Elf kaum bekannte Fakten über Neil Armstrong und die Apollo-11-Mission

| Redakteur: Franz Graser

Das vielleicht berühmteste Foto der Apollo-11-Mission zeigt Buzz Aldrin bei seinem Spaziergang auf dem Erdtrabanten.
Das vielleicht berühmteste Foto der Apollo-11-Mission zeigt Buzz Aldrin bei seinem Spaziergang auf dem Erdtrabanten. (Bild: NASA)

Am 20. Juli 1969 betrat Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Anlässlich 50. Jubiläums der historischen Mondfahrt präsentieren wir an dieser Stelle einige der weniger bekannten und zum Teil kuriosen Fakten rund um den Astronauten und die Apollo-11-Mission.

1. Armstrong erwarb seine Pilotenlizenz bereits mit 15 Jahren

Neil Armstrong war von Kindesbeinen an vom Fliegen begeistert. Er war zwei Jahre alt, als sein Vater ihn im Jahr 1932 zu den damals populären Luftrennen in Cleveland/Ohio mitnahm. Mit sechs Jahren flog er zum ersten Mal in einem Flugzeug mit, einer dreimotorigen Ford Trimotor. Parallel zu seiner Zeit an der High School nahm er Flugunterricht am örtlichen Flugplatz. So kam es, dass er bereits mit 15 Jahren eine Pilotenlizenz erwarb.

2. Armstrong war nicht der Favorit, der erste Mensch auf dem Mond zu werden

Chefastronaut Donald Slayton verkündete zwar stets sein Mantra „Any team can fly any mission“ (Jedes Team kann jede Mission fliegen). Frei nach George Orwell waren jedoch auch aus Sicht von Slayton einige Astronauten gleicher als andere. In seiner posthum erschienenen Autobiographie bekannte Slayton, dass Virgil „Gus“ Grissom, einer der Veteranen der ersten für das Mercury-Projekt ausgewählten Astronautengruppe, seine erste Wahl gewesen war. Doch Grissom und seine Kollegen Ed White und Roger Chaffee kamen im Januar 1967 bei einem Bodentest ums Leben, bei dem in der Apollo-Kapsel ein Feuer ausbrach.

Danach war der Astronaut Frank Borman Slaytons Favorit. Doch nach der erfolgreichen Mondumrundung mit Apollo 8 verließ Borman die NASA, weil er ein lukratives Angebot hatte, bei der US-Fluggesellschaft Eastern Air Lines als Manager einzusteigen. Daraufhin bot Slayton angeblich Jim McDivitt die Chance an, als erster Mensch auf dem Mond zu landen. Doch McDivitt lehnte ab – der Kommandant von Apollo 9 wechselte in das NASA-Management.

Insofern war mit Armstrong ein unwahrscheinlicher Kandidat für die Rolle des ersten Menschen auf dem Mond. Die Geschichte zeigte jedoch, dass er der absolut richtige Mann für diese Aufgabe war.

3. Armstrong hatte weniger Weltraum-Erfahrung als seine beiden Apollo-11-Kollegen

Bei der Besetzung der Apollo-Raumflüge bestimmte Chefastronaut Donald „Deke“ Slayton immer einen erfahrenen Raumfahrer zum Kommandanten, der bis dahin mindestens eine Weltraum-Mission absolviert hatte. So war es auch mit Apollo 11: Neil Armstrong war bereits 1966 mit der Kapsel Gemini 8 im All gewesen.

Allerdings musste dieser Flug vorzeitig abgebrochen werden. Nach einem geglückten Kopplungsmanöver in der Erdumlaufbahn mit einer Agena-Raketenoberstufe zeigte sich heraus, dass sich das Gemini-Raumschiff um die eigene Achse drehte. Die Astronauten Armstrong und Scott vermuteten zunächst einen Defekt der Agena-Rakete. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass ein Manövriertriebwerk der Gemini-Kapsel fehlerhaft war. Nach der Abkopplung verstärkte sich die Rotation jedoch. Um die Rollbewegung zu stoppen, mussten die Astronauten die Bremsraketen für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zünden.

Die Mission war damit effektiv beendet. Knapp elf Stunden nach dem Start wasserte das Gemini-Raumschiff im Pazifischen Ozean statt wie geplant im Atlantik.

