Embedded World: Aktuelle Entwicklungen zur Coronavirus-Messekrise

Autor / Redakteur: von Michael Eckstein, Sebastian Gerstl, Martina Hafner, Julia Schmidt, Johann Wiesböck; mit Material der dpa / Michael Eckstein

Trotz der zahlreichen Absagen großer Aussteller ist die Embedded World gestern gestartet. Die Besucherzahlen sind wie erwartet überschaubar. Dies ist der aktuelle Stand vom 26. Februar um 8:15 Uhr.

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„Lieber ein Lächeln schenken“: Dieser Aufruf prangt groß am Haupteingang zur Embedded World.
„Lieber ein Lächeln schenken“: Dieser Aufruf prangt groß am Haupteingang zur Embedded World.
(Bild: Richard Oed/ VCG)

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Europa und die Ausbreitung der durch den Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 haben über 200 Aussteller ihre Teilnahme an der Embedded World zurückgezogen. Viele Aussteller haben aber auch an ihrer Teilnahme festgehalten. Die NürnbergMesse hüllte sich mehrere Tage in Schweigen.

ELEKTRONIKPRAXIS hat in diesem Beitrag Listen erstellt, die wir kontinuierlich erweitern, sobald neue belastbare Informationen vorliegen. Sie haben aktuelle Informationen oder Bilder von vor Ort? Dann schreiben Sie an RvD_EP@elektronikpraxis.de.

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Zur aktuellen Entwicklung: Nachdem wir auch Forenbeiträge erhalten haben, nachdem die ursprünglich angekündigten Desinfektionsspender nicht zu finden seien, haben wir bei der Messe Nürnberg nachgehakt. Hier das offizielle Statement vom 25.02.20, 14:45: „Im Austausch mit den deutschen Gesundheitsbehörden hat unser Messeteam viele professionelle Maßnahmen zur nochmaligen Erhöhung der Hygiene ergriffen. Dazu gehören eine verstärkte Reinigungs- und Desinfektionsvorsorge an allen hochfrequentierten Stellen, die Sensibilisierung und Schulung aller unserer Kolleginnen und Kollegen vor Ort sowie Aufklärungskampagnen („No-Handshake-Policy“). Darüber hinaus haben wir für eine deutlich erhöhte Verfügbarkeit von Desinfektionsmaterialien gesorgt: So haben wir dutzende Desinfektionsspender, verteilt über die Messehallen, aufgestellt. Die Spender werden jetzt verstärkt in den Gastrozonen zum Einsatz kommen.“

Die Geschehnisse der letzten Tage

Nach drei Tagen des Schweigens hatte die NürnbergMesse am Sonntag Statements zur aktuellen Lage veröffentlicht. Der Veranstalter erwartet demnach ca. 900 Aussteller. Damit dürfte die Zahl tatsächlicher Absagen bei mehr als 200 liegen; Ende Januar waren mehr als 1150 Aussteller für die Embedded World angekündigt worden.

Während immer mehr Unternehmen selbst noch zum Dienstag ihre Teilnahme gegenüber unserer Redaktion sowie in den Sozialen Medien bekräftigten, sind sehr viele Aussteller teilweise bis zum ersten Messetag abgesprungen (siehe Liste unten). Als einer der letzten verbleibenden großen Halbleiterhersteller hatte diesen Freitag nach Texas Instruments Infineon abgesagt. Auf unsere Anfrage freitagnachts nochmals ihre Messeteilnahme bestätigt hatte Maxim Integrated.

Die NürnbergMesse hat ungeachtet der Entwicklungen an der Durchführung der Messe festgegehalten. Die Messeleitung hat die bisherige Hallenaufteilung überarbeitet und versucht, durch Absagen entstandene Lücken zu füllen. Teilweise mit großen Wellnessbereichen und Ruheinseln, mit Liegenstühlen udn Standstrandoptik. Auf dem ehemaligen Avnet-Stand 3A-221 tummeln sich z.B. mittlerweile 17 Firmen der Electronics Developers and Manufacturers Association. Halle 5 wurde laut aktuellem Hallenplan sowie nach Aussage verschiedener Quellen mittlerweile geschlossen und die noch verbliebenen, ursprünglich dort angesiedelten Stände in andere Hallen umgezogen (siehe Bildergalerie). Auch im Fall von Halle 3a und 4a ist viel Freiraum vorhanden. Gut belegt sind nach wie vor die Hallen 1, 2, 3 und 4. Allerdings stehen immer wieder leere Stände dazwischen. Um sich einen schnellen Eindruck von der aktuellen Ausstellersituation vor Ort zu verschaffen, hilft es vielleicht, mit der Computermaus über die aktuellen Hallenpläne zu fahren. Laut NürnbergMesse wird die Ausstellerliste jeweils über Nacht aktualisiert.

