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Endlich: Infineon darf Cypress übernehmen

| Redakteur: Michael Eckstein

Infineon hat die endgültige Genehmigung für den Kauf der Cypress Semiconductor Corporation erhalten. Als letztes Puzzleteil hat nun auch China sein OK für die Übernahme gegeben. Damit ist der Weg endlich frei für die größten Akquisition in der Geschichte des größten deutschen Halbleiterherstellers.

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Lange Leitung: Im Juni 2019 kündigte Infineon die geplante Übernahme von Cypress an – erst jetzt sind alle Steine für den Deal aus dem Weg.
Lange Leitung: Im Juni 2019 kündigte Infineon die geplante Übernahme von Cypress an – erst jetzt sind alle Steine für den Deal aus dem Weg.
(Bild: Infineon Technologies )

Noch vor vier Wochen sah es düster aus: Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte Informationen gestreut, nach denen Mitarbeiter des „Committee on Foreign Investment in the United States“ (CFIUS), also der US-amerikanischen Regulierungsbehörde, US-Präsident Donald Trump davor gewarnt hätten, den milliardenschweren Zukauf zu genehmigen. Möglicherweise sei dadurch die nationale Sicherheit der USA gefährdet, sollen sie Insider zufolge gewarnt haben.

Doch schnell war klar, dass nicht die CFIUS das Problem war, sondern eine fehlende „Genehmigung durch die Staatliche Verwaltung für Marktregulierung Chinas (State Administration for Market Regulation, SAMR) und weiteren allgemein üblichen Abschlussbedingungen im Rahmen der Übernahmevereinbarung“, wie Infineon in einer Stellungnahme bekannt gab.

Größte Infineon-Akquisition seit Abspaltung von Siemens Ende der 1990er Jahre

Nun sind auch diese letzten Vorbedingungen für den Deal erfüllt, meldet Infineon in einer Pressemitteilung: „Die Infineon Technologies AG hat alle für die Übernahme der Cypress Semiconductor Corporation erforderlichen behördlichen Genehmigungen erhalten.“ Bereits in den kommenden fünf Geschäftstagen will der deutsche Halbleiterhersteller die Transaktion abschließen. Die Konzernführung rund um Vorstandschef Dr. Reinhard Ploss hatte ein Dreivierteljahr lang für die Übernahme gekämpft und bereits vor der aktuellen Coronakrise die Finanzierung gesichert.

Nach eigenen Angaben wird das Unternehmen das Geschäft „zunächst durch eine Kombination aus vorhandener Liquidität und einer von Banken für Akquisitionszwecke bereitgestellten Kreditfazilität“ finanzieren. Infineon wird die aus der 2019 erfolgten Aktienplatzierung und der Begebung einer Hybridanleihe Erlöse von zusammen 2,7 Mrd. Euro verwenden.

Weitere für die Transaktion erforderlichen Mittel wird Infineon nach eigenen Angaben über Kredite, „die auf 20 internationale Banken aufgeteilt“ sind, abdecken. „Mit Fälligkeiten, die je nach Tranche zwischen März 2022 und Juni 2024 liegen, bietet die Akquisitionsfinanzierung für langfristige Refinanzierungsmaßnahmen hinreichend Zeit und Flexibilität“, ist man in der Hauptniederlassung in Neubiberg bei München überzeugt. Das Unternehmen werde zudem liquide Mittel entsprechend seinem Zielwert von 1 Mrd. Euro zuzüglich mindestens 10% vom Umsatz zurückbehalten.

Keine Wiederholung des Wolfspeed-Debakels

Diese Mal soll – muss – alles glatt gehen. Anders als 2017: Vor gut drei Jahren hatte Infineon leidvolle Erfahrungen mit den US-amerikanischen Regulierern gemacht, als die bereits weit fortgeschrittene Übernahme des Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Spezialisten Wolfspeed quasi auf der Zielgeraden platzte. Damals hatte die CFIUS-Behörde US-Präsident Donald Trump wegen Bedenken bezüglich der nationalen Sicherheit davor gewarnt, die laufende Übernahme zu genehmigen. Die Behörde hatte mehrfach – auch schon unter Ex-Präsident Barack Obama – grenzüberschreitende Deals blockiert, unter anderem den Verkauf des deutschen Spezialmaschinenbauers Aixtron nach China, den Verkauf des US-Halbleiterherstellers Lattice Semiconductor an die private Beteiligungsgesellschaft Canyon Bridge Capital Partners oder auch die Übernahme von Qualcomm durch Broadcom.

Ein Scheitern des Cypress-Deals hätte das Unternehmen voraussichtlich hart getroffen. Denn dieser ist ausschlaggebend für das Unternehmensziel, in die Top-Ten der weltweiten Halbleiterhersteller vorzurücken und bei Automotive-Chips sogar die Nummer eins zu werden. Durch den Zukauf will Infineon zudem seine Position im wichtigen US-Markt ausbauen, wofür nicht zuletzt die populären Connectivity- und Speicher-Komponenten von Cypress wichtig sind. Auf der Hauptversammlung Mitte Februar hatte Ploss zudem gesagt, durch die Übernahme werde Infineon sein Kerngeschäft aus Leistungshalbleitern, Sensoren und Sicherheitscontrollern stärken. Das Unternehmen sei dadurch in der Lage, seinen Kunden nicht nur Komponenten, sondern stärker als bisher auch vollständige Lösungen anbieten zu können.

Abgestürzter Automarkt und Coronavirus machen Infineon zu schaffen

Derzeit bekommt der Dax-gelistete Konzern die Schwäche des der Autoindustrie und die sich nicht zuletzt aufgrund der Coronakrise eintrübende Weltwirtschaft zu spüren. Nach einem Hoch Mitte Februar schmierte die Aktie des Konzerns zunächst ab und verlor bis zum 18. März über die Hälfte ihres Werts. Danach hatte das Unternehmen seine Umsatz- und Gewinnziele für das bis September laufende Geschäftsjahr kassiert: Statt eines Umsatzanstiegs um 5% erwartet Ploss nunmehr einen Rückgang der Erlöse. Auch die Marge werde sinken.

Seitdem hat sich der Aktienkurs erholt und schoss heute nach Bekanntwerden der Übernahmegenehmigung in einem insgesamt freundlichen Kursumfeld noch einmal über 7% nach oben. Damit gehört der Konzern derzeit zu den größten Gewinnern im Dax.

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