Die Raumkapsel Gemini 8 nach der Wasserung im Pazifik. Links in der Kapsel: Neil Armstrong. Rechts: Dave Scott.
Die Raumkapsel Gemini 8 nach der Wasserung im Pazifik. Links in der Kapsel: Neil Armstrong. Rechts: Dave Scott. (Bild: NASA)

So kam es, dass Armstrong beim Start von Apollo 11 nur 10 Stunden und 48 Minuten Raumflug-Erfahrung zu Buche stehen hatte, sein Kollegen Buzz Aldrin dagegen knapp vier Tage und Michael Collins knapp drei Tage. Dennoch wurde Armstrong zum Kommandanten der Mission ernannt.

Dieser Rekord wurde jedoch von Alan Shepard unterboten, als dieser zum Kommandanten von Apollo 14 bestimmt wurde. Shepard, der erste Amerikaner im All, war zuvor nur 15 Minuten im Weltraum gewesen. Nach seinem suborbitalen Flug mit der Mercury-Kapsel Freedom 7 im Jahr 1961 war er drei Jahre später wegen einer Erkrankung des Innenohrs auf einen administrativen Posten versetzt worden. Erst nach einer erfolgreichen Operation wurde Shepard wieder reaktiviert.

4. Neil Armstrong war Zivilist

Praktisch alle NASA-Astronauten hatten eine Karriere als Testpilot bei der US Air Force oder den US-Marinefliegern hinter sich, bevor sie ihre Karriere als Raumfahrer begannen. Neil Armstrong diente zwar als Marineflieger im Koreakrieg, bewarb sich aber 1955 nach seinem Ausscheiden beim National Advisory Committee for Aeronautics (NACA), einer Zivilbehörde, als Testpilot. Drei Jahre später wurde das NACA aufgelöst und die NASA entstand. Armstrong blieb als Testpilot bei der NASA angestellt und war deshalb neben Elliott See (der später bei einem Flugunfall ums Leben kam und nie ins Weltall startete) der erste Zivilist, der ins Astronauten-Korps aufgenommen wurde.

5. Der Bordcomputer hätte die Mondmission fast zum Scheitern gebracht

Der Apollo-Bordcomputer.
Der Apollo-Bordcomputer. (Bild: NASA)

Beim Abstieg zum Mond erwies sich der Bordcomputer der Mondlandefähre Eagle als äußerst launisch. Immer wieder gab er eine Warnung, einen sogenannten Programmalarm, in Form der Zahl 1202 aus. Weder Armstrong noch sein Kollege Aldrin wussten etwas mit dieser Meldung anzufangen. Die Crew befürchtete, den Anflug abbrechen zu müssen, und erkundigte sich beim Kontrollzentrum in Houston.

Ihr Glück war es, dass Mission Control genau dieses Computerproblem bei der letzten Simulation der Mondlandung vor dem Start von Apollo 11 durchexerziert hatte – allerdings mit der Backup-Crew, denn Armstrong, Aldrin und Collins befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits bei den Startvorbereitungen in Cape Canaveral (damals Cape Kennedy).

Der Simulations-Supervisor (SimSup) hatte den Experten im Kontrollzentrum zum Abschluss eine vermeintlich einfache Aufgabe serviert. Doch die Controller in Houston bissen sich an den simulierten Programmalarmen die Zähne aus. Erst bei der Abschlussbesprechung zeigte sich, dass der Code 1202 zwar eine Überlastung des Computers signalisierte. Gleichzeitig bedeutete er aber, dass die zentralen Aufgaben wie die Navigation korrekt weiter ausgeführt wurden. Der Rechner verweigerte lediglich weitere Eingaben.

Da der zuständige Controller Steve Bales nach dem Debakel bei der Simulation eine vollständige Liste der Fehlermeldungen und ihrer Bedeutung für die Mission erstellt hatte, war das Problem schnell gelöst – und der Anflug auf die Mondoberfläche konnte weitergehen.

6. Die Crew von Apollo 13 diente als Backup für Apollo 11

Für jeden Weltraummission wurden eine Prime-Crew und eine Backup-Crew benannt. Die Prime-Crew war die Mannschaft, die die Mission flog und dafür übte. Die Backup-Crew hatte die Aufgabe einzuspringen, falls der ersten Mannschaft etwas zustieß. Deshalb trainierte die Backup-Mannschaft für denselben Auftrag wie die erste Crew.

