kauf war bereits zuvor länger spekuliert worden.

Ursprünglich sollte der letzte Schritt der Übernahme des Kathrein-Kerngeschäfts bereits am 31. August vollzogen werden. Doch Ericcson musste den sogenannten „Closing“-Termin verschieben. Gegenüber dem lokalen Nachrichtenportal rosenheim24.de gab Pressesprecherin Katharina Martin an, dass „nach der Genehmigung durch die Kartellbehörden vom 20. August“ noch weitere Aufgabenpakete abgearbeitet werden müssten, darunter „diverse technische und operative Aufgaben“.

Ericsson stärkt sein Expertenwissen für Antennentechnik

Durch die Übernahme gewinnt Ericsson ausgewiesene Experten der Hochfrequenztechnik für sich. Diese Fachleute sind rar und angesichts aufstrebender Funktechnologien wie 5G oder Wi-Fi 6 für das Entwickeln bestehender und neuer Produkte essenziell. Insgesamt rund 4000 Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung sowie Produktion und Vertrieb an 21 Standorten – darunter in Deutschland, Rumänien, den USA, Mexiko und China stehen damit jetzt offiziell auf der Lohnliste des nach eigenen Aussagen weltweit größten Anbieters für Kommunikationstechnologien und -dienstleistungen.

Das Antennengeschäft befindet sich im Wandel: Eine Herausforderung ist beispielsweise, Funksender und Antennen zu verkleinern, zusammenzufassen und sogar zu integrieren, um auch bei begrenztem Platzangebot am Mobilfunkstandort mehrere Frequenzen und mehrere Technologien zeitgleich unterstützen zu können. Gleichzeitig soll die gesamte Netzleistung optimiert werden. Für die Einführung von 5G ist das unabdingbar.

Antennen sind längst nicht mehr nur passive Komponenten zum Senden und Empfangen von Funkwellen, sondern eine hochentwickelte Technologie, die zum Beispiel für den Aufbau leistungsfähiger 5G-Mobilfunknetze strategische Wichtigkeit besitzt. Die von diesem neuen Mobilfunkstandard geforderte Leistung, Kapazität und Abdeckung wirkt sich direkt auf die Entwicklung der Antennentechnologie aus.

5G-Sender in Antenne integrieren

Neben der Erweiterung des eigenen Portfolios um Antennen- und Filterprodukte gewinnt Ericsson mit der Akquisition wichtige Kompetenzen zur Entwicklung von Basisstationen. Erklärtes Ziel ist es laut Fredrik Jejdling, Executive Vice President und Head of Business Area Networks von Ericsson, „5G-Sender direkt in die Antennen zu integrieren“ und so den Platzbedarf der Lösungen zu verringern. Aktuell sei Ericsson an rund zwei Dritteln aller kommerziell eingeführten 5G-Livenetze beteiligt. Zu den 19 durch Ericsson unterstützten 5G-Live-Netzen weltweit zählen unter anderem auch Netze in Deutschland und der Schweiz.

Nach eigenen Angaben überträgt Netztechnik von Ericsson 40 Prozent des weltweiten Mobilfunkverkehrs. Zu den großen Konkurrenten des schwedischen Unternehmens mit Hauptsitz in Stockholm zählen der chinesische Konzern Huawei sowie Nokia aus dem Nachbarland Finnland. Ericsson, 1876 gegründet, beschäftigt weltweit rund 95.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und arbeitet mit Kunden in 180 Ländern zusammen. In Deutschland beschäftigt Ericsson rund 1.800 Mitarbeiter an 12 Standorten – darunter rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E). Der Hauptsitz ist Düsseldorf. 2018 erwirtschaftete Ericsson einen Nettoumsatz von 210,8 Mrd. SEK, entsprechend knapp 19,5 Mrd. Euro. Ericsson ist an der NASDAQ OMX in Stockholm und der NASDAQ in New York gelistet.

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