VW will Chipdesigns „stärker beherrschen“ Entwickelt Volkswagen bald eigene Prozessoren?

Autor Michael Eckstein

VW will seine Software-Tochter Cariad fit für zukünftige Mobilitätskonzepte machen. Damit Soft- und Hardware optimal harmonieren, erwägt der Konzern wohl den Einstieg in die Entwicklung eigener Prozessoren. Es gehe darum, mehr „Definitionskompetenz bei Halbleitern“ zu erlangen.

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Dream-Team: Auf dem Weg zum weitgehend elektrifizierten Mobilitätsdienstleister nimmt das möglichst gute Zusammenspiel zwischen Software und Hardware eine integrale Rolle ein.
Dream-Team: Auf dem Weg zum weitgehend elektrifizierten Mobilitätsdienstleister nimmt das möglichst gute Zusammenspiel zwischen Software und Hardware eine integrale Rolle ein.
(Bild: Volkswagen AG)

Milliardeninvestitionen und Zukäufe: Volkswagen (VW) will seine Software-Tochter Cariad stark ausbauen. 2,5 Mrd. Euro werde der Konzern in Cariad investieren – pro Jahr, hatte Konzernchef Herbert Diess gegenüber dem Handelsblatt geäußert. Ausgaben für Akquisitionen seien in diese Summe nicht eingerechnet.

Damit nicht genug: Bald könnte VW sogar eigene Computerchips entwickeln. Anzeichen für diesen Schritt mehren sich. Der Autobauer liefert sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem japanischen Konkurrenten Toyota. Gemessen am Umsatz liegt derzeit Toyota vorne. Eigene Chips samt darauf abgestimmter Software könnten für VW das Zünglein an der Waage sein, in einer Welt zunehmend elektrifizierter, mit immer mehr Elektronik ausgestatteter Smart Vehicles wieder die Pole-Position im Markt zu übernehmen.

Auto-Software: Andere Hersteller sind weiter

Das würde zur geplanten langfristigen Entwicklung von Europas größtem Autobauer passen: Diese soll weg vom Hersteller individueller Fahrzeuge, hin zum Anbieter übergreifender Mobilitätskonzepte führen. Gegenüber dem Handelsblatt machte Diess klar: „Software wird das Herz-Kreislauf-System eines Autos sein.“ Bis zu rund 60 Prozent der benötigten Programme wolle man künftig im eigenen Haus entwickeln, blickt der Manager nach vorn. Ohne Frage sei die Digitalisierung von Fahrzeugen eine noch größere Herausforderung als die laufende Umstellung auf Elektroantriebe.

Nicht zuletzt das assistierte Steuern mit dem das Langzeitziel autonomes Fahren verändert die Branche nachhaltig. Diess meint, dass im Jahr 2035 rund 40 Prozent der Fahrzeuge autonom unterwegs sein werden. Die Autos würden sich als Teil eines Mobilitätsdienstes buchen lassen, für rund zehn Euro am Tag. Bislang gilt der US-amerikanische Konkurrent Tesla auf diesem Gebiet als führend – mit weitem Abstand.

„Software und Hardware müssen aus einem Guss kommen“

Vor diesem Hintergrund müsse Cariad auch in der Lage sein, eigene Prozessoren entwickeln zu können. „Um bei den hohen Anforderungen im Auto die optimale Leistung zu erzielen, müssen Software und Hardware aus einem Guss kommen“, ist der VW-Chef überzeugt. Dafür müsse man letztlich mehr „Definitionskompetenz bei Halbleitern“ erlangen.

Apple, Tesla und einige andere Hersteller haben dies bereits länger erkannt. So zieht Apple gerade die Abkehr von Langzeit-Prozessorlieferant Intel durch. Spätestens nächstes Jahr sollen alle eigenen Produkte von selbst entwickelten CPUs angetrieben werden. Den Anfang machen bereits der Kleincomputer MacMini, der All-in-One-Bolide iMac, einige MacBooks und das neue iPad Pro: Sie alle basieren bereits auf dem hauseigenen, bei TSMC gefertigten M1-Chip.

Ähnlich wie sein Chef äußerte sich auch VW-Markenchef Ralf Brandstätter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Es gibt auch Überlegungen im Konzern, das Halbleiter-Design als Kompetenz stärker zu beherrschen.“ Das habe aber eher mit der Strategie in Richtung Digitalisierung zu tun.

Mit Material von dpa.

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