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EMS: Neue Technologien als Chance verstehen

Autor / Redakteur: Robert Frodl / Vivien Deffner

IoT, KI, Machine Learning, additive Fertigung und Robotics – auch in schwierigen Zeiten verlieren neue Technologien nichts an Dringlichkeit. Vielmehr können sie helfen, Engpässe zu überbrücken, Prozesse effizienter zu gestalten und Innovationen voranzutreiben. Eine Chance auch für EMS-Anbieter.

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Neue Technologien sind unumgänglich, um die Fertigung und Entwicklung in einem veränderten Marktumfeld voranzutreiben.
Neue Technologien sind unumgänglich, um die Fertigung und Entwicklung in einem veränderten Marktumfeld voranzutreiben.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Der Einsatz neuer Technogien kann entscheidend dazu beitragen, Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten zu optimieren und flexibel an ein verändertes Marktumfeld anzupassen. Angesichts der steigenden Komplexität von Produkten, einem verschärften Wettbewerb und neuen Herausforderungen in der Supply Chain, steigt auch die Nachfrage nach einem Partner, der bei der Implementierung neuer Technologien sein Know-how einbringen kann – und zwar branchenübergreifend. Dass die Tech-Grenzen zwischen einzelnen Branchen mehr und mehr aufweichen, treibt diese Entwicklung weiter an. Electronics Manufacturing Services (EMS) bleibt gefragt und etabliert sich mehr und mehr vom reinen Auftragsfertiger zum Full-Value-Stream-Dienstleister, der langfristig und agil Hersteller unterstützt. Die folgenden Technologien präsentieren sich dabei als besonders vielversprechend.

Automation und Robotik dank KI

Reinraumfertigung - angesichts des steigenden Softwareanteils in Produkten für alle Industrien ein Thema.
Reinraumfertigung - angesichts des steigenden Softwareanteils in Produkten für alle Industrien ein Thema.
(Bild: Plexus)

Künstliche Intelligenz wird zum Schlüsselfaktor, um Produktionssysteme zuverlässiger und effizienter zu gestalten. Maschinelle Lernverfahren binden unterschiedlichste Daten in ihre Auswertungen ein und können so Prozesse in Echtzeit anpassen. Letztlich steigt damit auch die Qualität und die Time-to-Market verkürzt sich. Automatisierung und Robotik stellen hier das ideale Spielfeld dar, um KI-gestützte Anwendungen zu testen. Der Einsatz von Robotern wird insbesondere im Bereich High Level Assembly, bei der Maschinenbedienung, der Endverpackung sowie der Qualitätsprüfung zunehmen. Auch EMS-Anbieter werden weiterhin auf KI in Form von Machine Learning und Robotersystemen setzen, um ihre führende Rolle in der High-Mix-Low-Volume-Fertigung auszubauen. Damit verschaffen sie ihren Kunden einen echten Mehrwert in der Produktentwicklung, der Supply Chain, der Fertigung und den Aftermarket Services.

KI ermöglich darüber hinaus die 360°-Ansicht von Produkten und unterstützt damit ein agiles und effizientes Engineering. Die Algorithmen der Routing-Engines durchsuchen riesige Mengen von Produkt-, IoT- und Sensordaten und liefern neue Einblicke sowie wichtige Informationen zur Qualitätsoptimierung. KI-gestützte Systeme sind dabei keine Alternative zum Know-how von Ingenieuren und Technikern, sondern unterstützen die Experten als smarte, datengetriebene Assistenten bei der Entscheidungsfindung. Das Erfassen, Analysieren und Nutzen von Daten in der Smart Factory wird von EMS-Partner stärker zu einem Servicepaket für Kunden geschnürt. In ihrer neuen Rolle als Data-Analytics-Dienstleister können sie Prognosen für die Supply Chain stellen, das Forecasting und Bestandsmanagement automatisieren, über Remote-Systeme Anlagen steuern und schneller beim Kundenservice agieren.

