Elektronikjahr 2018: Erfolgreich trotz Bauteileverknappung und EU-Regularien

| Autor: Margit Kuther

Erfolgreiches 2018: Die Distributoren führen die positive Entwicklung von 2017 fort.
Erfolgreiches 2018: Die Distributoren führen die positive Entwicklung von 2017 fort. (Bild: Pixabay)

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Wie wird das Jahr 2018 für die Elektronikbranche? Die ELEKTRONIKPRAXIS befragte Distributoren zu Trends, Lieferengpässen, EU-DSGVO – und zur digitalen Währung Bitcoin.

Welche Zukunftstechnologien und Trends bestimmen das Jahr 2018 – und welche Bauteile könnten knapp werden? Keiner weiß dies besser als die Distributoren, die Mittler zwischen Bauteile- und Produkthersteller mit dem weitesten Blick über die Lieferkette.

Die Elektronikpraxis befragte die Distributoren sowie den Fachverband der Bauelemente Distribution (FBDi) zu den Herausforderungen wie Lieferengpässe und EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO), zu Trends sowie zur digitale Kryptowährung Bitcoin.

Geantwortet haben Arrow, Bürklin, Codico, Conrad, Distrelec, Endrich, HY-LINE Computer Components , RS Components, Rutronik, SE Spezial-Electronic und wts // electronic components. Im Wochenverlauf wollen wir die einzelnen Befragten im Detail zu Wort kommen lassen. Nachfolgend lesen Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen, aus denen sich eine Einschätzung des Elektronikmarktes im kommenden Jahr ableiten lässt.

Rekordumsätze mit Verknappungen bei einzelnen Komponenten

Alle Distributoren, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, rechnen damit, dass sich das äußerst erfolgreiche Jahr 2017 fortsetzen wird. So erwirtschaftete Codico erstmals in der 40-jährigen Firmengeschichte einen Umsatz von über 150 Mio. €.

Doch die anhaltend hohe Komponentennachfrage wirkt sich noch stärker auf die Lieferkette aus, etwa in der Bewältigung des erhöhten Bestellvolumens. Gleichzeitig sieht etwa Distrelec in einigen Fällen wieder Verknappungen, wie sie zuletzt 2009 nach der Finanzmarktkrise auftraten. Eine weitere, nicht ganz neue Herausforderung liegt in den stetig sinkenden Margen der Distributoren bei gleichzeitig zunehmenden Beratungsleistungen. Dies, so Rutronik, liege nicht nur in den immer erklärungsbedürftigeren Produkten, sondern auch an den gestiegenen Dokumentationsanforderungen.

Die Technologien werden immer komplexer

Die zunehmende Komplexität der Themen sehen viele Distributoren als Chance, um sich vom Mitbewerb abzuheben: es gilt, potenzielle Zukunftsmärkte zu erschließen, noch ehe diese als Zukunftstrends in aller Munde sind. „Sich in immer vielschichtigeren Technologielandschaften zusätzlich zum Produkt- und Service-Angebot als Guide einbringen“, ist Arrows Ansatz. Und Conrad will „Transparenz und ein einfaches, sicheres Einkaufserlebnis schaffen, das Kunden mehr Wirtschaftlichkeit und Zeit für das Business bringt.“

Distributoren müssen immer mehr Wert für weniger Geld liefern

Der Distributor wird zunehmend zum Service-Provider. Auch deshalb, weil die Kunden immer komplexere Produkte in immer kürzerer Zeit auf den Markt bringen müssen. Viele wollen nicht mehr jedes Detail selber entwickeln, weiß man bei Hy-Line Computer. Die Kunden suchen ganzheitliche Lösungen, kaufen Spezial-Knowhow zu und vergeben Entwicklungen nach außen. Gleichzeitig wollen die Kunden in puncto Wissen up to date bleiben. Die Distributoren unterstützen sie mit zielorientieren Informationen, brandaktuellen News oder auch mit speziellen Entwicklerforen wie Designspark von RS Components.

Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender des Fachverbands der Bauelemente Distribution (FBDi), sieht die Distribution „immer unter Druck, mehr Wert zu liefern für weniger Geld. Viele Dienstleistungen werden als selbstverständlich hingenommen, obwohl sie sonst niemand bringen kann.“ Steinberger nimmt auch die Hersteller in die Pflicht: „Es wäre an der Zeit, dass die Hersteller die Distributoren nicht als ihre verlängerte Werkbank ansehen, sondern sie als ihre größten Kunden anerkennen.“

Bei diesen Komponenten drohen Verknappungen

Bereits 2017 gab es längere Lieferzeiten, etwa bei Kondensatoren und Widerständen, so Bürklin und wts. Es gelte, fortlaufend den Bestand entsprechend zu managen, sprich: Ware auf Lager zu halten, so dass die Anfragen der Kunden gedeckt werden können. Es sei wichtig, so Endrich, mit Kunden und Herstellern an kurz- und mittelfristigen Lösungen im Hinblick auf Produktion und Transportlogistik zu arbeiten.

Weitere, von Verknappung bedrohte Bauteile, sind diskrete Power-Komponenten, Steckverbinder, Speicher, Lithium-Ionen-Zellen, vor allem bei den Rundzellen im Format 18650. Georg Steinberger: „Die Nachfrage ist in allen Marktsegmenten sehr hoch. Der Konzentrationsprozess bei den Herstellern führt zur Bereinigung von großen Produktpaletten, was letzten Endes schlecht für die Distribution aber auch für die Wahlmöglichkeit der Kunden sein wird.“

EU-Datenschutzverordnung, wichtig für Distributoren

Die Regelungen der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO), die ab 25. Mai 2018 in Kraft tritt, gehen deutlich über die bisherigen Anforderungen an den Datenschutz hinaus. Unternehmen müssen sich auf erheblichen Mehraufwand für die Umsetzung der Vorgaben einstellen. Zudem werden die möglichen Sanktionen erheblich ausgeweitet. Details dazu erläutert Frau Dr. Bettina Enderle von der Kanzlei für Umwelt- und Planungsrecht im Auftrag des Fachverbands Bauelemente Distribution (FBDi) im Beitrag . Für Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie sind insbesondere die Neuregelungen zur Produktentwicklung und der Sicherheit der Datenverarbeitung von Bedeutung, siehe Kasten: „EU-Datenschutzverordnung DSGVO“.

Neue Technologien und Bitcoin

Digitalisierung und Big Data sind auf dem Vormarsch. Viele Iot-Projekte gehen in die konkrete Umsetzung. Markttreiber sind u.a. Künstliche Intelligenz, die Automobilindustrie mit der zunehmenden Elektrifizierung und daraus resultierend einer großen Nachfrage nach Leistungshalbleitern, Sensoren, Komponenten zum zukünftigen 48-V-Bordnetz sowie LEDs. Weitere Trends sind M2M-Kommunikation, E-Mobility und Smart- Infrastucture.

Digitale Währungen sind aktuell zu unberechenbar für das reale Wirtschaftsgeschehen. Für Arrow, Codico, Endrich und Rutronik sind diese ein sehr kontrovers diskutiertes Thema, „das sie beobachten, aber in nächster Zukunft nicht unterstützen werden.“ Georg Steinberger dazu: „Interessanter Aspekt ist der dahinter stehende sichere Datenverkehr, eventuell unter Umgehung der Banken, und die Einbindung der Mitarbeiter bei der Digitalisierung und der damit einhergehenden Geschwindigkeit. Dennoch befürchte ich, dass es sich bei der digitalen Bitcoin-Währung auf absehbare Zeit um Spekulation handelt, die im Umgang mit Kunden letztlich keine Rolle spielt.“

Distrelec fasst die Stimmung etlicher Distributoren zusammen: „Wir sind gespannt, welche neuen Zahlungsformen sich langfristig durchsetzen. Wir sind für Neuerungen immer offen.“

Dies ist ein Einblick in die Trends und Herausforderungen, mit denen die Elektronikbranche im Jahr 2018 rechnen könnte. Erfahren Sie im weiteren Verlauf der Woche, was der FBDi und Vertreter der Distributoren hinsichtlich Bauteileverknappung, EU-DSGVO, Marktentwicklungen und neue Technologien im Detail gegenüber ELEKTRONIKPRAXIS preis gaben

Sie interessieren sich dafür, welchen Ausblick die Distributoren Anfang 2017 für das Jahr 2017 gaben? Dann lesen Sie den Beitrag: Vielversprechendes Jahr 2017 trotz Brexit und Trump.

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