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Kabel und Kabelkonfektion Erfolgsrezept Kundennähe

| Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Bei den Kunden weltweit mit qualitativ hochwertigen Lösungen vor Ort zu sein – diese Maxime hat sich die Lapp-Gruppe auf die Fahne geschrieben. Und diese Kundennähe hat sich in den vergangenen zehn Jahren für das kontinuierliche Unternehmenswachstum ausgezahlt. Der Standort Deutschland bleibt aber auch in Zukunft die Keimzelle für neue Produkte und Prozesse.

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Siegbert E. Lapp, Technikvorstand, Lapp-Gruppe: „Wir binden die Produktion eng an die Märkte an und ermöglichen unseren Kunden so kurze Lieferzeiten.“
Siegbert E. Lapp, Technikvorstand, Lapp-Gruppe: „Wir binden die Produktion eng an die Märkte an und ermöglichen unseren Kunden so kurze Lieferzeiten.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Das international agierende Familienunternehmen mit Stammsitz in Stuttgart und weltweit rund 3000 Mitarbeitern verfügt über 15 Produktionswerke, 37 Vertriebsgesellschaften und mehr als 100 Vertretungen. Dabei liegt der Schwerpunkt in Bezug auf Produktionsstandorte und Umsatz ganz klar in Europa. „Wir bekennen uns auch weiterhin zu unseren bestehenden Produktionsstandorten in Mitteleuropa. Dort sehen wir die Keimzelle für weitere Produkt- und Prozessinnovationen, die wir dann im zweiten Schritt weltweit anwenden können“, erklärt Siegbert Lapp, Technikvorstand, bei U.I.Lapp. Rund 50% des Gesamtumsatzes sind das, jeweils 25% in Asien und Amerika. Den hat das Unternehmen von 300 Mio. € im Jahr 1996 in zehn Jahren mehr als verdoppelt und plant für das laufende Geschäftsjahr 860 Mio. €.

Trotz des hohen Lohnniveaus befindet sich das Herz der Produktion nach wie vor in Deutschland. Die Stuttgarter Lapp Kabelwerke produzieren hauptsächlich ÖLFLEX-Anschluss- und Steuerleitungen (FD, Servo, PUR) sowie UNITRONIC-Datenleitungen und Sonderleitungen. Stuttgarter Contact fertigt EPIC-Rechteck- Rund- und Solarsteckverbinder, die Stuttgarter Lapp Systems und die PD-Lapp Systems in Much bei Bonn konzentrieren sich auf Kabelkonfektionen und Energieführungs-Systeme. Siegbert Lapp: „Die Standorte in Deutschland bleiben heute und morgen erhalten. Wir profitieren hier vom hohen Automatisierungsgrad in unserer Produktion und von den bestens ausgebildeten Mitarbeitern, die auch Innovationsmotor für die ganze Gruppe sind. Deshalb investieren wir in Deutschland weiterhin kontinuierlich in Produktionskapazitäten, Forschung und Entwicklung.“

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Die Expansion geht von Europa aus

Weitere sechs Produktionsstätten liegen in Europa. „Hier investieren wir ebenso, um Skaleneffekte zu erzeugen, die Effizienz zu steigern und somit die globale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und nicht zuletzt auch die Beschäftigung zu sichern“, berichtet Siegbert Lapp.

Als 1989 für die SKINTOP- und EPIC- Produktion das Lapp-Kabelwerk im grenznahen Diessenhofen in der Schweiz gegründet wurde, war die Werkzeugbau-Kompetenz der Schweizer für die benötigten Spritzguss-Maschinen ausschlaggebend. Dazu kamen Lohnkostenvorteile. So gilt dort noch die 40-Stunden-Woche. Außerdem gibt es weniger Feiertage. Etwa 300 Mio. Einzelteile werden hier pro Jahr für den gesamten Weltmarkt produziert.

Rund 50.000 km ÖLFLEX-Steuerleitungen pro Jahr kommen aus der Câbleries Lapp in Forbach in Frankreich (1990 gegründet). Ein attraktives Grundstücks- und Infrastrukturangebot der Gemeinde Forbach und die Nähe zum Stammsitz Stuttgart waren hier für die Standortentscheidung ausschlaggebend. In Frankreich gilt zwar die 35-Stunden-Woche, diese wird aber durch Arbeitszeitkonten flexibel gehandhabt. Durch die Konzentration auf volumenstarke Produkte und damit verbundener höherer Produktivität kann dies, so Lapp, mehr als ausgeglichen werden.

Mit einem deutlich niedrigeren Lohnniveau - rund 80 Prozent weniger - konnte Tschechien punkten. Hier wurde 2005 das Werk der Lapp Systems in Holesov gegründet, das sich auf Konfektionen von Kabeln, Systemen und Baugruppen konzentriert. Bei dieser Fertigung ist insbesondere viel Handarbeit gefordert. Während in Tschechien hauptsächlich längerfristig planbare und höhere Auftragsvolumen übernommen werden, sind die Lapp Systems-Werke in Much und in Stuttgart bei schnellen und kleinteiligeren Aufträgen profitabler.