„Wir haben noch nie eine Messe unter solch komplexen, globalen Voraussetzungen durchgeführt. Auswirkungen der Corona-Situation auf diese Messe sind leider nicht gänzlich zu vermeiden,“ sagt Roland Fleck. „Wir bedauern, aber respektieren, dass eine Reihe von Unternehmen nun kurzfristig nicht zur Messe kommen werden. Dennoch sind wir überzeugt, dass die embedded world für Aussteller und Besucher auch in diesem Jahr attraktiv ist und sich für sie lohnt.“

Über das Wochenende mehrten sich kritische Stimmen von Ausstellern und Besuchern aus dem In- und Ausland, die sich schlecht informiert fühlen oder forderten, die Messe abzusagen. Unter anderem schrieb ein Forist am Samstagmorgen, „Appell an die Geschäftsleitung Nürnberg Messe GmbH: Nehmen Sie heute Ihre letzte Chance wahr, das Image der Nürnberg Messe GmbH zu retten und sagen Sie die Messe ab. Den finanziellen Verlust werden Sie verkraften, den Imageverlust wahrscheinlich nicht. Spätestens am Montagabend werden Sie sehen, wie viele Aussteller tatsächlich kommen. Dann ist es zu spät zum Handeln. Es schreibt einer der vielen kleinen Aussteller, die sich ein Fernbleiben einfach nicht leisten können.“ Eine Auswahl an Meinungen von Betroffenen finden Sie unter Stimmen aus dem Leserforum (reader's opinions).

In einer Stellungnahme vom 18. Februar freuen sich die CEOs der NürnbergMesse, Dr. Roland Fleck und Peter Ottmann, „dass sich die Welt der Embedded-Branche nächste Woche wieder in Nürnberg trifft“. Welche Welt da wohl gemeint ist, fragt ein Forist: „Alle relevanten Distributoren, fast die komplette Top-20 der Halbleiterhersteller ist nicht mehr vertreten. In meiner Firma fährt keiner mehr mangels Geschäftspartnern.“ Sollten die Besucherströme in Nürnberg diese Woche aufgrund der Absagen großer Halleiterhersteller oder der dramatischen Entwicklungen zum Coronavirus tatsächlich ausbleiben, könnte dies am Ende nicht nur den verbliebenen Ausstellern schaden sondern die gesamte Branche hart treffen.

Ausstelleristen: Ab- und Zusagen

Die folgenden beiden Listen absagender und teilnehmender Aussteller basieren auf uns vorliegenden Informationen und sind angesichts der raschen Entwicklung sicher nicht ganz vollständig. Insbesondere bei kleineren Firmen ist die genaue Zahl an definitiven Ab- oder Zusagen sicher deutlich höher. (For our international readers: The following company lists are based on information available to our editorial team and are certainly not complete due to the rapid development of events and unclear information situation. Especially for smaller companies, the exact number of definitive rejections or commitments is certainly much higher. We do not have an official list from the trade fair company.)

