Gastkommentar

Elektromobilität als Teil eines neuen Denkens über Mobilität

| Redakteur: Thomas Kuther

Dr. Michael Spreng ist Competence Center Manager bei NTT DATA Deutschland und verantwortet die Bereiche Telecommunications, Utilities, Services & Logistics sowie das Thema „i-Mobility“.
Dr. Michael Spreng ist Competence Center Manager bei NTT DATA Deutschland und verantwortet die Bereiche Telecommunications, Utilities, Services & Logistics sowie das Thema „i-Mobility“. (Bild: NTT DATA Deutschland)

„E-Mobility muss mehr sein als der Austausch einer Antriebsform gegen eine andere: Eingebettet in intelligente Systemlösungen ergeben sich neue Chancen für die Mobilität von heute.“

Versteht man Elektromobilität als reinen Austausch des bisherigen verbrennungsgetriebenen durch einen Elektromotor, hört man sehr schnell eine dieser beiden Meinungen: „Mit der heutigen Batteriekapazität kommt man nicht an den weit entfernten Urlaubsort.“ oder: „Ein Elektrofahrzeug zu fahren, macht Spaß – lautlos, aus dem Stand mit atemberaubender Beschleunigung auf Autobahntempo und dabei noch lokal emissionsfrei.“ Beides ist korrekt, aber ist es auch der richtige Zugang zur Elektromobilität?

Wir sind es gewohnt, ein Alleskönner-Auto zu besitzen, mit dem wir regelmäßig zur Arbeit aber auch in den Urlaub fahren können. Es muss möglichst groß sein, damit die ganze Familie und das Urlaubsgepäck Platz hat. Mit dieser Größe fahren wir auch das restliche Jahr hindurch und ärgern uns vielleicht darüber, dass wir in den Innenstädten keinen Parkplatz finden.

Betrachtet man diese Innenstädte und dort die Generation Y, erkennt man ein Umdenken. Hier verzichten viele Menschen auf ein eigenes Auto und nutzen Car Sharing sowie öffentliche Verkehrsmittel. Ein elektrisches Car-Sharing-Auto ist lokal emissionsfrei unterwegs und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in den Städten.

Wenn die zum Car Sharing gehörende Smartphone-App auch als Auskunftssystem und Fahrkarte für Bus und Bahn dient, ist die Grundlage für eine einheitliche Monatsabrechnung der gesamten innerstädtischen Mobilität gelegt. Technisch ist es dann keine Herausforderung mehr, diese Anwendung beispielsweise mit den Auskunfts- und Abrechnungssystemen des Schienen- und innerstädtischen Verkehrs in anderen Ballungsräumen zu verbinden.

Viele Paare und Familien, die im Umfeld der Großstädte leben, verfügen über zwei Fahrzeuge. Von diesen könnte fast immer eines durch ein Elektrofahrzeug ersetzt werden, wodurch die Lärm- und Abgasbelastung weiter sinken würde. Geladen werden diese Fahrzeuge nachts zu Hause, tagsüber am Arbeitsplatz und an Ladestellen in der Stadt sowie entlang der Autobahnen und Bundesstraßen. Energieversorger betreiben beispielsweise selbst öffentliche Ladesäulen oder auch in Kooperation mit Einkaufszentren, Parkhäusern, Hotels und anderen Unternehmen.

Für die Überwachung dieser Ladestellen von einem zentralen Ort aus und eine nutzungsabhängige Abrechnung ist ein beim Betreiber installiertes Ladestellenmanagementsystem nötig: Das OCC (Open Charging Station Controller) von NTT DATA bietet diese Funktionen. Der Fahrer kann darüber beispielsweise Ladestellen entlang seiner Route finden und reservieren. Diese Systeme werden sich in die unterschiedlichsten Richtungen weiterentwickeln. So ist beispielsweise beim OCC derzeit eine Rating/Billing-Komponente in Vorbereitung, die eine differenzierte Abrechnung der Ladedienstleistungen nach unterschiedlichen Tarifen ermöglicht.

Was das Laden der Elektroautos betrifft, können erneuerbare Energien effizient eingesetzt werden. Kraftwerke wie On- und Offshore-Windparks, die nicht kurzfristig abgeschaltet werden können, erzeugen auch nachts Strom, der für das Laden des Autos genutzt werden kann. Wenn das Laden aufgrund der Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Quellen im Netz gesteuert wird, ist es möglich, das elektrische Fahren komplett emissionsfrei zu gestalten.

Integriert man nun das Ladestellenmanagementsystem mit der eingangs dargestellten Mobilitätskarte, ergibt sich ein ganzheitliches Mobilitätssystem. Mittels dynamischer Routenplanung, die Staus und die Verfügbarkeit von Ladestellen berücksichtigt, bietet das System die jeweils beste Tür-zu-Tür-Verbindung. Am Monatsende wird aufgrund der tatsächlichen Nutzung zum bestmöglichen Tarif abrechnet.

Manchmal werden wir allerdings auch dann auf den ganzen Komfort der Integration verzichten und einfach nur lautlos und mit hervorragender Beschleunigung in unserem Elektroauto dahingleiten wollen...

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