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Entwicklung und Einkauf – zwei Welten in Einklang bringen

| Redakteur: Margit Kuther

Einkäufer kennen die Tücken der Beschaffung. Diese sind Entwicklern fremd; sie haben die optimale Funktionsfähigkeit ihres Produktes im Fokus. Lesen Sie, wie sich beide Welten in Einklang bringen lassen und Unternehmen so Kosten und Zeit sparen.

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Einkauf: Ideal im Einklang mit dem Entwickler.
Einkauf: Ideal im Einklang mit dem Entwickler.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Bei der Entwicklung einer Elektronik ist es wichtig, bereits im frühen Stadium den Einkauf miteinzubeziehen, um Bauteilkosten und Verfügbarkeiten abzuklären. Die späteren Produktkosten werden zu 70 bis 80% in der Entwicklung festgelegt. Kleinste Details können enorme Folgekosten nach sich ziehen.

Die frühe Einbindung aller beteiligten Bereiche (Einkauf, Entwicklung, Fertigung, Qualitätsabteilung) und die abschnittsweisen Reviews und Parallelisierung von Prozessen sind eine wichtige Voraussetzung, um Kosten aber auch Zeit zu sparen. BMK entwickelt grundlegend nach dem V-Modell, ist aber innerhalb der Projektphasen agil tätig.

Zwei Welten mit unterschiedlichen Anforderungen und Herausforderungen

Während der Einkauf primär Ziele verfolgt wie Lieferfähigkeit, Multi-Source oder Preisoptimierung, steht bei der Entwicklung die Funktionalität und Qualität an erster Stelle. Trotz unterschiedlicher Gewichtung der Ziele in den jeweiligen Welten, gilt es, die größtmögliche Schnittmenge zu finden. Das Verständnis für die andere Fachwelt erfordert Offenheit. Durch aktive Zusammenarbeit ist es das Ziel, für den Kunden Leistungstransparenz in Kosten, Zeit und Ergebnis zu schaffen. Irina Werle ist im Einkauf bei BMK zuständig für das Obsoleszenzmanagement und außerdem Mitglied des Vorstands der Component Obsolescence Group Deutschland (COGD). Sie diskutiert mit Stefan Kiefersauer, Leitung Entwicklung bei BMK, wie die Zusammenarbeit zwischen den beiden Welten funktioniert.

Den Einkauf von Anfang an einbeziehen

Irina Werle: Bei der Lieferantenauswahl, insbesondere bei Singlesource / Zeichnungsteile muss der Einkauf sofort mit einbezogen werden. Auch wenn es „nur“ um Stecker geht.

Stefan Kiefersauer: Das ist richtig. Generell versuchen wir Single-Source-Komponenten soweit wie möglich zu vermeiden. Jedoch wird es immer Key-Komponenten im Design geben, die erst einmal unter dem Begriff Single Source fallen. Ein Beispiel dafür ist der Mikrocontroller.

Irina Werle: Ideal wäre es, wenn der Kunde nicht an Hersteller gebunden ist. Dann können jederzeit technische Alternativen gesucht und eingesetzt werden. Eventuell gibt es auch andere Werte, die für den Kunden ebenfalls akzeptabel sind. Diese Information muss abrufbar sein.

Stefan Kiefersauer: Bei den von BMK entwickelten Produkten liegt die Verantwortung bei BMK. Es gibt einen definierten Prozess, dass Bauteiländerungen beziehungsweise Alternativen im ersten Schritt nur durch die Entwicklung und im zweiten Schritt durch den Kunden freigeben werden dürfen. In der Regel sind wir daher frei bei der Auswahl der Hersteller – mit Ausnahme, wenn bestimmte Key-Komponenten vom Kunden vorgegeben werden. Der Einkauf kann hier Alternativen prüfen und der Entwicklung vorschlagen.

Irina Werle: Da möchte ich nochmal einhaken: Wenn Kunden einen Vorzugslieferanten haben, ist es wichtig, dass BMK den Kunden über seine Vorzugslieferanten und -hersteller berät. So kann gemeinsam das Optimum für den Kunden erreicht werden.

Stefan Kiefersauer: Das sehen wir auch so. Deshalb sind Mitarbeiter des Einkaufs häufig bei Besprechungen mit dem Kunden dabei, um die Vorteile unserer Hersteller darzustellen und bei der Bauteilauswahl zu unterstützen.

