Bei den Laborarbeitstischen steht die Software bereits im Mittelpunkt

| Redakteur: Hendrik Härter

Andreas Fischer eröffnet mit einer Rede offiziell das Kundencenter und die neue Produktion nach Industrie 4.0.
Andreas Fischer eröffnet mit einer Rede offiziell das Kundencenter und die neue Produktion nach Industrie 4.0. (Bilder: erfi)

Waren es zu Beginn in den 1950er Jahren noch reine Werkbänke, so spielt in der vernetzten Industrie auch für einen Möbelbauer die Software eine immer wichtigere Rolle.

Seit der Gründung von erfi im Jahr 1955 dreht sich alles um Arbeitsplatzsysteme. Es begann mit Werkbanksystemen und Werkstatteinrichtungen. Heute baut erfi moderne und industriell-vernetzte Elektroniklaborarbeitsplätze nach Industrie 4.0. In der neu entstandenen Produktionsanlage mit Kundencenter werden Möbel- und Elektroniksysteme nach Industrie-4.0-Standards hergestellt. Ein Produkt-Highlight bei erfi ist elneos five: es reagiert auf Berührung, da es mit der Protective-Capacitive-Touch-Technik arbeitet. Damit hat der Hersteller erstmalig eine durchgehende Gerätefront aus Glas ermöglicht, die als ein ganzflächiger Sensor funktioniert.

Wir sprachen mit Andreas Fischer, Inhaber und Geschäftsführender Gesellschafter von erfi unter anderem über Geschäftsmodelle, Nachwuchs und Fachkräftemangel sowie darüber, wie Hard- und Software das Geschäft eines Möbelbauers bestimmen.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel-/langfristig in der Branche der Labormöbel-Anbieter positioniert?

Wir als erfi sind Marktgründer für Möbelsysteme und Laborgeräte und waren schon jeher das Unternehmen, welches die jeweils technisch bestmögliche Lösung gefunden haben. Der Fokus unserer Anstrengungen lag bei der Entwicklung unserer vielfältigen Möbelsysteme und Laborgeräte, die heute den Benchmark für die gesamte Branche darstellen. Es sind vor allem die zahlreichen Patente und Schutzrechte und die damit einhergehenden Alleinstellungsmerkmale, die das dokumentieren. Damit sichern wir uns mittel- und langfristig gegenüber Plagiatsversuchen ab. Unsere neuen Möbel- und Gerätesysteme sind heute einzigartig und werden auch weiterhin den Markt führend prägen. Eine unserer unternehmerischen Stärken ist die Fähigkeit, dass wir uns auf die Kundenwünsche einlassen. Damit wir die Kundenbedürfnisse umsetzen können, setzen wir heute zum einen auf eine hochtechnisierte und vernetzte Produktion und gleichzeitig auf das entsprechend gewünschte hohe Maß an Individualisierung des Produktes. Mit der Digitalisierung und den verketteten Prozessen entsprechen unsere Produktionsanlagen den Prinzipien von Industrie 4.0. Kein Unternehmen in unserer Branche kann diese Fertigungstiefe bieten, gekoppelt mit dem technischen Know-how der zu fertigen Produkte. Als Anbieter für Arbeitsplätze und Labormöbel leben wir Produktinnovation, Technisierung und heute Digitalisierung sowie Kundenzentrierung seit über 60 Jahren, und das wird auch in Zukunft so bleiben.

erfi hat sich vom reinen Hersteller von Laborarbeitsplätzen zu einem Vollausrüster gewandelt. Dazu gehört auch, Messtechnik in der eigenen Fertigung zu bauen. Wie sehen Sie Ihr Geschäftsmodell mittel-/langfristig und welche neuen Geschäftsmodelle sehen Sie in Zukunft?

Unsere eigene Produktion ist ein wichtiger Baustein, damit wir unsere Marktposition halten. Dank unserer Fertigungskompetenz können wir ständig Neues auszuprobieren und schnell umsetzen. Das bietet für uns den Vorteil, dass wir den Takt am Markt vorgeben können und Entwicklungen als Trendsetter einführen.

Als wir in den 1960er und 1970er Jahren mit den ersten Laboreinrichtungen als Vollausrüster starteten, war das zur damaligen Zeit genauso ein Novum, wie unsere Produkte heute. Daher war erfi schon immer Vollausrüster. Heute sind die Anforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung wieder gestiegen und das haben wir ebenso rechtzeitig erkannt. Wir sind durch unsere Geschichte in die Position des Erfinders der Elektroniklaboreinrichtungen gewachsen und sehen uns in der Pflicht, unsere Verkaufserfolge in die stetige Weiterentwicklung neuer Produkte zu investieren und auszubauen.