Smart Factory braucht eine smarte Supply Chain

Insbesondere in volatilen Märkten ist es wichtig, eine zuverlässige Supply Chain sicherzustellen, um schnell auf Engpässe und Störungen reagieren zu können. Neue Fertigungsverfahren wie der 3D-Druck können dazu beitragen. Die Additive Fertigung beschleunigt das Prototyping und das Drucken von Produktionswerkzeugen. Neue und verbesserte 3D-Druckmaterialien werden diesen Trend weiter anschieben – insbesondere, wenn Drucker und Material im Preis fallen und ihre technischen Fähigkeiten wachsen. In Kombination mit additiven Fertigungsvorrichtungen vor Ort können Hersteller Kosten für Geräte und Produkte (zum Beispiel medizinische Implantate oder chirurgische Werkzeuge) deutlich senken. EMS-Anbieter verfügen hier über das nötige Know-how, um additive Fertigung in den Design- und Fertigungsprozess eines Kunden zu integrieren (Design-for-Additive-Manufacturing). Gleichzeitig stellen sie die nötige Fertigungsumgebung sowie 3D-Druck-Komponenten zur Verfügung und arbeiten verstärkt mit Anbietern von 3D-Druckern zusammen.

Was die Supply Chain angeht, bleibt auch Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Nachhaltige und ethisch verantwortungsvolle Produkte werden für Unternehmen, Kunden und Endverbraucher immer wichtiger. Dazu gehören faire Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sowie nachhaltig produzierte und gehandelte Produkte. Corporate Social Responsibility (CSR) als fester Bestandteil von Geschäftsmodellen entwickelt sich so zum Wettbewerbsfaktor. EMS-Partner können hier ihre Erfahrung und Expertise im Supply Chain Management einbringen und Unternehmen unterstützen, CSR-Initiativen zu erfüllen. Eine höhere Transparenz stellt sicher, dass Umweltauflagen und Menschenrechte über die gesamte Lieferkette hinweg eingehalten werden.

Innovationstreiber Medizintechnik

In der Medizintechnik steht Herstellern eine gewaltige Welle an Innovationen bevor: Die Miniaturisierung ist weiter vorangeschritten, ebenso wie der Einsatz von Nanotechnologie in der Medizin- und Biotechnik. Mithilfe von Nanopiezotronik sollen implantierbare Geräte zukünftig direkt durch die biomechanische beziehungsweise biochemische Energie (zum Beispiel Herzschlag) eines Patienten betrieben werden. Auch die robotergestützte Chirurgie boomt und führt zu komplexeren, mehrteiligen Systemen, die neben mechanischen und optischen Teilen (zum Beispiel Roboterarm) einen hohen Anteil an Software und Elektronik (zum Beispiel 3D-Visualisierung) beinhalten.

Gleichzeitig nimmt mit der fortlaufendenden Miniaturisierung, den Fortschritten in der drahtlosen Technologie und der steigenden Rechenleistung von Systemen die Zahl der vernetzten Medizingeräte weiter zu. Das Internet der medizinischen Dinge (IoMT) stellt die digitale Infrastruktur her, in der Medizinprodukte, Softwareanwendungen sowie Gesundheitssysteme und -dienstleistungen miteinander verknüpft und Daten kontinuierlich erzeugt, gesammelt, analysiert und ausgetauscht werden. Das verändert zunehmend die Geschäfts- und Betriebsmodelle von Medizintechnikunternehmen.

Neue Technologien, höhere Komplexität bei den Produkten und ein verschärftes regulatorisches Umfeld wird für Hersteller von medizinischen Geräten spürbare Folgen haben. Branchenspezifisches und branchenübergreifendes Know-how sowie langjährige Erfahrung und Expertise im Umgang mit Compliance-Anforderungen stehen hoch im Kurs. EMS-Anbieter können sich hier als verlässliche Partner für die Entwicklung, die Fertigung sowie die Kommerzialisierung von Systemen und Geräten profilieren. Das gibt Herstellern die Möglichkeit auch nach der Krise, sich weiter auf ihr Kerngeschäft der Forschung und Entwicklung zu konzentrieren und dabei auf die technische Kompetenz und Marktkenntnis von EMS zu vertrauen.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf unserem Partnerportal Industry of Things veröffentlicht.

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