Gute Bauteilebeschaffbarkeit und Lebenszyklus

Irina Werle: Der Einkauf achtet darauf, dass Bauteile gut beschaffbar sind. Wir haben Vorzugshersteller, die wiederum Vorzugsteile für BMK liefern. Diese sind bei BMK speziell gekennzeichnet. Außerdem bündeln wir Hersteller pro Endwicklungsprojekt oder Endkunde. Das erleichtert Paketvergaben und schafft Preiseinsparungen. Darüber hinaus muss der Lebenszyklus des Bauteiles gemeinsam mit einem Einkäufer geprüft werden. Der Lebenszyklus kann sich direkt auf den Preis auswirken, denn die preislichen Faktoren und die Verfügbarkeit hängen wesentlich davon ab. So ist zum Beispiel ein neues Teil häufig sehr teuer und hat längere Lieferzeiten, wie eines das schon länger auf dem Markt ist. Dagegen ist abzuwägen, dass ein Bauteil, das sich bereits am Ende seines Lebenszyklus befindet und eventuell kurz vor der Abkündigung steht, nicht empfehlenswert für ein neues Design ist.

Stefan Kiefersauer: Wir haben bei jedem Projekt den Gesamtpreis im Auge. Die Bewertung erfolgt in der Regel mehrmals durch den Einkauf, da zu jedem Musterstand und auch schon vor der Projektvergabe ein voraussichtlicher Serienpreis kalkuliert wird. Da werden die Themen wie Lieferzeiten, Verfügbarkeit , etc. regelmäßig bewertet und an die Entwicklung zurückgespielt. Es ist wichtig, in Abhängigkeit von der Jahresmenge die Beschaffbarkeit und Verarbeitbarkeit zu prüfen, so dass später keine Zusatzkosten entstehen.

Bei Key-Komponenten fragen wir Entwickler aktuell direkt beim Hersteller oder Distributor an, da diese oft technische Rückfragen haben oder Alternativen vorschlagen, die nur ein Entwicklungsspezialist schnell und kompetent bewerten kann.

Irina Werle: Solche Angebote sollten dann stets an den Einkäufer übergeben werden. Ein gemeinsamer enger Kontakt von Entwicklung und strategischem Einkauf zu Herstellern stärkt die Zusammenarbeit.

Der strategische Einkauf beobachtet den Markt

Eine beidseitig enge Absprache zwischen strategischem Einkauf und Entwicklung zu den beobachteten Markttrends ermöglicht frühzeitig zu reagieren, um etwa bei Aufkäufen oder Allokationen dem Kunden entsprechende Handlungsempfehlungen zu geben. Die Beobachtung genereller Markttrends im strategischen Einkauf bei BMK hat uns zum Beispiel bei der MLCC-Allokation sehr geholfen, da bereits beim Design-in auf Multisource und kompetente Partnerschaften geachtet wurde.

Darüber hinaus sollten Beschaffungsnebenkosten immer mitberücksichtigt werden. Bei einem günstigen Bauteil aus Asien kann die Kombination aus hohen Lieferkosten und Geringwertlieferant den Vorteil des geringen Bauteilpreises schnell auffressen.

Stefan Kiefersauer: Bauteilnebenkosten sind wichtige Informationen, die der Entwicklung in einer Übersicht zur Verfügung gestellt werden.

Gemeinsam das Kundenprojekt zum Erfolg bringen

Irina Werle: Abschließend können wir bestätigen, dass der Austausch und Informationsfluss zwischen Entwicklung und Einkauf den Unterschied macht, um das Kundenprojekt vorausschauend zum Erfolg zu bringen. Dabei wird der Anspruch des Endkunden berücksichtigt, die voraussichtlichen Jahresmengen, Applikationen und die damit verbundenen Bindungen (über Hersteller), aber auch Zertifizierungen (wie zum Beispiel ATEX, EX, UL) und andere Vorgaben des Kunden hinsichtlich Temperatur, Vibration, Bauhöhe, Testspezifikationen, usw. sowie Audit-ISO-Anforderungen. All diese Faktoren werden mit dem Lebenszyklus der Baugruppe (Anlaufmengen, geplante Spitzenzeiten, Auslaufdauer) abgeglichen.

Stefan Kiefersauer: Das kann ich bestätigen. Das V-Modell ist die Grundlage der Entwicklung bei BMK. Nach jedem Schritt hat BMK sogenannte Quality Gates eingeflochten, um eine zielgerichtete Entwicklung zu gewährleisten. Das bedeutet, dass nach jedem Abschnitt ein Review durchgeführt wird. Unter Einbindung aller Bereiche erfolgt die Freigabe für den nächsten Abschnitt. Diese Regelkreise sind sehr wichtig, um Zeit und Folgekosten zu sparen. In Reviews mit dem Einkauf wird die Verfügbarkeit der eindesignten Bauteile sichergestellt, Alternativteile erwogen und kostenoptimiert geplant. BMK ist somit integraler Entwicklungspartner, der sein branchenübergreifendes Know-how mit kundenspezifischem Applikationswissen verzahnt.

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