Engpass Kupferfolie: Wohin driftet die Leiterplattenindustrie?

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Wachsender Batteriemarkt attraktiv für Folienhersteller

Auf der Suche nach Alternativen zur Leiterplattenindustrie fanden die Folienhersteller zusätzliche Absatzmärkte in der stark wachsenden Batterietechnik. Diese wurde begünstigt durch die Entwicklung mobiler Endgeräte – z. B. Smartphones, Tablets oder Elektrowerkzeugen aber auch von elektrisch unterstützten Fahrrädern. Die Batterien bestehen ihrerseits aus einem Stapel vieler Einzelzellen, in denen dünne Kupferfolien zum Einsatz kommen. Für mobile Geräte ist die Menge an dünnen Kupferfolien pro Einheit zwar gering, doch die große Menge dieser Geräte verursacht einen immensen Bedarf.

Seit kurzem kommt die Batterietechnik für Elektroautos hinzu, die zwischen 22 und 30 kg Kupferfolien für die Akkus benötigen. Dieser zusätzliche Bedarf an Kupferfolien wird bedrohlich für die Elektronikindustrie, denn neben den interessanten Mengen haben die Folienhersteller noch weitere Vorteile:

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  • Die Tagesleistung einer Trommel zur Kupferabscheidung liegt bei ca. eine Tonne – unabhängig von der Dicke, da die Geschwindigkeit der Walzendrehung die Foliendicken bestimmt. Für Batterien werden überwiegend dünne Folien benötigt, somit können mehr Quadratmeter verkauft werden.
  • Folien für die Leiterplattentechnik brauchen nach dem ED-Prozess noch weitere Fertigungsschritte, die für die Batterietechnik entfallen. Deshalb sind die Konversionskosten für dieses Anwendungsgebiet niedriger.
  • Die Anforderungen des neuen Absatzmarktes sind hinsichtlich optischer Fehler und Porosität deutlich niedriger, so dass die Ausbeute um etwa 10% höher ist.
  • Und zusätzlich zu diesen Punkten sind die Verkaufspreise (und damit der Gewinn) für Lieferungen an Batteriekunden höher.

Aus diesen Gründen wurden 2016 weitere Mengen der verfügbaren Gesamtkapazität zugunsten des Batteriebereichs abgezweigt, eine Entwicklung, die noch nicht zu Ende ist. Dagegen werden Neu- und Erweiterungsinvestitionen erst langsam wirksam, denn die Lieferzeiten der Trommelwalzen liegen bei etwa 10 Monaten, so dass mit einer kurzfristigen Kapazitätserhöhung keinesfalls gerechnet werden kann. Daher wird sich der Lieferengpass noch bis deutlich in das Jahr 2018 hinziehen. Die Konsequenzen der Verknappung sind bereits sichtbar: Preiserhöhungen und Mengenzuteilungen.

Preise steigen und Versorgung wird kritisch

Erste Preissteigerungen für Folien wurden schon Ende des 1. Halbjahres in Asien bekannt und extrem wurde die Situation im 4. Quartal 2016, als Preiserhöhungen von bis zu 20% pro Monat (!) gefordert – und bezahlt wurden. Als Konsequenz kamen selbstverständlich schrittweise auch die Laminatpreise in Bewegung, die inzwischen in Summe Steigerungen von bereits 30 bis 40% erreicht haben.

Problematisch dabei ist, dass sich die Lage inzwischen derartig verschärft hat, dass nunmehr diese Preisanpassungen sehr kurzfristig in Europa „nachgeholt“ werden. Es kommt hinzu, dass die bisher über längere Zeiträume übliche Preisgültigkeit ebenfalls nicht mehr gilt und der Planungshorizont nur wenige Wochen beträgt.

So unangenehm Preiserhöhungen sind, diese ließen sich notfalls noch handhaben, doch ein zweiter – sehr viel gefährlicher – Faktor kommt seit Jahresende 2016 hinzu: die Zuteilung von Mengen. Das betrifft zunächst die Kupferfolie, die von den Laminatherstellern für das Basismaterial aber auch von den Produzenten von Multilayern benötigt wird.

Es heißt, dass manche der kleineren asiatischen Laminat- und Leiterplattenhersteller schon gar nicht mehr mit Folie beliefert werden und die Fertigung inzwischen einstellen mussten. Größere Firmen können ihren Bedarf nur zum Teil und nur zu erheblich höheren Preisen decken. Von einzelnen asiatischen Laminatlieferanten ist bereits bekannt, dass deren Lager in Europa so gut wie leer sind und mit Nachschub kaum vor Ende des 1. Quartals 2017 gerechnet werden kann.

Europäischer Folienbedarf nicht mehr gedeckt

Vor 20 Jahren gab es in Europa noch 20 Laminathersteller – heute sind es nur noch drei, bei den Folienherstellern waren es damals noch fünf, heute ist nur einer übrig geblieben (und auch der gehört einem koreanischen Konzern). Es ist offensichtlich, dass diese Lieferbasis den europäischen Bedarf nicht decken kann und Lieferungen aus Asien hierher werden unter den gegebenen Umständen schwierig.

