EMS-Branche schafft bestes Ergebnis in den letzten zehn Jahren

| Autor / Redakteur: Dieter G. Weiss* / Johann Wiesböck

Dieter G. Weiss, in4ma: „Die EMS-Industrie hat sich 2018 blendend geschlagen und auch 2019 ist keine Panik durch flache Wachstumsraten angesagt.“
Dieter G. Weiss, in4ma: „Die EMS-Industrie hat sich 2018 blendend geschlagen und auch 2019 ist keine Panik durch flache Wachstumsraten angesagt.“ (Bild: in4ma)

Für EMS-Provider sind genaue Marktzahlen lebenswichtig zur Kontrolle und Anpassung der Unternehmensstrategie. Nach jüngsten Zahlen der in4ma-Statistiken hat das EMS-Produktionsvolumen in Deutschland 2018 voraussichtlich die 7 Mrd. Euro überschritten und wird 2019 weiter steigen.

Die meisten kennen das Beispiel aus der Statistik, dass man in einem Fluss der im Mittel nur 40 cm tief ist trotzdem ertrinken kann, wenn man an einer Stelle in den Fluss fällt, wo er drei Meter tief ist. Dementsprechend muss man bei der Benutzung von Mittelwerten vorsichtig in der Interpretation sein. Man benötigt regelmäßig Vergleichswerte, wenn man die Kennzahlen seines Unternehmens mit dem Markt vergleichen will.

Insbesondere liest man solche Vergleichswerte in den Lageberichten der Unternehmen, wo Anteilseignern und Geschäftspartnern aufgezeigt werden soll, wie sich das eigene Unternehmen im Vergleich entwickelt hat. Aber man muss sich fragen, was man mit solchen Aussagen anfangen kann: „Die Konjunkturforscher des IfW halten trotz internationaler Unsicherheiten an ihrer Prognose für Deutschland von 1,9 % BIP-Zuwachs in 2017 und 1,7 % in 2018 fest.“

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Hier handelt es sich um einen sehr groben Mittelwert, der als Vergleichswert für die eigene Leistung eher ungeeignet ist, außer natürlich man braucht einen Wert, der niedrig genug ist, um mit eigenen Zahlen zu glänzen.

Nun gibt es auch Zahlen von Branchenverbänden, die bezogen auf ein Elektronikunternehmen schon genauer sind, wenn man einen entsprechenden Verband auswählt. So publiziert ein deutscher Elektroverband regelmäßig die absoluten Zahlen, die Wachstumszahlen und die Prognosen für die deutsche Elektroindustrie.

Hier muss man aber ebenfalls genau nachsehen, was hinter den Zahlen steht und kann dazu den Verband zitieren: „Die Elektroindustrie umfasst ein sehr breites und dynamisches Produktportfolio.“ In 2018 hatte dieses breite Produktportfolio nach Aussagen des Verbandes ein Produktionsvolumen von 197 Mrd. Euro mit 890.000 Mitarbeitern und ein Wachstum von 2,1%. Für 2019 werden magere 1,1% Umsatzwachstum prognostiziert.

Diese Zahlen sind schon spezifischer als das Bruttoinlandsprodukt aber auch hier kann man sich gut dahinter verstecken. Und 1,1% Wachstum mag für die deutsche Elektroindustrie ja sogar stimmen, aber man sollte immer die Frage stellen, ob es nicht noch genauer geht.

EMS nur 3,2% des Gesamtumsatzes der deutschen Elektroindustrie

Insbesondere für die Dienstleistungsunternehmen der EMS-Industrie sind genaue Zahlen lebenswichtig zur Kontrolle und Planung der weiteren Unternehmensstrategie. Entsprechend den in4ma-Statistiken hatte das EMS-Produktionsvolumen in Deutschland 2018 einen Wert von knapp 6,4 Mrd. Euro. Das sind gerade einmal 3,2% des Gesamtumsatzes der deutschen Elektroindustrie, die mit über 33.000 Mitarbeitern ca. 3,7% der Mitarbeiter der deutschen Elektroindustrie beschäftigt.

Die einzelnen Produktsegmente dieses „dynamischen Produktportfolios“ verhalten sich im Wachstum nicht synchron sondern zeigen genauso kleine und große Wachstumszahlen wie es in einem Fluss flache und tiefe Stellen gibt. Daher muss sich die EMS-Industrie keine Sorgen machen, dass es in 2019 nur 1,1% Wachstum gibt, darf sich aber auch nicht hinter dem mageren Wachstum von 2,1% für 2018 verstecken.

Derzeit läuft die Jahresstatistik der EMS-Hersteller in D-A-CH bei www.in4ma.de. Diese Statistik bezieht normalerweise die Umsatzzahlen und einige weitere Zahlen von Unternehmen, die in Summe ca. 58% des Umsatzes Deutscher und Österreichischer EMS-Hersteller sowie ca. 37% des Umsatzes der Schweizer EMS-Anbieter ausmachen.

Das beste EMS-Jahr in den letzten zehn Jahren

Bereits jetzt kann gesagt werden, dass 2018 für die EMS-Industrie das beste Jahr im Vergleich zu den letzten zehn Jahren war und voraussichtlich ein zweistelliges Wachstum erzielen konnte. Zudem haben die meldenden Unternehmen eine Prognose aufgrund des vorliegenden Auftragsbestandes für die Jahre 2019 und 2020 abgegeben. Auch hier sieht es derzeit so aus, dass die Prognose für die deutsche Elektroindustrie von den EMS-Unternehmen in D-A-CH um mehr als 450% übertroffen wird.

Diese Prognosen der EMS-Hersteller sind normalerweise konservativ. Anfang 2018 hatten die Unternehmen für 2018 noch ein Wachstum von 5,7% für 2018 und 6,2% für 2019 vorhergesagt. Lediglich einige Unternehmen außerhalb von D-A-CH lagen mit 8,4% für 2018 näher an der Realität, die sich derzeit bei der Auswertung der Meldebögen abzeichnet.

Dementsprechend kann jetzt schon gesagt werden, dass sich die EMS-Industrie 2018 blendend geschlagen hat und auch 2019 keine Panik mit flachen Wachstumsraten angesagt ist. Die genauen Zahlen werden in einer der nächsten Ausgaben der ELEKTRONIKPRAXIS publiziert und können ab Ende Februar auf www.in4ma.de nachgelesen werden.

Tipp der Redaktion: Viele weitere interessanten EMS-Zahlen und eine kompetente Interpretation, welche Erkenntnisse und Maßnahmen EMS-Enternehmen davon ableiten können, präsentiert Dieter G. Weiss am 4. Juli auf dem 17. EMS-Tag in Würzburg: www.ems-tag.de.

* Dieter G. Weiss ist geschäftsführender Gesellschafter von Weiss Engineering und Analyst von in4ma Marktstatistiken & Analysen sowie Treuhänder der Elektronik-Industrie.

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posted am 30.01.2019 um 13:35 von Unregistriert


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