Embedded World: Aktuelle Entwicklungen zur Coronavirus-Messekrise

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Embedded World: STMicro und Microchip sagen Teilnahme ab

Die Angst vor dem Coronavirus (2019-nCoV oder jetzt offiziell Covid-19) zieht immer weitere Kreise: Als erstes Unternehmen hatte der drittgrößte europäische Halbleiterhersteller STMicroelectronics (STMicro) gestern Nachmittag seine Teilnahme nicht nur am Mobile World Congress (MWC), sondern jetzt auch an der Embedded World in Nürnberg abgesagt. In einer kurzen Meldung teilte das Unternehmen mit, dass man die Situation um den neuerlichen Ausbruch des Coronavirus in China sehr genau verfolgt habe und nun eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen ergreife, um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter weltweit zu schützen.

Nach einer am Dienstag eilig einberufenen Videokonferenz hatten sich die Mitglieder der Mobilfunk-Anbieter-Organisation GSMA – darunter Deutsche Telekom, Vodafone oder Telefónica – dazu durchgerungen, die größte Mobilfunk-Messe der Welt, den MWC, abzusagen. Das hatten gestern am späten Nachmittag zunächst einige spanische Medien berichtet, etwa die Zeitung „El Pais“. Diese weltweit größte Nabelschau der Telekommunikationsindustrie zieht jedes Jahr um die 100.000 Besucher und 2800 Aussteller ins spanische Barcelona.

Vor der jetzt endgültigen Absage des MWC hatten sich seit Tagen die Stornierungen wichtiger Firmen gehäuft. Allein am Dienstag kündigten der Chipriese Intel, der US-Telekomkonzern AT&T und der chinesische Smartphone-Anbieter Vivo an, dass sie in diesem Jahr der Mobilfunk-Messe angesichts potenzieller Coronavirus-Risiken fernbleiben. Zuvor hatten bereits große Aussteller wie Sony und Amazon, der Telekom-Ausrüster Ericsson, der südkoreanische Elektronikkonzern LG und der Chiphersteller Nvidia abgesagt. Am gestrigen Mittwoch haben schließlich auch die Deutsche Telekom, Netzausrüster Nokia und der Smartphone-Hersteller HMD Global angekündigt, nicht am MWC teilzunehmen.

Wer die enormen Kosten tragen wird, ist noch offen. Wie die „Financial Times“ in der Nacht zum Donnerstag berichtete, laufen aktuell Gespräche darüber. Nach Angaben von „El Pais“ beschert der MWC der Region jährlich rund 500 Mio. Euro Umsatz.

Veranstalter der Embedded World hält bislang an der Messe fest

Nun läuft auch die Embedded World Gefahr, möglicherweise das gleiche Schicksal zu erleiden: Neben STMicro hat mittlerweile auch der amerikanische Chiphersteller Microchip die Notbremse gezogen und seine Teilnahme an der Messe in Nürnberg abgesagt. Auch er führt an, dass die Gesundheit seiner Mitarbeiter an erster Stelle stehe. Von weiteren Firmen gibt es bislang nur unbestätigte Gerüchte über eine mögliche Absage. Nach Angaben der Messeleitung „sind zum jetzigen Zeitpunkt rund 100 Unternehmen aus China zur embedded world 2020 angemeldet. Davon rund 5% aus der Region Hubei und der Stadt Wuhan. Wir rechnen nicht damit, dass diese Unternehmen an der Veranstaltung teilnehmen können.“

Man rechne mit deutlich weniger Besuchern aus China als 2019, sie werden voraussichtlich rund 1% der Gesamtbesucheranzahl ausmachen. Bislang hätten lediglich chinesische Gäste aus Wuhan ihren Besuch in Nürnberg storniert – „ansonsten begrüßen wir gerne die Welt bei unseren Messen in Nürnberg“.

Bislang sieht der Veranstalter keinen Anlass, die Messe nicht stattfinden zu lassen. In einer aktuellen Stellungsnahme versichert er, dass „die medizinische Versorgung im Messezentrum Nürnberg auf gewohnt hohem Niveau erfolgen wird und Aussteller, Fachbesucher und Journalisten bestmöglich geschützt werden“. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen sorge für den nötigen Schutz. Dazu würden neben Notfallmanagementsystemen und der Station des Bayerischen Roten Kreuzes, in der Dolmetscher bereit stehen, zusätzliche Desinfektionsmittelspender rund um den Veranstaltungsort zählen. Darüber hinaus sei man in ständigem engen Kontakt mit den Gesundheitsbehörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene und werde alle von ihnen erteilten Anweisungen umsetzen.