Offiziell abgesagt haben (officially withdrawn):
Acal BFi,
Actron,
Adesto,
ADKOM Elektronik,
Advantech,
Altium,
Analog Devices (ADI),
Amazon (AWS),
AMD,
Asus,
Avnet, inklusive der Töchter Abacus, EBV und Farnell element 14,
ARM,
Arrow Electronics,
Atlantik Elektronik,
AVSystem,
Basler
Bittium,
Bosch Automotive4,
b-plus,
Codico,
Controllino,
Cypress,
Data I/O,
Data Modul,
Digi International,
Digi-Key,
Digilent,
Diodes Zetex,
Dongguan Team Source Display,
dSpace,
e-Consystems,
EKL Electronics Cooling,
Elektor,
EM Microelectronics,
Embedded Brains,
Espressif Systems,
Evocean Group,
FRG Frischer Electronic,
FTDI/Bridgetek,
Future Electronics,
Hilscher,
Hy-Line,
Hoffmann + Krippner
iBASE
Insight.tech,
Infineon,
Intel,
Integral System,
IPC2U,
IQD,
Linx Technologies,
Kienzle-Gruppe,
Kioxia Europe,
Kontron,
KUNBUS GmbH,
Linx Technologies,
LPKF,
Microchip,
Micron,
Microsoft1,
Mitac Digital,
Mitsubishi Electric,
Monolithic Power Systems,
Mouser Electronics,
Myrra SAS,
Neumüller Elektronik,
New Japan Radio Co (NJR Europe),
Nvidia,
NXP,
On Semiconductor,
OpenHW Group,
Piketec,
POHL Electronic,
Polyrack,
Powerbrigde,
Qualcomm²
RAFI ELTEC,
Recom,
Renata Batteries,
Renesas,
Riverdi,
Rohm,
RS Components,
S.I.E Solutions,
Schukat,
SE Spezial Elektronik,
Shantou Goworld Display,
Silicon Labs,
Silicon Radar,
Simplify Technologies,
Socionext,
SolidRun,
STMicroelectronics,
Swatch Group,
Swissbit,
Telit,
Texas Instruments³,
TME,
TopwayLCD,
Toshiba Electronics Europe,
TouchNetix,
Unisystem Displays,
Vector,
Veridify Security (ehemals SecureRF),
VoxMicro,
TQ-Systems,
Western Digital,
Winbond,
Windriver
Würth Elektronik,
X2E Embedded System Design,
Xilinx
X-Spex.

1Wie Microsoft auf Nachfrage bestätigt, wird das Unternehmen nicht mit einem eigenen Stand auf der Embedded World vertreten sein. Das für Montag, den 24. Februar, geplante IoT in Action Pre-Day Event soll aber weiterhin stattfinden.

²Wie uns ein Leser im Forum berichtet, soll Qualcomm intern per Mail an die Kolleginnen und Kollegen abgesagt haben. Öffentlich wurde bislang nichts kommuniziert.

³Texas Instruments unterstützt weiterhin die MIOTY Alliance und wird dort auch mit Sprechern vertreten sein.

4 Bislang hat nur Bosch Automotive die Teilnahme abgesagt. Andere Bereiche von Bosch sind davon zum aktuellen Stand nicht betroffen.

Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, die ihre Teilnahme unter den aktuellen Gegebenheiten zugesagt haben und auch daran festhalten. Explizit zugesagt haben (officially confirmed):
Absint,
Accemic Technologies,
Adacore,
Adlink Technology
ALDEC,
Agosense,
Apacer,
Atlantik Elektronik,
ATP Electronics,
AVT,
Axivion,
Becom,
Beta Layout,
Bosch,
Cadence,
Cincoze ,
compmall,
Compotec,
Congatec,
Deutschmann Automation
Dialog Semiconductor,
DigitalDevices GmbH,
Demmel,
DENX Software Engineering GmbH,
DH Electronics,
DMB Technics,
DSP Systeme (vormals A.R. Bayer DSP Systeme),
E.E.P.D,
Eltan,
emlix,
Enclustra,
EFCO Electronics,
Electronic Assembly,
Embedded Computing Design,
emotas,
Endrich,
Epson,
Equasys,
esd electronics,
eSOL,
FlowCAD,
Fraunhofer IPMS,
Ginzinger Electronic Systems,
Glyn,
GrammaTech,
Green Hills,
Heitec,
Hema Electronic,
Hemi,
Hitex,
IAR Systems,
IEI Integration Corp.,
Imperas,
Ineltek,
Innodisk,
Karamba Security,
KDAB,
Keith & Koep,
Kernkonzept,
kessler engineering,
KHRONOS Group,
Lattice,
Lauterbach,
Leber Sytemtechnik,
LDRA,
Linutronix,
Lynx Software Technologies,
m2m Germany,
Mathworks,
Maxim Integrated,
MC Technologies,
Melya Systems,
Mentor,
MEV Elektronik Service,
MicroControl,
Microtronics Engineering,
MVTec,
Neousys Technology,
New Vision Display,
Nicomatic,
Nordic Semiconductor,
nVent Schroff,
Paessler AG,
Parasoft,
PEAK-System,
Pengutronix,
Percepio,
Perforce Software,
Phoenix Contact,
Phytec,
Pico Technology,
qbee AS,
RAK Wireless,
Red Pitaya,
Rohde & Schwarz,
Real Time Innovations (RTI),
RISC-V-Foundation,
RTI
Rutronik,
Silicon Motion,
SSV Software Systems,
Sys TEC electronic
Sysgo,
Tacterion,
Tekmodul
Teledyne LeCroy,
Think Silicon,
Trenz Electronic,
Trinamic
Tyan,
Ubuntu,
Ultratronik Distribution,
VersaLogic,
Vision Components,
WAGO,
Wibu-Systems.

