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Elektronischer Abstandshalter aus Deutschland soll US-Sport vor Corona retten

| Autor / Redakteur: Christof Rührmair, dpa / Sebastian Gerstl

Der wichtigste bayerische Export für die Basketball-Profiliga NBA war lange Dirk Nowitzki - derzeit dürfte es ein kleines, weißes Gerät eines Münchner Unternehmens sein. „Safe Zone“ soll dafür sorgen, dass die amerikanischen Sportmeisterschaften sicher zu Ende gehen können.

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Ein Mann hat einen elektronischen Abstandshalter der Firma Kinexon am Arm hängen. Dass etwa 15 Gramm schwere Gerät soll den Profiligen für Basketball und Football, NBA und NFL helfen, trotz Corona-Pandemie zu spielen. Safe Zone heißt die Technologie des Münchner Unternehmens. Die Geräte prüfen, wie nah zwei Sender einander kommen.
Ein Mann hat einen elektronischen Abstandshalter der Firma Kinexon am Arm hängen. Dass etwa 15 Gramm schwere Gerät soll den Profiligen für Basketball und Football, NBA und NFL helfen, trotz Corona-Pandemie zu spielen. Safe Zone heißt die Technologie des Münchner Unternehmens. Die Geräte prüfen, wie nah zwei Sender einander kommen.
(Bild: Kinexon)

Bayerns derzeit vielleicht wichtigster Beitrag zum nordamerikanischen Profisport wirft weder Körbe noch trägt er einen Football durch gegnerische Verteidigerlinien. Es ist ein unscheinbares, rechteckiges, weißes Gerät, einige Zentimeter groß und 15 Gramm schwer. Es soll den Profiligen für Basketball und Football, NBA und NFL helfen, trotz Corona-Pandemie zu spielen. Safe Zone heißt die Technologie des Münchner Unternehmens Kinexon, und ihr geht es vor allem um Abstand.

Corona-Tracking auf dem und abseits vom Spielfeld

Im Prinzip funktionieren die Geräte ähnlich wie die bekannte deutsche Corona-Warn-App. Sie prüfen, wie nah zwei Sender einander kommen. Daraus ergeben sich zwei Anwendungsmöglichkeiten: Im einfachen Fall blinkt das Gerät, wenn ein eingestellter Mindestabstand unterschritten wird und gibt einen Warnton ab. Zudem kann gespeichert werden, wie lange sich zwei Chips nahe gekommen sind, damit im Falle einer Infektion nachvollzogen werden kann, wer sich möglicherweise angesteckt hat, weil er lange genug nah am Infizierten war.

Weil nur der Abstand, nicht aber der Ort gemessen wird und die Daten pseudonymisiert erhoben werden, sei der Datenschutz gewährleistet, versichert Mitgründer Oliver Trinchera. Niemand müsse wissen, wer die infizierte Person sei.

Doch anders als die Corona-Warn-App, die das an Technik nutzen muss, was Smartphones an Bord haben, kann das speziell dafür designte Gerät laut Trinchera den Abstand sehr genau erheben. „Wir nutzen die Signallaufzeit zwischen zwei Geräten“, erklärt er. Da die Signale sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiteten, könne man daraus die Entfernung ermitteln. Das sei viel genauer als eine auf der Stärke des Bluetooth-Signals basierende Messung und werde auch nicht beeinflusst, wenn beispielsweise jemand zwischen den beiden Geräten stehe. So lasse sich „mit chirurgischer Präzision“ bestimmen, wer betroffen sein könnte.

Im Basektball bereits im Einsatz

Die NBA nutzt die Technologie für ihr Saisonabschlussturnier, für das sich alle Mannschaften auf dem Gelände von Disney World in Orlando zusammengefunden haben und von der Außenwelt weitgehend isoliert werden. Die NFL nutzt die Technologie derzeit in der Vorbereitungsphase auf die Saison. Auch in Deutschland kam die Technologie bereits zum Einsatz: Beim Finalturnier der Basketball Bundesliga in München.

Dass Kinexon bei so vielen Sportereignissen zum Zug kommt, liegt auch daran, dass das Unternehmen schon länger im Sportbereich tätig ist. Mit Geräten des Unternehmens lassen sich auch Leistungsdaten von Profisportlern erheben. Das Produkt Safe Zone ist letztlich nur eine Ableitung dieser Technologie. 70 Prozent der NBA-Vereine nutzten die Technik zur Messung der Leistungsdaten, sagt Trinchera. Und dass in Deutschland mit dem Finalturnier der Basketball Bundesliga ein ähnliches Konzept wie jetzt in den USA bereits eingesetzt worden sei, habe sicher auch geholfen.

Der Sport ist nicht der einzige Kunde für Safe Zone. Auch in der Industrie wird die Technologie eingesetzt, um beispielsweise in der Fertigung Abstände zwischen Mitarbeitern zu überwachen und im Falle einer Infektion zielgenau gegen sie vorgehen zu können. Zu den Kunden gehört unter anderem Henkel. Der Konzern setzt die Technik derzeit in einem Werk in Polen ein. „Die Technologie ist vielversprechend und wir prüfen, ob wir die Nutzung weiter ausrollen“, sagt eine Sprecherin.

Kinexon selbst designt seine Produkte nur, gefertigt werden sie allerdings ebenfalls in Bayern, wie Trinchera sagt. Derzeit hat das Unternehmen rund 200 Mitarbeiter an drei Standorten: München, New York und Chicago.

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