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Elektromobilität: Warum sich ländliche Regionen besser eignen

Autor: Andreas Grimm

Schon heute leben weit über die Hälfte der Elektroautofahrer in Deutschland außerhalb großer Städte. Nun fördert der Bund den Ausbau privater Ladepunkte – und könnte jenen Trend damit noch verstärken.

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Angebot und Nachfrage bei Elektroautos steigen. Nun kommt es auf eine ausreichende Zahl an Ladepunkten an.
Angebot und Nachfrage bei Elektroautos steigen. Nun kommt es auf eine ausreichende Zahl an Ladepunkten an.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Elektromobilität ist die Ladeinfrastruktur. Aktuell stehen vor allem die öffentlichen Ladepunkte und deren Ausbau in der Diskussion. Doch eine Untersuchung der KfW kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der E-Auto-Ladevorgänge zuhause stattfindet.

Erst jüngst hatte VDA-Präsidentin Hildegard Müller dagegen den Aufbau von wöchentlich 2.000 Ladepunkten dringend gefordert. Und auch VW hält angesichts der Absatzzuwächse das öffentliche Ladenetz für „ausgereizt“.

Trotzdem: Folgt man den KfW-Daten zur Ladegewohnheit, stehen die Chancen gut, den weiter steigenden E-Auto-Bestand auch tatsächlich geladen zu bekommen. Dazu kommt, dass mehr als 40 Prozent der Haushalte einen Stellplatz haben, der sich grundsätzlich als Ladestelle nutzen ließe. „Die Voraussetzungen für die Errichtung von privater Ladeinfrastruktur sind sehr gut“, bilanziert die KfW.

Das gelte besonders für ländliche Regionen, wo dem Auto grundsätzlich im Vergleich zu den Städten eine größere Bedeutung zukommt. Dort haben zwei Drittel der Haushalte einen geeigneten Stellplatz zum Aufbau einer Wallbox. In Großstädten sind es dagegen nur rund 25 Prozent. Außerdem hatten frühere Studien gezeigt, dass weit über die Hälfte der E-Auto-Fahrer außerhalb größerer Städte, sondern im Umland oder noch weiter entfernt lebt.

Angesichts der gar nicht so düsteren Versorgungslage nimmt die Elektromobilität in Deutschland aus Sicht der Managementberatung Horváth & Partners mehr und mehr Fahrt auf. Bis Ende dieses Jahres dürften den Experten zufolge über 370.000 Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Im nächsten Jahr werden weitere 200.000 Einheiten dazukommen, heißt es im „Faktencheck E-Mobilität“.

Elektroautos ersetzen fast ausschließlich Verbrenner

Treiber der Entwicklung sind laut Horvath & Partners einerseits wenig überraschend der Umweltbonus beim Kauf von E-Autos. Zudem sei durch die Corona-Pandemie das Auto für viele wieder das Transportmittel der Wahl geworden. Gleichzeitig sei das Umweltbewusstsein nicht verschwunden, weshalb zunehmend die Elektro-Variante gekauft werde.

Dazu passt laut dem KfW-Energiewendebarometer, dass die Mehrheit der Elektroautobesitzer, knapp 60 Prozent, Ökostromtarife bucht oder den Strom selbst, per Photovoltaik-Anlage produziert. Sprich der CO2-Fußabdruck dieser E-Autofahrer sinkt. Eine weitere naheliegende Erkenntnis der Untersuchung: Bislang ersetzen neue Elektroautos fast ausschließlich Verbrenner-Fahrzeuge.

Setzt sich die Absatzentwicklung der E-Modelle fort, dürfte das Ziel von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen Anfang 2023 erreicht werden, hat Horvath hochgerechnet. Gleichwohl ist es noch ein langer Weg, den Verbrenner signifikant durch Elektroautos zu ersetzen. Ende 2022 würde der Anteil der Stromer an der gesamten Pkw-Flotte trotz allen Wachstums nur zwei Prozent betragen. Bis 2030 werde der Anteil, wenn der Verkauf nicht explosionsartig steigt, nur bei 15 bis 20 Prozent liegen.

Auch Horvath & Partners sieht in der Ladeinfrastruktur weiterhin einen Schlüssel zum Durchbruch. Beim Ausbau habe es zuletzt aber deutliche Fortschritte gegeben. Die Zahl der öffentlichen und halb-öffentlichen Ladepunkte erreichte Ende 2019 bereits 24.000 gestiegen – ein Anstieg um 49 Prozent im Vergleich zu 2018. Bereits damals war die Zahl um knapp 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 geklettert. Auch im laufenden Jahr dürfte das Ladenetz um weitere 50 Prozent wachsen.

Kein Grund mehr für Reichweitenangst

Dass das Augenmerk auf die Landbewohner hilfreich sein kann, die E-Mobilität weiter zu fördern, macht auch ein weiterer Umstand klar: Die durchschnittliche Reichweite von E-Autos ist deutlich gestiegen, so dass die Reichweitenangst auch bei längeren Anfahrtswegen vom Land in die Stadt nicht mehr real begründbar ist. Laut dem Faktencheck E-Mobilität stieg die Reichweite von 267 Kilometern im Jahr 2018 auf etwa 325 Kilometern im Jahr 2019.

„Der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur kann somit ein Beitrag sein, die Nutzung von Elektromobilität in allen Regionen zu steigern und damit auf dem Weg zu einer klima-freundlichen Mobilität ein weiteres gutes Stück voranzukommen“, fasst die KfW zusammen. Die staatliche Förderung privater Wallboxen dürfte in dieser Hinsicht ein passendes Mittel sein, der E-Mobilität weiteren Schwung zu geben.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal KFZ-Betrieb.de.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«