Wachstum durch Akquisitionen

Bei den drei weiteren europäischen Produktionsstandorten handelt es sich um Firmenübernahmen mit dem Ziel der Portfolio-Ergänzung und der Erschließung neuer Märkte. Lapp Muller in Grimaud in Frankreich (2003 übernommen) fertigt spezifische Leitungen für die Roboter- sowie Öl- und Gasindustrie, aber auch Leitungen für Nuklearanlagen und spezielle Seekabel.

Camuna Cavi im norditalienischen Edolo (2002) hat seinen Schwerpunkt auf Instrumentenkabel und Steuerleitungen vor allem für Öl & Gas und verfügt über hervorragende Kontakte zu Engineering-Gesellschaften.

Und die Fleximark AB in Nyköping in Schweden (seit 1996) fertigt für die gesamte Lapp-Gruppe FLEXIMARK-Markierungssysteme für Kabel, Stecker und Komponenten. Der Firmenkauf ebnete zudem den Einstieg in den skandinavischen Markt.

Expansion der Produktion nach Asien

Zur Unterstützung der exportierenden Industrie in Deutschland und Europa, aber auch zur Markterschließung hat die Lapp-Gruppe drei weitere Produktionsstätten in Asien. Siegbert Lapp: „Wir wollen größtmögliche Kundennähe und können uns so besser lokalen Anforderungen und Approbationen anpassen. Außerdem sparen wir hohe Transportkosten ohne dabei unsere Qualitätsansprüche Made by Lapp zu vernachlässigen.“ Produziert wird fast ausschließlich für den jeweiligen Markt.

Im Boomland Indien ist die Lapp-Gruppe mit Lapp India in Bangalore bereits seit 1998 aktiv. 35.000 km ÖLFLEX und isolierte Einzeladern werden pro Jahr vornehmlich an die lokale Automobil-, Stahl- und Aluminiumindustrie geliefert. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen ist Indien für die Lapp-Gruppe Schwerpunktland in Asien. Der Standort wird kontinuierlich ausgebaut.

Die enge Vernetzung zur Hightech-Industrie (z.B. Samsung) war für die Werksgründung von Lapp Korea ausschlaggebend. Es wurde 2000 als Joint-Venture gegründet und ist seit 2005 im 100%igen Eigentum der Lapp Gruppe. Seit 2006 gibt es auch Lapp Electronics Shanghai, wo mit der SKINTOP-Produktion gestartet wurde. Ausschlaggebend war hier das günstige Lohnniveau (rund 90% weniger) und der Wunsch Produktionserfahrung in China zu sammeln.

„Die Expansion nach Asien, Amerika und Osteuropa ermöglicht uns, unsere globale Wettbewerbsposition als führender Anbieter von industriellen Kabeln, Anschluss- und Steuerleitungen, Daten- und Lichtwellenleitern sowie Steckverbindern und Systemen weiter auszubauen und dadurch auch in Mitteleuropa weiter wachsen zu können“, fasst Siegbert Lapp zusammen.

USA: Nutzung der NAFTA

Um die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA zu nutzen, befinden sich auch in den USA zwei Produktionsstätten: Lapp Cable Works und Lapp Systems in Florham Park (beide seit 2002) decken fast ausschließlich die Märkte in USA, Kanada und Mexiko sowie demnächst auch Brasilien ab. Wegen der nordamerikanischen Normen UL/CSA sind hier andere Herstellungsstandards gefordert, die sich besser vor Ort erfüllen lassen.

„Die Produktion wird also eng an die Märkte angebunden und ermöglicht unseren Kunden kurze Lieferzeiten. Das erleichtert auch das Eingehen auf Kundenwünsche beim Service und das Angebot kundenspezifischer Produkte. So sind heute beispielsweise 10 bis 15 Prozent unserer Umsätze bei Industriekabeln speziell nach Kundenwünschen gefertigte Produkte“, fasst Siegbert Lapp zusammen. Die Expansion der Produktionsstätten nach Asien und Osteuropa diene primär der Kundennähe in diesen aufstrebenden Märkten und sei nicht in erster Linie eine Kostenoptimierung zur Belieferung des europäischen Marktes.

Weltweites Vertriebnsnetz

Neben den 15 Produktionsstandorten hat die Lapp-Gruppe ein weltweites Netz mit 37 Vertriebsgesellschaften aufgebaut. „Wir wollen so nah wie möglich beim Kunden sein und optimale Beratung und Dienstleistung bieten, begründet Siegbert Lapp: Dabei verfügen größere Gesellschaften und größere Länder wie Russland, Indien, China, Kanada und Mexiko meist über eigene Lager. Kleinere Gesellschaften wie Ukraine, die baltischen Staaten, Philippinen, Malaysia oder Indonesien werden von den jeweiligen Zentrallagern versorgt.

Für die Zukunft will sich Lapp verstärkt auf die Regionen Ost-Europa, China, USA und Südamerika konzentrieren. Auch über weitere Produktionsstätten oder Firmenübernahmen wird nachgedacht. Siegbert Lapp: „Je nach Marktentwicklung werden wir sehr rasch handeln.“

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