Dem eigenwilligen Rotationsprinzip, das Chefastronaut Donald Slayton entwickelt hatte, war es zu verdanken, dass sich eine Backup-Mannschaft zwei oder drei Missionen später als Haupt-Crew qualifizieren konnte. Auf diese Weise blieb nicht zuletzt der Motivations-Level der Ersatzleute hoch. Und deshalb dienten mit Jim Lovell, Fred Haise und Ken Mattingly die Astronauten der Apollo-13-Mission als Ersatzleute für die ersten Mondfahrer (Mattingly wurde 1970 wenige Tage vor dem Start von Apollo 13 durch Jack Swigert ersetzt, da man bei ihm befürchtete, er könnte sich an den Röteln angesteckt haben).

7. Stolperfallen auf dem Mond

Die Apollo-Außenkamera steht immer noch auf der Mondoberfläche.
Die Apollo-Außenkamera steht immer noch auf der Mondoberfläche. (Bild: NASA)

Als Neil Armstrong die Mondlandefähre verließ, nahm ihn die Fernsehkamera auf, die direkt an der Fähre platziert war und mit einer Art Seilzug aktiviert wurde. Dieser Platz war aber ungünstig, um die Aktivitäten der beiden Astronauten Armstrong und Aldrin auf der Mondoberfläche zu beobachten. Deswegen wurde die Kamera ein paar Meter weiter transportiert, von wo sie die beiden Raumfahrer und die Landefähre im Blick behalten konnte.

Das Kabel, das die Kamera mit der Landefähre verband, blieb aber nicht flach auf dem Mondboden liegen, sondern wellte sich aufgrund der geringeren Schwerkraft des Mondes immer wieder auf. Buzz Aldrin musste seinen Kommandanten Armstrong daher immer wieder ermahnen, auf seine Füße zu achten, denn das Kabel hätte sich als üble Stolperfalle erweisen können.

8. Die US-Flagge zeigte sich sehr widerspenstig

Da die Apollo-11-Astronauten die Querstrebe der US-Fahne nicht ganz ausziehen konnten, bekam die Flagge ein gestauchtes, zerknautschtes Aussehen. Dadurch sah es so aus, als würde die Fahne in einem nicht vorhandenen Wind wehen. Ein falscher Eindruck, den sich Mondlandungsskeptiker zunutze machten.
Da die Apollo-11-Astronauten die Querstrebe der US-Fahne nicht ganz ausziehen konnten, bekam die Flagge ein gestauchtes, zerknautschtes Aussehen. Dadurch sah es so aus, als würde die Fahne in einem nicht vorhandenen Wind wehen. Ein falscher Eindruck, den sich Mondlandungsskeptiker zunutze machten. (Bild: NASA)

Der patriotische Moment, in dem die Apollo-11-Astronauten die US-Flagge hissten, wäre beinahe in die Peinlichkeit abgedriftet. Die Flagge, die erst am Morgen des Starts in die Mondlandefähre gebracht worden war, verfügte über einen ausziehbaren Teleskoparm, an dem das Flaggentuch aufgehängt war. Auf dem Mond hatten Armstrong und Aldrin jedoch größte Schwierigkeiten damit, den Teleskoparm auszuziehen – die Handschuhe ihrer Weltraumanzüge erschwerten jede Feinmotorik. Daher macht die zerknautschte Fahne auf Fotos den Eindruck, als würde sie in einem nicht existierenden Windhauch flattern – was bis heute Mondlandungs-Skeptiker auf den Plan ruft. Zudem fiel es den Mondfahrern schwer, den Flaggenmast in den Untergrund des Erdtrabanten zu rammen.

9. Die Apollo-Astronauten brachten Andenken an ihre toten Kollegen zum Mond

An der Landestelle auf dem Mond wollten die Apollo-Astronauten Armstrong und Aldrin Gedenkplaketten für ihre verstorbenen Kollegen niederlegen. Darunter befanden sich auch zwei Plaketten für die sowjetischen Kosmonauten, die bei Weltraummissionen und am Boden ums Leben gekommen waren.