Ursachen für Verknappung und Preissteigerung

Die Elektronikindustrie wird daher nicht nur mit preisrelevanten Auswirkungen auf mehreren Ebenen, sondern auch mit Versorgungsproblemen konfrontiert:

  • Da ist zunächst der reine Kupferpreis, der als Reaktion auf die Wahlen in den USA stieg (von Mitte Oktober 2016 bis Mitte Januar 2017 um 21%).
  • Rohstoffe werden weltweit in US-Dollar gehandelt. Da der Kurs der amerikani-schen Währung zum Euro nach den US-Wahlen um etwa 5% stieg, verteuert das den Kupferpreis in Euro gerechnet zusätzlich.
  • Die projektierten Stückzahlen für Elektrofahrzeuge werden den Kupferbedarf wesentlich beeinflussen – mit entsprechend zusätzlichen Auswirkungen auf die Rohstoffpreise.
  • Die zu geringen Fertigungskapazitäten für Kupferfolien führen zu Verknappung und Kontingentierung und treiben in direkter Folge die Preise.
  • Reduzierte Mengen an Basismaterial und Folien machen die Fertigung von Leiterplattenplatten und Multilayern unmöglich.
  • Die immer noch unbekannte amerikanische Politik könnte zu steigender Inflation in den USA führen, was wiederum die FED veranlassen wird, die Zinsen schneller und höher anzuheben, als bisher geplant. Das wiederum wird Auswirkungen auf den Dollarkurs haben.

Es ist zwar damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahrzehnten neue und andere Batterietechniken entwickelt werden, doch das ist für die Elektronik zu spät, so dass durchaus Grund zur Sorge um das Überleben der Branche in Europa besteht.

Ein zusätzliches Problem sind die Zölle

Im Rahmen der Tarifharmonisierung wurden in Europa die Zölle für Leiterplattenlieferungen aus Asien abgeschafft. Das bedeutet, dass Lieferungen asiatischer Hersteller zollfrei in alle Länder der Europäischen Union erfolgen können. Im Gegensatz dazu sind aber die Zölle, die auf Laminate (5,2%) und auf Prepregs (6,5%) erhoben wurden, immer noch in Kraft. Das ist eine wettbewerbsverzerrende Maßnahme, die durch die jetzigen Preissteigerungen noch verstärkt wird.

Selbstverständlich dauert ein Verfahren zur Abschaffung der Zölle seine Zeit, doch sollte es zugunsten der Leiterplattenindustrie in Europa bald eingeleitet werden. Die 2017 auf uns zukommenden Änderungen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene bringen unvorhergesehene Konsequenzen und werden sicherlich schmerzhaft. Trotzdem sollten sich alle Marktteilnehmer bemühen, eine faire Lösung zu finden. Konfrontation würde nur zum Zusammenbruch führen.

Einziger Ausweg ist die Preisanpassung

Nun kommt es auf die bisherige Einkaufspolitik der Unternehmen an, denn wer nur nach Preis einkaufte und einen Lieferanten gegen den anderen ausspielte, dürfte jetzt die größten Probleme haben. Das wird sowohl die Preissituation als auch die Versorgungslage betreffen. Aber selbst die besten Beziehungen nutzen nichts, wenn die Lieferkette ausgetrocknet ist.

Viel wichtiger ist, wie die Verträge mit den eigenen Kunden formuliert sind. Oft genug bestehen Firmen aus dem Kfz-Zulieferbereich auf der Erfüllung von Verträgen, wenn es bei steigenden Weltmarktpreisen für sie von Vorteil ist. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass die gleichen Firmen – bei fallenden Preisen – Preisreduzierungen verlangen und geschlossene Verträge in diesem Punkt nicht mehr gelten. Das Argument dabei ist, dass der Lieferant sich den Weltmarktpreisen anpassen muss.

Lieferungen nach Europa werden unter Druck kommen

Diese Vorgehensweise wird solchen Firmen aber nicht mehr helfen, denn viele der kleineren Leiterplattenhersteller in China haben schon Probleme bekommen. Diese Preissteigerungen können sie nicht mehr absorbieren – sofern sie überhaupt noch Vormaterialien bekommen. Aber auch für die Großhersteller wird das Jahr 2017 sicherlich schwierig. Es ist zu erwarten, dass Lieferungen nach Europa deutlich unter Druck kommen – sofern sie überhaupt noch erfolgen.

Die meisten Jahrespreisverhandlungen mit den OEMs und den Kfz-Zulieferern fanden im Frühherbst 2016 statt – zu einem Zeitpunkt, als die jetzige Entwicklung noch gänzlich unbekannt war. Insofern ist es jetzt höchste Zeit, den Kunden mitzuteilen, dass sie sich diesmal den Weltmarktpreisen stellen müssen. Weitere Infos erhalten Sie vom Autor via info@Data4PCB.com.

* Michael Gasch ist Marktexperte für Leiterplatten bei Data4PCB, info@data4pcb.com

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