Suchen

Elektronische Komponenten 50 Jahre sicher lagern

| Autor / Redakteur: Holger Krumme* / Dr. Anna-Lena Gutberlet

Das TAB-Verfahren stellt durch drastische Minimierung von Alterungsprozessen die Verarbeitbarkeit, Funktionalität und damit die Verfügbarkeit elektronischer Bauteile und Baugruppen bis zu 50 Jahre sicher.

Firmen zum Thema

TAB-Verfahren, Klimakammer, Hochsicherheitsgebäude: Je nach Ausgangszustand können elektronische Bauteile und Baugruppen zurzeit bis zu 50 Jahre eingelagert werden.
TAB-Verfahren, Klimakammer, Hochsicherheitsgebäude: Je nach Ausgangszustand können elektronische Bauteile und Baugruppen zurzeit bis zu 50 Jahre eingelagert werden.
(Bild: HTV)

Stetige Weiterentwicklung und neue Features sorgen dafür, dass seitens der Hersteller immer mehr elektronische Bauteile binnen kürzester Zeit obsolet und somit abgekündigt werden. Bedingt durch die hohe Anzahl der Firmenzusammenschlüsse großer Halbleiterhersteller in den vergangenen Jahren werden zudem immer mehr Produktlinien zusammengeführt, was die Zahl der Abkündigungen noch weiter steigen lässt.

Besonders Einkäufer und Entwickler kennen das Problem: Bereits während der Entwicklungsphase oder schon kurz nach der Markteinführung eines Produktes sind bereits einzelne Komponenten einer elektronischen Baugruppe abgekündigt und es müssen Entscheidungen hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise getroffen werden, um künftig die Versorgung mit Ersatzbauteilen sicherstellen zu können.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 5 Bildern

Soll ein Redesign durchgeführt werden? Oder soll ein LTB (Last-Time-Buy) die Verfügbarkeit der benötigten Teile bis zum Serienende oder zumindest bis zum nächsten Produktupdate sicherstellen, um dann direkt mehrere obsolete Teile ersetzen zu können?

Viele Unternehmen haben auf die Problematik reagiert und eine zuständige Stelle zur Koordination von Obsoleszenz-Thematiken eingerichtet. Sinnvollerweise ist diese Abteilung direkt der Geschäftsleitung unterstellt, da eine wirksame und sinnvolle Lösung nur durch eine übergeordnete abteilungsübergreifende Instanz erreicht werden kann.

Zur Vorbeugung und auch zur Bearbeitung von Obsoleszenzfällen ist zunächst eng mit der Entwicklungsabteilung, dem Qualitätsmanagement und dem Einkauf zusammenzuarbeiten. Hier gilt es die Bauteile möglichst so vorzugeben, dass eine Second-Source verfügbar und eine Abkündigung unwahrscheinlich ist. Unter Zuhilfenahme geeigneter Tools ist eine voraussichtliche Verfügbarkeit abschätzbar. Allerdings gilt zu beachten, dass die Praxis, trotz detaillierter Vorhersagetools zur Bewertung der Verfügbarkeit, oft anders aussieht.

Daher sollten wichtige Ersatzkomponenten, insbesondere für langlebige Produkte und Investitionsgüter mit langer Nutzungsdauer, eingelagert werden, um jegliche Gefahr einer mangelnden Ersatzteilverfügbarkeit auszuschließen.

Doch selbst der Weg der Einlagerung benötigter Teile birgt nicht zu unterschätzende Risiken, da nur ein qualifiziertes, speziell auf die Komponente zugeschnittenes Lagerungskonzept die Funktionalität und Verarbeitbarkeit nach einer Lagerungszeit von mehreren Jahren sicherstellt.

Die vielfach verbreitete Meinung, eine Lagerung in Stickstoff-Drypacks oder Korrosionsschutz-Folien stoppe die Alterungsprozesse ist falsch. In z.B. N2-Dry-Packs wird durch den Stickstoff ausschließlich die Oxidation reduziert, jedoch findet man in den Stickstoff-Drypacks bei einem Standard­verpackungs­prozess einen Sauerstoffanteil im Prozentbereich. Dementsprechend ist sogar die Wirkung der verminderten Oxidation fraglich. Die relevanten Alterungsprozesse, wie z.B. Diffusion oder auch Korrosionsprozesse durch ausgasende Schadstoffe, werden hierbei in keiner Weise reduziert.

(ID:44915904)