Da die beiden Raumfahrer während ihres Mondspazierganges alle Hände voll zu tun hatten, um das wissenschaftliche Programm abzuwickeln, hätten sie beinahe diese kleine Gedenkzeremonie vergessen. Buzz Aldrin stieg bereits wieder in die Mondlandefähre ein, als sich Armstrong an die Gegenstände erinnerte. Er rief Aldrin zurück. Aldrin warf Armstrong den Beutel mit den Plaketten zu, der sie dann auf dem Boden platzierte.

10. Armstrong hätte in Schottland gehängt werden können

Das Tartanmuster des Armstrong-Clans.
Das Tartanmuster des Armstrong-Clans. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Neil Armstrong hatte schottische Vorfahren. Bei seiner Reise zum Mond hatte er angeblich sogar ein Stück Stoff mit dem Tartanmuster des Armstrong-Clans dabei.

Nach der geglückten Mondlandung bereisten er und seine Apollo-Kollegen die Welt als PR-Botschafter für die USA. Bei einer dieser Reisen besuchte er auch den Ort Langholm in Schottland, den Stammsitz des Armstrong-Clans. Der Mondfahrer wurde dort sehr freundlich aufgenommen.

Beim Empfang in dem Städtchen las allerdings der Friedensrichter des Ortes aus einem über 400 Jahre alten Gesetz vor, wonach jedes Mitglied des Armstrong-Clans, das in Langholm aufgegriffen würde, unverzüglich zu hängen sei. Das Gesetz richtete sich gegen die damals als Unruhestifter bekannten Armstrongs und war nie aufgehoben worden. Glücklicherweise hielt sich an diesem Tag niemand an die Vorschrift.

11. Die genaue Landestelle von Apollo 11 war jahrzehntelang unbekannt

Der Lunar Reconaissance Orbiter hat die Landestelle von Apollo 11 fotografiert. Klar zu sehen sind die Unterstufe des Landemoduls (LM), das Passive Seismic Experiment Package (PSEP) sowie der Laser Ranging Retro Reflector (LRRR).
Der Lunar Reconaissance Orbiter hat die Landestelle von Apollo 11 fotografiert. Klar zu sehen sind die Unterstufe des Landemoduls (LM), das Passive Seismic Experiment Package (PSEP) sowie der Laser Ranging Retro Reflector (LRRR). (Bild: NASA/GSFC/Arizona State University)

Bei Apollo 11 ging es in erster Linie darum, zu beweisen, dass es technisch möglich war, Menschen auf dem Mond zu landen und sie sicher wieder zur Erde zurückzubringen. Es war eine politische Mission, die das Versprechen von Präsident Kennedy erfüllen sollte, die USA werde innerhalb von zehn Jahren dazu in der Lage sein. Daher spielte die Geologie bei der Auswahl der Landestelle keine Rolle. Man suchte im Wesentlichen nach einer ebenen Stelle in der Nähe des Mondäquators, die bei der Landung und beim Rückflug möglichst wenige Komplikationen machen sollte.

Ironischerweise war jahrzehntelang nicht genau bekannt, wo genau die Mondlandefähre Eagle aufgesetzt hatte. Denn beim Landeanflug hatte Armstrong entdeckt, dass die Automatik die Fähre auf einen mit Geröll gefüllten Krater zusteuerte. Deshalb übernahm er die manuelle Steuerung und suchte selbst nach einer geeigneten Stelle.

Erst die Mondsonde Lunar Reconaissance Orbiter schaffte hier Klarheit und löste dieses Rätsel mit seinen hochauflösenden Fotos.

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Herr Marquardt ist dafuer bekannt, Formeln mit Luegen zu verbinden um seine Wahnideen unter die...  lesen
posted am 12.10.2017 um 17:36 von Unregistriert

Ja, und die Asche von Neil Armstrong wurde in den Hollywood-Kulissen verstreut, in denen die...  lesen
posted am 02.04.2014 um 10:19 von Olaf Barheine

Sehr geehrter Herr Marquardt, eine Sache lässt sich leicht widerlegen: Bei dem Satelliten...  lesen
posted am 02.04.2014 um 09:37 von SLiebing

Mathematisch-physikalische Widerlegung von Apollo 11 und N auf sieben Ebenen 1. Nach...  lesen
posted am 01.04.2014 um 17:06 von Unregistriert


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