Ende der 5G-Auktion: Telekom ersteigert die meisten Frequenzblöcke

| Autor / Redakteur: mit Material von dpa / Julia Schmidt

Arbeiten an einem Mobilfunkmasten: Nach mehr als 12 Wochen ist die Auktion der 5G-Mobilfunkfrequenzen zu Ende. Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch zahlen insgesamt knapp 6,6 Milliarden Euro.
Arbeiten an einem Mobilfunkmasten: Nach mehr als 12 Wochen ist die Auktion der 5G-Mobilfunkfrequenzen zu Ende. Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch zahlen insgesamt knapp 6,6 Milliarden Euro. (Bild: Mike Goad/ Pixabay / CC0)

Nach gut 12 Wochen ist Schluss: Die 5G-Mobilfunkauktion der Bundesnetzagentur ist vorbei. Formaler „Sieger“ ist die Telekom. Allerdings wird auch Kritik aus der Branche und der Politik laut angesichts der hohen Beträge.

Nach mehr als 12 Wochen war am Mittwoch die Auktion von Mobilfunkfrequenzen zu Ende gegangen. Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch zahlen insgesamt knapp 6,6 Milliarden Euro. Neueinsteiger als Netzbetreiber ist Drillisch – künftig wird es in Deutschland also Funkmasten von vier und nicht nur von drei Unternehmen geben.

Nach dem Ende der längsten deutschen Mobilfunkauktion rechnen Fachleute und Politiker mit positiven Folgen insbesondere für Verbraucher. Diese seien letztlich ein Gewinner der Versteigerung. „Durch den vierten Netzbetreiber am Markt wird sich der Wettbewerb verschärfen, was dem Verbraucher zu Gute kommen kann, etwa wenn Handyverträge wegen des Konkurrenzkampfes billiger angeboten werden als bisher“, sagte etwa der VWL-Professor Vitali Gretschko von der Denkfabrik ZEW.

Rückschlag für Drillisch

Gretschko wertet den Ausgang als kleinen Rückschlag für Drillisch und begründet dies damit, dass die Firma am Ende noch überboten wurde und damit einen Block weniger bekam als in dem wochenlangen Ringen angestrebt. Gut abgeschnitten haben aus Sicht von Gretschko die Deutsche Telekom und Vodafone. „Sie haben genau das bekommen, was sie wollten.“ Allerdings müssen auch sie wesentlich tiefer in die Tasche greifen als gedacht. Telefónica stellte Gretschko ein mäßiges Zeugnis aus.

Von den 41 Frequenzblöcken entfallen die meisten auf die Deutsche Telekom – der frühere Staatsmonopolist konnte 13 Blöcke abräumen und muss dafür 2,17 Milliarden Euro zahlen. Auf Vodafone entfallen 12 Blöcke für 1,88 Milliarden Euro und auf Telefónica 9 für 1,42 Milliarden Euro. Drillisch konnte sich 7 Blöcke für 1,07 Milliarden Euro sichern – die Tochterfirma des rheinland-pfälzischen Konzerns United Internet hat bisher kein eigenes Netz, stattdessen nutzt sie bisher Antennen der Konkurrenz.

Telekom ist zufrieden

Die Telekom konnte sich 4 Frequenzblöcke im 2 Gigahertz Band sowie 9 Frequenzpakete im Bereich 3,6 Gigahertz sichern. „Wir haben das Spektrum erhalten, das wir wollten. Nach einer langen Auktion herrscht jetzt Klarheit. Jetzt werden wir ein erstklassiges 5G-Netz für Deutschland bauen. Darauf können sich unsere Kunden freuen“, sagt Dirk Wössner, Vorstand der Telekom Deutschland.

Dennoch hinterlässt die Auktion einen bitteren Nachgeschmack: „Der Netzausbau in Deutschland hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld fehlt den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. Mit dem Auktionserlös hätte man ca. 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können“, betont Wössner.

Industrie fordert Industrieverbände Vergabe lokaler 5G-Frequenzen

Positiv äußerten sich die vier größten Industrieverbände Deutschlands, der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Man begrüße, dass der dringend benötigte Breitband-Netzausbau nun endlich begonnen werden kann, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Gleichzeitig erneuerten die Verbände nachdrücklich ihre Forderung, dass die Bundesnetzagentur nun schnellstmöglich die Vergabebedingungen für die lokalen Frequenzen im Bereich von 3,7 bis 3,8 Gigahertz bekannt geben soll.

„Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes benötigen hier dringend Klarheit, insbesondere hinsichtlich der Gebühren für lokale Frequenzen“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. „Die lokale Nutzung von Frequenzen ist für die deutsche Industrie kein Geschäftsmodell, sondern Voraussetzung, um Leitmarkt und Leitanbieter für industrielle 5G-Anwendungen werden zu können.“ Viele Mitgliedsunternehmen planten bereits fest mit der Umsetzung eigener 5G-Netze in ihren Produktionsstätten – ohne die konkreten Vergabebedingungen zu kennen. Zusammengenommen beschäftigen die in den vier Verbände vertretenen Unternehmen über drei Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland.

Kritik an der Auktion

Fachleute waren im Vorfeld der Auktion zwar nur von Einnahmen von drei bis fünf Milliarden Euro ausgegangen, und nun sind es mit knapp 6,6 Milliarden Euro sogar deutlich mehr.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer übte ebenfalls Kritik: „Die Einnahmen aus der Versteigerung sind viel zu hoch – das führt zu einem langsameren Ausbau des Mobilfunkes.“ Mit dem Geld sollte der Bund nun ein Förderprogramm in den Mobilfunkausbau im ländlichen Raum auflegen, „sonst bleibt Deutschland eine Funkloch-Nation“, forderte der Grüne.

Bisher ist vorgesehen, dass die Erlöse in ein Sondervermögen des Bundes namens „Digitale Infrastruktur“ fließen. Mit 70 Prozent davon soll der Festnetz-Breitbandausbau gefördert werden, mit 30 Prozent sollen besseres Internet und neue Technik an Schulen bezahlt werden.

80 Prozent der Antennen sind vorbereitet

Nach der Beendigung der Auktion will die Telekom nun schnell die Nutzung der Frequenzen bei der Bundesnetzagentur beantragen. „Wir wollen jetzt loslegen. Dafür ist es wichtig, die vor der Auktion nicht vollständig geklärten Rahmenbedingungen festzulegen“, so Wössner. „Dabei gilt weiter unser Angebot, den Netzausbau im ländlichen Raum gemeinsam mit unseren Wettbewerbern anzugehen. Dazu werden wir Gespräche aufnehmen.“

Erste Antennen für 5G funken bereits in Testgebieten in Berlin, Darmstadt und am Hamburger Hafen. Europaweit hat die Telekom bereits 150 5G-Antennen in Betrieb. In Deutschland sind schon mehr als 80 Prozent der bestehenden Antennen auf 5G vorbereitet.

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