Infineon bestätigt Teilnahme „unter den gegebenen Bedingungen“

Zuspruch kommt unter anderem vom deutschen Infineon-Konzern: Angesichts der Präventionsmaßnahmen des Messeveranstalters sowie den Empfehlungen der WHO zum persönlichen Schutz „sehen wir derzeit keinerlei Anlass, an der Durchführung der Messe im vorgesehenen Umfang zu zweifeln. An unserer Messeteilnahme halten wir daher unter den gegebenen Bedingungen uneingeschränkt fest“, erklärt Media-Relation-Manager Fabian Schiffer gegenüber ELEKTRONIKPRAXIS.

Die Embedded World ist als Treffpunkt der Elektronikbranche ebenfalls international ausgerichtet, allerdings eine reine Fachmesse, die sich anders als der MWC nicht an Endkunden richtet. Im letzten Jahr fanden laut Veranstalter NürnbergMesse GmbH rund 32.000 Besucher den Weg in die Nürnberger Messehallen. Nicht zuletzt der große Stand von STMicro zählte darin zu den Besuchermagneten. Entsprechend bitter ist nun die Absage. Das Unternehmen schließt seine Meldung mit den Worten: „Wir danken der GSMA und der NürnbergMesse GmbH für ihr Verständnis und freuen uns darauf, ihre Veranstaltungen auch in Zukunft zu besuchen und zu unterstützen.“

Coronavirus breitet sich viel schneller aus als bislang angenommen

Möglicherweise sind diese Vorsichtsmaßnahmen durchaus angebracht: Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, breitet sich das Virus Covid-19 viel schneller aus als bislang angenommen. Nachdem es zuletzt so aussah, als würde sich die Zunahme der Neuinfektionen mit dem Coronavirus verlangsamen, meldet China aktuell einen rapiden Anstieg. So sei in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei die Zahl an einem einzigen Tag um 14.840 nach oben geschossen – ein Tag zuvor hatten die chinesichen Behörden noch 1638 Neuinfektionen gemeldet. Der exorbitanten Anstieg könnte auch auf ein verbessertes Diagnoseverfahren zurückzuführen sein, meldet der Spiegel. Abgesehen davon würden Experten generell eine sehr hohe Dunkelziffer vermuten.

Schon teilen erste Unternehmen proaktiv mit, dass von den eigenen Mitarbeitern bislang keiner infiziert ist. So meldet beispielsweise Embedded-Systeme-Hersteller Advantech, dass es unter den 8000 weltweit für das Unternehmen arbeitenden Menschen bislang keinen Fall einer Infektion mit dem Covid-19-Virus gibt – auch nicht unter den rund 3400 in China ansässigen Mitarbeitern. Viele davon würden mittlerweile von zuhause aus arbeiten, sofern ihre Tätigkeit dies zulasse. Seit gestern gibt das Unternehmen den aktuellen Status der Infektionen unter seinen Mitarbeitern auf seiner offiziellen Homepage an.

Einige High-tech-Firmen profitieren

Wie die Deutsche Welle (dw) berichtet, ist das Wirtschaftsleben in China weiter empfindlich getroffen und eine Besserung nicht in Sicht. So würden Hunderte Millionen von Beschäftigten in Fabriken, Büros, Geschäften, Laboren, Schulen und Universitäten fehlen. Die Regierung versuche, Menschen aktiv zur Homeoffice-Arbeit zu bewegen. Das habe zu einem Boom für Technologiefirmen geführt.

Besonders gefragt seien Plattformen von Telekom-Riesen wie Alibaba, Tencent oder Huawei. Tencent etwa berichtet, dass sich die Nachfrage nach seiner WeChat-Work-App für Bürokommunikation binnen wenigen Tagen verzehnfacht habe. Die WeLink-Plattform von Huawei sei gar um das 50-fache besser nachgefragt, täglich kämen eine Million neue Nutzer dazu. Alibaba teilte chinesischen Staatsmedien mit, das mittlerweile rund 200 Millionen Menschen seinen Service DingTalk nutzen würden – mehr als je zuvor.

Bei Advantech rechnet man damit, die Produktion am Advantech Kunshan Manufacturing Center (AKMC) in Kunshan bis Ende Februar teilweise auf rund 30% hochfahren zu können.

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