Neuer Keynote-Speaker bestätigt - GlobalPlatform SE IoT Workshop abgesagt

Unklar war auch lange, inwiefern der begleitende Kongress von der Absagewelle betroffen ist. Bekannt ist soweit: Nachdem Cypress-CEO Hassan El-Khoury die Haupt-Keynote abgesagt hatte, war zunächst Infineon-CEO Reinhard Ploss kurzfristig eingesprungen. Von der Absage seitens Infineon war jedoch auch die Keynote betroffen, wie uns ein Unternehmenssprecher bestätigte. Laut aktuellsten Medienberichten vom Sonntagnachmittag soll jetzt Ulrich Löwen, Senior Principal Key Expert Engineer bei Siemens Corporate Technology, die Keynote übernommen haben. Andere Referenten die nicht anreisen, sollen per Videokonferenz eingebunden oder durch anwesende Personen ersetzt werden.

Abgesagt wurde vergangenen Freitag definitiv der GlobalPlatform Workshop „Secure Element for IoT“. Dieser hätte in Zusammenarbeit mit Oracle im Novotel Hotel Nürnberg, in unmittelbarer Nähe der Embedded World, stattfinden sollen.

Viele Absagen wichtiger Unternehmen aus den USA

Auffällig ist, dass viele US-Unternehmen den Stecker gezogen haben. Die Begründungen sind mehr oder minder identisch und lauten wie die von Intel: „Die Sicherheit und das Wohlergehen aller unserer Mitarbeiter und Partner hat für uns oberste Priorität. Daher haben wir uns aufgrund der anhaltenden Besorgnis über den neuartigen Coronavirus-Ausbruch von der diesjährigen Embedded World zurückgezogen. Wir sind den Organisatoren für ihr Verständnis dankbar und freuen uns auf die Teilnahme und Unterstützung künftiger Veranstaltungen der Embedded World.“

Viele Unternehmen haben die Befürchtung, dass sich ihre Mitarbeiter während der Reise – an den Flughäfen oder während des Fluges – mit dem Coronavirus Covid-19 anstecken. Die Messe selber sehen sie hingegen weniger als das eigentliche Problem an. Dazu muss man wissen: Infizierte Personen müssten nach dem Rückflug in die USA zunächst mindestens zwei Wochen in Quarantäne. Letztlich besteht die Gefahr, dass auf einen Schlag viele wichtiger Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum ausfallen – viele Firmen scheuen dieses Risiko.

Schwierige Situation für kleinere Unternehmen

Hinzu kommt schlicht eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Wie Firmen auf Nachfrage bestätigen, erwarten sie einen substanziellen Besucherrückgang. Entsprechend fragen sie sich, ob sich der Aufwand lohnt, mit großem Stab vor Ort zu sein, sich der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen – und die gesteckten Ziele nicht zu erreichen. Die Personalkosten dürften dabei die höchste Kostenersparnis ausmachen. Laut Insider-Informationen kann davon ausgegangen werden, dass die Aussteller auf geschätzten 90 Prozent der Kosten sitzenbleiben, wenn sie absagen. Viele kleinere Unternehmen, die einen Großteil ihres Marketingbudgets in Fachmessen stecken, können sich eine Absage daher schlichtweg nicht leisten.

Erhöhte Alarmbereitschaft auch bei teilnehmenden Firmen

Auch bei den Unternehmen, die weiterhin an der Messe festhalten, herrschte diese Woche erhöhte Alarmbereitschaft: „Wir werden die Situation bezüglich des Coronavirus jedoch weiterhin sehr genau beobachten, denn der Schutz unserer Mitarbeiter steht an erster Stelle. Sollte es Anzeichen für eine ernsthafte Gefährdungssituation geben, behalten wir uns vor, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, lautete die offizielle Stellungnahme Maxim am 17.02.2020.

