Outsourcing

Nach welchen Kriterien Gerätehersteller Fertigungsdienstleister auswählen

21.04.2009 | Autor / Redakteur: Martin Ortgies* / Claudia Mallok

Die Ihlemann AG bestückt Multilayer-Leiterplatten mit BGAs bis zu 1500 Anschlüssen und SMD-Chips der kleinen Baugrößen 0402 und 0201 auf High-end-SMD-Linien. Bild: Ortgies
Die Ihlemann AG bestückt Multilayer-Leiterplatten mit BGAs bis zu 1500 Anschlüssen und SMD-Chips der kleinen Baugrößen 0402 und 0201 auf High-end-SMD-Linien. Bild: Ortgies

Die Marktbeobachter von IDC prognostizieren, dass OEMs in Industrie, Automotive und Medizintechnik verstärkt auf EMS-Dienstleister setzen werden. Im Verbraucher-Geräte-Segment rechnet IDC dagegen eher mit Rückgängen. Wer seine Baugruppenfertigung ganz oder teilweise auslagert, wählt seinen Partner sorgfältig aus, wobei unterschiedliche Kriterien auschlaggebend sind.

Mit der veränderten wirtschaftlichen Situation haben Anforderungen an die finanzielle Solidität der Lieferanten einen größeren Stellenwert erhalten. Bernd Richter, Vorstand des EMS-Dienstleisters Ihlemann AG in Braunschweig, berichtet von aktuell höheren Anforderungen der OEMs: „Wir sind in der glücklichen Lage, auch unsere laufenden Investitionen zu fast 100 Prozent aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Das wird im Moment hoch gewichtet.“

Das Unternehmen Karl E. Brinkmann GmbH (KEB) ist in der qualitativ hochwertigen Antriebs- und Steuerungstechnik tätig. KEB hat eine eigene, sehr moderne Fertigung. Für den Spitzenbedarf setzt KEB auf Fremdfertiger und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Bereits bei der Auswahl der Zulieferer achtet KEB allerdings auf die Stabilität des Unternehmens, damit der Produktionspartner in der Lage ist, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten zu bestehen.

Ähnlich äußert sich der Leiter Materialwirtschaft eines Herstellers von hochwertigen medizinischen Waagen: „Die finanzielle Lage der Lieferanten wird von uns im Moment besonders hoch gewichtet und wir achten stärker auf deren Stabilität.“

Immer diversifiziertere Dienstleistungen gefragt

Über die reine Leiterplattenbestückung hinaus wird zunnehmned die Montage von Geräten und Komplettsystemen nachgefragt
Über die reine Leiterplattenbestückung hinaus wird zunnehmned die Montage von Geräten und Komplettsystemen nachgefragt

Aus Sicht von Marktbeobachtern geht der Angebotstrend von der reinen Leiterplattenbestückung und Gerätemontage hin zu Komplettsystemen und komplexen Systemmontagen. Anbieter wie die Ihlemann AG aus Braunschweig, mit 230 Beschäftigten und ca. 35 Mio. Euro Umsatz, haben sich auf die Fertigung hochwertiger und technisch komplexer Baugruppen spezialisiert. Der Dienstleister beschafft Leiterplatten, Drehteile, Plastikteile, Spritzgussteile in China oder lässt ausgesuchte Komponenten wie Gehäuseteile, Steckverbinder oder komplette Kabelsätze dort fertigen und qualitätssichern. Die qualitativ anspruchsvollere Endmontage erfolgt weiterhin in Deutschland.

Eine größere Dienstleistungspalette und eine hohe Flexibilität für individuelle Kundenanforderungen sind für EMS-Dienstleister zunehmend wichtig, wie OEMs aus unterschiedlichen Branchen bestätigen: mycable entwickelt High-End Embedded-Systeme für drahtlose und drahtgebundene Kommunikation und Multimedia-Systeme für OEM-Kunden und konzentriert sich bewusst auf die eigenen Kernkompetenzen. Die Fertigung ist ausgelagert.

Die wichtigsten Anforderungen an den Dienstleister sind hohe Qualität und Flexibilität. Michael Carstens-Behrens, Geschäftsführer von mycable: Für unsere anspruchsvollen komplexen Systeme brauchen wir eine hohe Flexibilität - terminlich als Rapid Prototyping und in der engen Zusammenarbeit von Entwicklung, Fertigung und Einkauf, da wir bis relativ kurz vor Produktionsstart des Prototyping noch Änderungen an der Leiterplatte umsetzen müssen.“

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