Ein gutes Beispiel ist unser aktuelles Gerätesystem der Serie elneos five. Ich kann von diesem System behaupten, dass dieses neue System mit seiner Technik und Leistungsfähigkeit so stark ist, dass es alle Geräte mit Drehgeber oder selbst wenigen Tasten in den Schatten stellt. Neben dem durchgängig kapazitiven Display werden die Geräte zudem über zusätzliche kapazitive Sensorik bedient. Als Multifunktionsgerät lassen sich alle integrierten Teilgeräte wie Netzteile, Digitalmultimeter, Leistungsmesser, Generatoren und AC-Quellen einfach und durchgängig kapazitiv steuern. Ermöglicht wurde das durch die Leistung unseres hauseigenen Entwicklungsteams. Zum Schutz haben wir alle Neuerungen patentieren lassen. Damit schützen wir uns vor dem noch so kleinsten Versuch, dass unsere Entwicklungen nachgeahmt werden. Das agile und multifunktionale Gerätesystem ist seit der Markteinführung so erfolgreich, dass wir uns dazu entschlossen haben, das System auch als Standalone-Geräte auf dem Markt anzubieten.

Das Prinzip ist gut und die Modularität der Produkte sowie die Flexibilität in der Produktion stützt erneut unsere strategische Geschäftsidee. Wir werden unserem Prinzip mit der Nähe an Produktion und Entwicklung treu bleiben. Bis jetzt hat es sehr gut funktioniert.

Viele Unternehmen klagen über einen Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Wie begeistern Sie neue Mitarbeiter für Ihr Unternehmen und wie halten Sie gute Mitarbeiter?

Das ist richtig, die passenden Mitarbeiter zu finden ist nicht einfach und auch wir befinden uns selbstverständlich im Wettbewerb um die Besten aus der Branche. Durch unseren stetigen Geschäftserfolg wächst der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern bei uns. Es ist eine unserer zentralen Aufgaben in den nächsten Jahren, unser Team nachhaltig und sukzessive aufzubauen.

Es hat sich gezeigt, dass durch unsere Innovationskraft und unserem Erfindergeist zum einen sowie die hochmoderne Produktion und die neuen angenehmen Räumlichkeiten zum anderen, die Identifikation mit dem Unternehmen steigt. Zudem bieten wir attraktive Zusatz-Leistungen an. Dazu gehören beispielsweise eine aktive Altersvorsorge oder flexible Arbeitszeiten. Viele unserer Mitarbeiter sind stolz bei uns zu arbeiten. Für junge Menschen bieten wir ebenso sehr gute Möglichkeiten. Wer bei erfi seine Karriere mit einer Berufsausbildung oder innerhalb eines dualen Studienganges beginnt, legt den Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben. Die angenehme Arbeitsatmosphäre, die Offenheit der Mitarbeiter und der pragmatische Geist im gesamten Team erfreut uns jeden Tag.

Wie will erfi auch in Zukunft den Standort Deutschland sicherstellen?

Wir sind davon überzeugt, dass eine nachhaltige Wertschöpfung nur durch unsere eigene Leistung erbracht werden kann. Dazu gehört es, dass wir alles selbst im Haus entwickeln und auch die Produktion vor Ort ist. Der Zukauf von wesentlichen Fertigungsmodulen wie Geräten oder Möbelkomponenten geht einher mit dem Verlust des gewachsenen Know-hows bei der Entwicklung und des einzigartigen Fertigungswissens. Unser Konzept hat sich jedoch am Markt gegenüber allen Marktbegleitern bisher durchgesetzt und das ist ein wesentlicher Unterschied, den erfi von anderen Firmen am Markt unterscheidet.

Als Firma muss man bereit sein, andere Wege zu gehen und gewisse Risiken in Kauf zu nehmen. Doch auch hier zählt das Ergebnis: Es entstehen einzigartige Produkte und damit verbunden die hohe Marktstellung. Nur so können wir erreichen, dass mit Deutschland auch in Zukunft Qualität assoziiert wird. Vorausgesetzt, wir machen es richtig. Wir können hier immer noch durch eine intelligente Arbeitsweise und Mut zu neuen Entwicklungen eine sehr hohe Wertschöpfung erzielen.

Produktpiraterie ist ein leidiges Thema. Wie wehren Sie sich und wird das in Zukunft vielleicht ein noch größeres Problem?

Als Technologieführer sind wir immer angreifbar. Wenn unsere Mitbewerber uns einholen wollen, benötigen sie in der Regel fünf bis acht Jahre, um eine Idee im Ansatz zu kopieren. Wir pflegen ein stringentes und höchst strategisches Produktmanagement, welches den kurz- und langfristigen Schutz bis ins Detail beinhaltet. Die Schlüsseltechnologien werden insgesamt über Patente und weitere Schutzrechte abgesichert. Der Schutz hält 20 Jahre und das sichert uns einen gewissen Vorsprung. In der Zwischenzeit entwickeln wir ständig weiter und sorgen dafür, dass wir technologisch führend bleiben.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie im Umfeld der vernetzen Arbeitsplätze?