Weiterführende Lesetipps

Weit über hundert Kommentare in unserem Leserforum zeigen, wie sehr die aktuelle Situation Aussteller, Besucher und Branchenkenner umtreibt. Vor allem kleine Aussteller sehen sich als Verlierer, weil sie sich eine Absage kaum leisten können bzw. weil die Embedded World einen großen Teil ihres Kommunikationsbudgets ausmacht. Sie bekommen nun viel oder sehr viel weniger Leistung für ihr Geld. Hier einige Stimmen aus dem Forum, das Sie komplett am Ende dieses Artikel finden:

There will be a lot of NoShows for the small companies.. It just does not make sense to cancel, as Messe Nürnberg does still ask for the full money. If you cancel you just will have some small saving of some additional small cost adder.

So why should anybody officially cancel?

Guess next year we switch to Electronica, maybe Messe Munich is more professional. (24.02.2020 12:20)

Kein Arbeitgeber (vor allem im Bereich Technologie) kann sich es leisten, Mitarbeiter gegen deren Willen auf die Messe zu entsenden. Aufgrund der Entwicklung in Italien (und auch dem oben erwähnten Stern-Bericht) und der heute Abend stattfindenden Berichterstattung im TV, werden sicherlich viele Mitarbeiter noch mehr verunsichert sein. Dieser Verunsicherung steht einer ganz miserablen Kommunikation der Messe Nürnberg gegenüber. Man könnte meinen, die Messe stellt ihre wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund und vernachlässigt dabei die Interessen ihrer Kunden - der Aussteller. Eine Vielzahl von kleineren Ausstellern warten sicherlich auf eine offizielle Absage, um wenigstens noch mit einem blauen Auge davon zu kommen, was das Finanzielle anbelangt. Die Messe könnte sich nun retten, indem sie eine offizielle Absage erteilt aufgrund der aktuellen, bedrohlich schnellen Entwicklungen in Italien.

Wenn die Messe nicht absagt, muss sie befürchten, dass es einen desaströsen Absturz der Besucherzahlen geben wird. Für die verbliebenen Austeller bedeutet das, dass die Messe für sie nicht erfolgreich sein wird. In diesem Zusammenhang verliert dann wieder das Argument wir können uns eine Absage nicht leisten an Bedeutung. Also doch! Man kann sich das als kleines Unternehmen auch leisten, wenn man noch dazu nicht erwarten kann, dass es geschäftlich ein Erfolg wird. Es wird definitiv ein Erfolg gegenüber den Mitarbeitern, denen man auf diese Art und Weise zeigt, dass man an ihrem Wohlergehen interessiert ist. Vielleicht ist das in vielen Fällen sehr viel wertvoller als eine Messeteilnahme. (23.02.2020 17:29).

They have no conscience. Unless they are explicitly told to by Germany, the event will take place. The whole situation already badly hurts the trade fairs reputation. If any infections arise from it, I fear it will be its end. (23.02.2020 17:14)

Appell an die Geschäftsleitung Nürnberg Messe GmbH: Nehmen Sie heute Ihre letzte Chance wahr, das Image der Nürnberg Messe GmbH zu retten und sagen Sie die Messe ab. Den finanziellen Verlust werden Sie verkraften, den Imageverlust wahrscheinlich nicht. Spätestens am Montagabend werden Sie sehen, wie viele Aussteller tatsächlich kommen. Dann ist es zu spät zum Handeln. Es schreibt einer der vielen kleinen Aussteller, die sich ein Fernbleiben einfach nicht leisten können. (22.02.2020 09:03)

I fear it is already too but I also agree #cancelew20 (22.02.2020 11:07)

Life before money, the fair management should also follow. The numbers in Korea, USA, Italy and Iran are just exploding. Decision-makers wont come back anyway. I cant with my conscience agree to support such groups of people in the future and I will not attend this fair and I will remove them from my list. With this hesitant stalling tactic the organizers are destroying this so far highly regarded fair. (22.02.2020 12:56)

