Viele Großaufträge Elektroindustrie: Erneut sattes Auftragsplus – verhaltener Ausblick

Redakteur: Michael Eckstein

Auch im September füllten sich die Auftragsbücher der deutschen Elektrohersteller mit einem deutlich zweistelligen Plus gegenüber dem Vorjahr. Chip-, Material- und Fachkräftmangel drücken jedoch die Geschäftserwartungen vieler Unternehmen.

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Es wäre noch mehr drin: Materialmangel, Lieferengpässe und fehlende Fachkräfte hindern so manchen deutschen Elektro(nik)hersteller daran, anstehende Aufträge abzuarbeiten.
Es wäre noch mehr drin: Materialmangel, Lieferengpässe und fehlende Fachkräfte hindern so manchen deutschen Elektro(nik)hersteller daran, anstehende Aufträge abzuarbeiten.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Auftragseingänge in der deutschen Elektroindustrie haben im September 2021 mit 26,5 Prozent gegenüber Vorjahr erneut zweistellig zugelegt. „Der starke Anstieg ging diesmal aber vor allem auf Großaufträge zurück“, sagte Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt beim ZVEI, dem Verband der Elektro- und Digitalindustrie.

Die Inlandsbestellungen erhöhten sich im September um 28,7 Prozent. Aus dem Ausland gingen 24,9 Prozent mehr neue Orders ein als vor einem Jahr. Dabei nahmen die Aufträge von Kunden aus dem Euroraum um 16,1 Prozent und die von Geschäftspartnern aus Drittländern um 29,6 Prozent zu.

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Für den Gesamtzeitraum von Januar bis September dieses Jahres steht damit ein Bestellplus von 26,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum in den Büchern. Die Bestellungen lagen zudem knapp 17 Prozent höher als 2019.

Nach Preisbereinigung moderateres Wachstum

Die In- und Auslandsorders wuchsen in den ersten neun Monaten 2021 um 21,3 bzw. 30,6 Prozent gegenüber Vorjahr (Eurozone + 28,9 %, Drittländer + 31,4 %).

„Bei der preisbereinigten Produktion elektrotechnischer und elektronischer Erzeugnisse fiel das Wachstum im September jetzt moderater aus als in den Monaten zuvor“, so Gontermann. Sie nahm um 7,0 Prozent gegenüber Vorjahr zu. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Branchenoutput um 11,8 Prozent zum gleichen Vorjahreszeitraum.

Mit 17,5 Milliarden Euro lag der Umsatz der deutschen Elektroindustrie im September 2021 insgesamt 6,2 Prozent über Vorjahr. Die Erlöse mit in- und ausländischen Kunden entwickelten sich dabei mehr oder weniger gleich – plus 6,1 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro bzw. plus 6,5 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Während der Umsatz mit Geschäftspartnern aus der Eurozone allerdings leicht um 1,2 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro nachgab, konnte das Geschäft mit Drittländern weiter um 11,0 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zulegen.

Gesamterlöse 11,3 Prozent über dem Vorjahr

Kumuliert von Januar bis einschließlich September dieses Jahres kamen die aggregierten Branchenerlöse auf 146,2 Milliarden Euro, womit sie um 11,3 Prozent über ihrem entsprechenden Vorjahreswert lagen.

Der Inlandsumsatz zog in den ersten neun Monaten um 9,9 Prozent gegenüber Vorjahr auf 68,1 Milliarden Euro an. Der Auslandsumsatz belief sich auf 78,1 Milliarden Euro und nahm damit um 12,5 Prozent zu. Mit Kunden aus dem Euroraum wurden 28,0 Milliarden Euro erlöst (+ 11,0 %) und mit denen aus Drittländern 50,1 Milliarden Euro (+ 13,3 %).

Materialknappheiten, Lieferschwierigkeiten und Fachkräftemangel belasten das Geschäftsklima

Die Kapazitätsauslastung in der Branche hat sich zu Beginn des vierten Quartals 2021 auf 88,4 Prozent verringert – nachdem sie im Vorquartal mit 89,2 Prozent den höchsten Wert seit Ende 2006 erreicht hatte. „Die Auftragsreichweite hat sich dagegen weiter deutlich erhöht und liegt jetzt bei allzeithohen fünfeinhalb Monaten“, sagte Gontermann.

„Ihre Produktionspläne haben die Elektrounternehmen im Oktober aber deutlich abwärts revidieren müssen. Die Gründe hierfür dürften weiter angebotsseitige Probleme sein. So berichteten zuletzt nur acht Prozent der Firmen von unzureichenden Aufträgen, aber 42 Prozent von Fachkräftemangel und 85 Prozent von Materialknappheiten und Lieferschwierigkeiten.“

Das Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie hat im Oktober den dritten Monat in Folge nachgegeben. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die allgemeinen Geschäftserwartungen fielen etwas schwächer aus als noch im September.

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