Die Software und die Intelligenz der eingebauten Geräte spielt eine wesentliche, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle. Neue softwarebasierte Oberflächen und die unterschiedlichen Endgeräte erfordern eine starke und breit aufgestellte Softwareentwicklungsabteilung. Vieles wird künftig mit Software umgesetzt werden und die Schnittstellen müssen aufeinander ausgerichtet werden.

Hardware ist für einen Laborarbeitsplatz zwingend notwendig. Doch auch Software spielt eine immer wichtigere Rolle. Wie begegnen Sie diesem Trend?

Es ist richtig, dass Software und Hardware aufeinander abgestimmt sein müssen. Nehmen wir unsere neue Produktion nach Industrie 4.0 als ein sehr gutes Beispiel. Das Abstimmen zwischen Hard- und Software in komplexen Umgebungen, egal ob in der Produktion, der Entwicklung oder schließlich der Montage, ist eine sehr komplexe Aufgabe. Wir bei erfi haben uns diese Aufgabe schon seit vielen Jahren gestellt. Bereits im Jahr 1980 entwickelte erfi als erster Hersteller eine Windows-basierte Testsystemsoftware. Heute entwickeln wir APPs für unsere Kunden und unsere Steuerungs- und Webserver-Software bringen wir regelmäßig auf den aktuellsten Stand. Auf die Anforderungen unserer Kunden, ihre Systeme und Anlagen in der Art von Industrie 4.0 zu vernetzen, können wir daher sehr gut antworten. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass die meisten Entwicklungen aus unserem Hause sehr individuell sind und es sogar sein müssen. Denn jede Produktion und jedes Unternehmen hat seine ganz spezifischen Eigenheiten und hier treffen wir neben der technischen Umsetzung auch auf die Anforderungen der verschiedenen Abteilungen und Nutzer innerhalb eines jeden Unternehmens. Es sind besonders die intelligenten und intuitiven HMI-Schnittstellen, die zukünftig über den Wettbewerb entscheiden werden.

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie wird ein Laborarbeitsplatz in den nächsten fünf bis zehn Jahren aussehen?

Wir werden künftig die Vernetzung und die intuitive Bedienbarkeit aller Systemkomponenten weiter vorantreiben. Systeme werden schneller, intelligenter und breitbandiger aufgestellt sein. Die Fernsteuerung und der schnelle Zugriff auf sämtliche Hardware steht zunehmend im Focus unserer Entwicklung. Hardware und die verschiedenen Komponenten der Labormöbelsysteme werden durch intelligente Helfer ergänzt und auch smarter!

Neue Materialien und 3D-Druck – wie wichtig ist das für erfi?

Das Erstellen von Prototypen wird heute völlig anders gelebt, als es noch vor 20 Jahren der Fall war. Die aktuelle Entwicklungsarbeit basiert nicht mehr nur darauf, schöne Modelle zu erstellen oder technische Funktionsprototypen. Für ausgewogene und durchdachte Produkte stehen uns heute ganz unterschiedliche verfügbare Techniken zur Verfügung, mit denen unsere Entwickler realitätsnah simulieren können. Die Symbiose von unterschiedlichen Materialien und digitalen Anwendungen ist das Spannende an der zeitgenössischen Entwicklung. Der 3D-Druck ist hier nur ein Beispiel, wie wir unsere neuen Modelle und Bauteile entwickeln. Trends, die in der Automobilbranche vor Jahren Einzug fanden, sehen wir heute auch in anderen Industrien. Wir nutzen die digitale Simulation in Kombination mit 3D-Drucktechniken und dem iterativen Funktions- und Designmodell seit längerem bereits sehr erfolgreich. Denn so können wir die Machbarkeit am besten abschätzen und die Funktionen für den Kunden erfahrbar machen.

Datensicherheit gilt als ein Treiber des technischen Fortschritts. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Ein wichtiges Thema und unser Engagement geht hier über das normale Maß standardisierter Schutzverordnungen hinaus. Aufgrund der hohen Entwicklungs- und Fertigungstiefe müssen wir kontinuierlich in moderne EDV-Systeme investieren und die Daten unserer Kunden mithilfe von intelligenten Datenbanksystemen sichern. Die Messgeräte selbst verfügen über moderne Speichersysteme, sodass dort einmal erzeugte Daten gehalten werden. Alles was wir über Cloud-Anbindungen zusätzlich lösen können, wird uns in naher Zukunft beschäftigen.

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