Whilst I somehow can understand initial concerns about health risks - although questionable whether realistic based on the fact that there are literally no flights from China to Germany any longer - those last minute cancellations for me personally show again the purely money driven mindset of some organizations with lack of respect for the remaining committed visitors of Embedded World. When companies like Infineon apparently now are arguing that the majority of their customers cancelled - now REALLY? those customers you already have anyway. you dont need ANY trade show for THEM although I admit that it saves time for Sales people when meeting many customers on the show rather than traveling to them. But what about the chance to attract NEW ones in this special situation? not interested? well then those companies maybe feel much too safe - I would even call it arrogant. This whole situation is kinda insane.... communication of the Embedded World organizers is a mess - I hope some people will have to finally take responsibility for that as well.... but honestly.... lets talk about CES in Las Vegas.... I think the risk to catch the virus THERE was much higher - but there has been nothing in the news that AFTER CES there would have been any specific cases.... Some of the companies might think - well there is electronica in November - so lets see what impact it REALLY might have skipping Embedded World this time.. Well - for many companies there wont be an immediate measurable effect of trade shows like Embedded World .... its the long term effect that counts. I am personally in this business for almost 30 years now.... I know what I am talking about. Bottom line: those last minute cancellations of companies are like stabbing a knife into the back of the whole community.. you didnt have your employees or other peoples health in your mind - you simply decided its not worth it any longer without knowing, without giving it a try - without showing the will to invest - shame on THOSE companies - I hope potential customers will consider that. (21.02.2020 23:39)

Die Krisenkommunikation der Messe Nürnberg ist schlicht unterirdisch. Auf der embedded-world-Webseite wird so getan, als hätte kaum ein Unternehmen abgesagt. Man muss die Hallenpläne und die Ausstellersuche bemühen, um halbwegs herausfinden zu können, wer noch da ist. Allerdings ist weder die Suche noch der Hallenplan immer auf dem aktuellen Stand. (21.02.2020 16:58)

...We are a small first time exhibitor at #EW20 and we are worried that there will be no customers. Two things make me really angry: - Companies that obviously lack professional leadership because they cancel today or yesterday (what new facts impacted this decision after MWC cancellation on the 12th?).- an organiser that is obviously only concerned about not loosing any money. Maybe #EW20 will still be a good show, but then we need an organiser that is open about attendance. This is not the event we payed for! All this is completely ridiculous but as a small company with limited budget we cannot really do anything. So hopefully some people can post some numbers here and they are low. Looking forward to have a coffee with all you exhibitors that are in the same squeeze we are in. (21.02.2020 17:45)

The situation during CES and today was completely different. Beginning of January there where 40-50 reported infections in China. Today there are more than 75.000 people with officially confirmed infections and it has occured all over the planet. I read that the infection rate is 38 times higher than SARS (and today there are more than 10 times as many people sick than SARS has infected in total). I can understand every company that has decided to withdrawal from international events like a trade show due to health risks. Just imagine what would happen if a breakout occurs. No company can cease operation for 2-3 weeks after it, just to make sure no one got sick, before sales people start visiting customers again or be with their families. I doubt that any decision for a cancellation has been taken easily by any of the companies, as they wont get any return of the already paid booth space, hotel rooms or catering. That Infineon says they pull out due to cancellation of customer meetings is (at least) honest. I personally think that it is better to withdrawal, than hoping to meet an unknown customer by chance, who wasnt committed enough to make an appointment beforehand. There must have been a significant percentage of meeting cancellations otherwise Infineon wouldnt have made the decision to trash all that money. Im feeling pretty bad for the visitors and especially the remaining and 1st time exhibitors. They all have to paid a small fortune (fees, accommodation, travel) to attend the show but wont get back what they will be charged for. That said, it is also not fair to blame the non-attending companies for taking responsibility of their employees, partners and customers. The management of Nuremberg fair should have cancelled the show a week ago. Now it is likely that they face an empty show, disappointed visitors and disappointed exhibitors. But at least their 2020 profits are secured. (22.02.2020 02:56)

Even if you accept the decision of the organization on going forward with the fair, its unacceptable their lack of transparency regarding exhibitor and speaker cancellations. (21.02.2020 11:02)

Virusrisiko hin oder her. Ganz unabhängig davon ist durch die aktuelle Entwicklung der Sinn einer Messeteilnahme absolut nicht mehr gegeben. Aber laut Grußwort der Messeleitung freuen sich alle.... (21.02.2020 10:37)

Die Informationspolitik der Messe ist in diesem Kontext ganz schlecht, z.T. finden sich Firmen, die bereits abgesagt haben, immer noch im Ausstellerverzeichnis. Ruft man an, gibt es unverbindliche Antworten. Man will offenbar einen weiteren Dominoeffekt von kleinen Firmen verhindern, deren Zugpferde in ihren Hallen weggebrochen sind. (20.02.2020 14:24)

Embedded World: STMicro und Microchip sagen Teilnahme ab

Die Angst vor dem Coronavirus (2019-nCoV oder jetzt offiziell Covid-19) zieht immer weitere Kreise: Als erstes Unternehmen hatte der drittgrößte europäische Halbleiterhersteller STMicroelectronics (STMicro) gestern Nachmittag seine Teilnahme nicht nur am Mobile World Congress (MWC), sondern jetzt auch an der Embedded World in Nürnberg abgesagt. In einer kurzen Meldung teilte das Unternehmen mit, dass man die Situation um den neuerlichen Ausbruch des Coronavirus in China sehr genau verfolgt habe und nun eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen ergreife, um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter weltweit zu schützen.

Nach einer am Dienstag eilig einberufenen Videokonferenz hatten sich die Mitglieder der Mobilfunk-Anbieter-Organisation GSMA – darunter Deutsche Telekom, Vodafone oder Telefónica – dazu durchgerungen, die größte Mobilfunk-Messe der Welt, den MWC, abzusagen. Das hatten gestern am späten Nachmittag zunächst einige spanische Medien berichtet, etwa die Zeitung „El Pais“. Diese weltweit größte Nabelschau der Telekommunikationsindustrie zieht jedes Jahr um die 100.000 Besucher und 2800 Aussteller ins spanische Barcelona.

Vor der jetzt endgültigen Absage des MWC hatten sich seit Tagen die Stornierungen wichtiger Firmen gehäuft. Allein am Dienstag kündigten der Chipriese Intel, der US-Telekomkonzern AT&T und der chinesische Smartphone-Anbieter Vivo an, dass sie in diesem Jahr der Mobilfunk-Messe angesichts potenzieller Coronavirus-Risiken fernbleiben. Zuvor hatten bereits große Aussteller wie Sony und Amazon, der Telekom-Ausrüster Ericsson, der südkoreanische Elektronikkonzern LG und der Chiphersteller Nvidia abgesagt. Am gestrigen Mittwoch haben schließlich auch die Deutsche Telekom, Netzausrüster Nokia und der Smartphone-Hersteller HMD Global angekündigt, nicht am MWC teilzunehmen.

Wer die enormen Kosten tragen wird, ist noch offen. Wie die „Financial Times“ in der Nacht zum Donnerstag berichtete, laufen aktuell Gespräche darüber. Nach Angaben von „El Pais“ beschert der MWC der Region jährlich rund 500 Mio. Euro Umsatz.

Veranstalter der Embedded World hält bislang an der Messe fest

Nun läuft auch die Embedded World Gefahr, möglicherweise das gleiche Schicksal zu erleiden: Neben STMicro hat mittlerweile auch der amerikanische Chiphersteller Microchip die Notbremse gezogen und seine Teilnahme an der Messe in Nürnberg abgesagt. Auch er führt an, dass die Gesundheit seiner Mitarbeiter an erster Stelle stehe. Von weiteren Firmen gibt es bislang nur unbestätigte Gerüchte über eine mögliche Absage. Nach Angaben der Messeleitung „sind zum jetzigen Zeitpunkt rund 100 Unternehmen aus China zur embedded world 2020 angemeldet. Davon rund 5% aus der Region Hubei und der Stadt Wuhan. Wir rechnen nicht damit, dass diese Unternehmen an der Veranstaltung teilnehmen können.“

Man rechne mit deutlich weniger Besuchern aus China als 2019, sie werden voraussichtlich rund 1% der Gesamtbesucheranzahl ausmachen. Bislang hätten lediglich chinesische Gäste aus Wuhan ihren Besuch in Nürnberg storniert – „ansonsten begrüßen wir gerne die Welt bei unseren Messen in Nürnberg“.

Bislang sieht der Veranstalter keinen Anlass, die Messe nicht stattfinden zu lassen. In einer aktuellen Stellungsnahme versichert er, dass „die medizinische Versorgung im Messezentrum Nürnberg auf gewohnt hohem Niveau erfolgen wird und Aussteller, Fachbesucher und Journalisten bestmöglich geschützt werden“. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen sorge für den nötigen Schutz. Dazu würden neben Notfallmanagementsystemen und der Station des Bayerischen Roten Kreuzes, in der Dolmetscher bereit stehen, zusätzliche Desinfektionsmittelspender rund um den Veranstaltungsort zählen. Darüber hinaus sei man in ständigem engen Kontakt mit den Gesundheitsbehörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene und werde alle von ihnen erteilten Anweisungen umsetzen.

Infineon bestätigt Teilnahme „unter den gegebenen Bedingungen“

Zuspruch kommt unter anderem vom deutschen Infineon-Konzern: Angesichts der Präventionsmaßnahmen des Messeveranstalters sowie den Empfehlungen der WHO zum persönlichen Schutz „sehen wir derzeit keinerlei Anlass, an der Durchführung der Messe im vorgesehenen Umfang zu zweifeln. An unserer Messeteilnahme halten wir daher unter den gegebenen Bedingungen uneingeschränkt fest“, erklärt Media-Relation-Manager Fabian Schiffer gegenüber ELEKTRONIKPRAXIS.

Die Embedded World ist als Treffpunkt der Elektronikbranche ebenfalls international ausgerichtet, allerdings eine reine Fachmesse, die sich anders als der MWC nicht an Endkunden richtet. Im letzten Jahr fanden laut Veranstalter NürnbergMesse GmbH rund 32.000 Besucher den Weg in die Nürnberger Messehallen. Nicht zuletzt der große Stand von STMicro zählte darin zu den Besuchermagneten. Entsprechend bitter ist nun die Absage. Das Unternehmen schließt seine Meldung mit den Worten: „Wir danken der GSMA und der NürnbergMesse GmbH für ihr Verständnis und freuen uns darauf, ihre Veranstaltungen auch in Zukunft zu besuchen und zu unterstützen.“

Coronavirus breitet sich viel schneller aus als bislang angenommen

Möglicherweise sind diese Vorsichtsmaßnahmen durchaus angebracht: Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, breitet sich das Virus Covid-19 viel schneller aus als bislang angenommen. Nachdem es zuletzt so aussah, als würde sich die Zunahme der Neuinfektionen mit dem Coronavirus verlangsamen, meldet China aktuell einen rapiden Anstieg. So sei in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei die Zahl an einem einzigen Tag um 14.840 nach oben geschossen – ein Tag zuvor hatten die chinesichen Behörden noch 1638 Neuinfektionen gemeldet. Der exorbitanten Anstieg könnte auch auf ein verbessertes Diagnoseverfahren zurückzuführen sein, meldet der Spiegel. Abgesehen davon würden Experten generell eine sehr hohe Dunkelziffer vermuten.

Schon teilen erste Unternehmen proaktiv mit, dass von den eigenen Mitarbeitern bislang keiner infiziert ist. So meldet beispielsweise Embedded-Systeme-Hersteller Advantech, dass es unter den 8000 weltweit für das Unternehmen arbeitenden Menschen bislang keinen Fall einer Infektion mit dem Covid-19-Virus gibt – auch nicht unter den rund 3400 in China ansässigen Mitarbeitern. Viele davon würden mittlerweile von zuhause aus arbeiten, sofern ihre Tätigkeit dies zulasse. Seit gestern gibt das Unternehmen den aktuellen Status der Infektionen unter seinen Mitarbeitern auf seiner offiziellen Homepage an.

Einige High-tech-Firmen profitieren

Wie die Deutsche Welle (dw) berichtet, ist das Wirtschaftsleben in China weiter empfindlich getroffen und eine Besserung nicht in Sicht. So würden Hunderte Millionen von Beschäftigten in Fabriken, Büros, Geschäften, Laboren, Schulen und Universitäten fehlen. Die Regierung versuche, Menschen aktiv zur Homeoffice-Arbeit zu bewegen. Das habe zu einem Boom für Technologiefirmen geführt.

Besonders gefragt seien Plattformen von Telekom-Riesen wie Alibaba, Tencent oder Huawei. Tencent etwa berichtet, dass sich die Nachfrage nach seiner WeChat-Work-App für Bürokommunikation binnen wenigen Tagen verzehnfacht habe. Die WeLink-Plattform von Huawei sei gar um das 50-fache besser nachgefragt, täglich kämen eine Million neue Nutzer dazu. Alibaba teilte chinesischen Staatsmedien mit, das mittlerweile rund 200 Millionen Menschen seinen Service DingTalk nutzen würden – mehr als je zuvor.

Bei Advantech rechnet man damit, die Produktion am Advantech Kunshan Manufacturing Center (AKMC) in Kunshan bis Ende Februar teilweise auf rund 30% hochfahren zu können.

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