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Damoklesschwert Weltpolitik Elektrobranche im Zeichen von Trumponomics und Brexit

| Redakteur: Martina Hafner

Die geschäftliche Stimmung in den deutschen Elektro-Unternehmen ist gut. Auch der ZVEI zeigt sich optimistisch. Es könnte also ein sorgenfreies Jahr für die Elektrobranche werden, gäbe es da nicht die Unwägbarkeiten der Weltpolitik.

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ZVEI-Präsident Michael Ziesemer: „Trumponomics und Brexit zum Trotz: Der ZVEI tritt weiter für Freihandel ein, stellt sich gegen Protektionismus und den damit oftmals einhergehenden Populismus“ (anlässlich der ZVEI-Wirtschaftspressekonferenz am Montag auf der Hannover Messe 2017)
ZVEI-Präsident Michael Ziesemer: „Trumponomics und Brexit zum Trotz: Der ZVEI tritt weiter für Freihandel ein, stellt sich gegen Protektionismus und den damit oftmals einhergehenden Populismus“ (anlässlich der ZVEI-Wirtschaftspressekonferenz am Montag auf der Hannover Messe 2017)
(Bild: Christian Behrens )

„Obwohl die allgemeinen Geschäftserwartungen der Unternehmen aktuell hoch sind, bleiben wir für das Gesamtjahr zurückhaltend“, kommentierte ZVEI-Präsident Michael Ziesemer am Montag anlässlich der Hannover Messe die Verbands-Prognosen für 2017. Eigentlich ist die deutsche Elektroindustrie erfolgreich ins erste Quartal gestartet und die Zeichen für das laufende Jahr stehen gut: Der Branchenverband rechnet mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent bei der realen Produktion und einem Umsatzanstieg auf 182 Milliarden Euro (nach 178,5 Mrd. Euro 2016).

Damit bleibt er allerdings unter den Prognosen der Branche: Laut der jüngsten ZVEI-Konjunkturumfrage (Ende März) geht die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen von mehr als zwei Prozent Umsatzwachstum in 2017 aus. Die Gründe für die Zurückhaltung liegen in aktuellen politischen und wirtschaftliche Risiken, die dem Verband Sorgen machen: der künftige wirtschaftspolitische Kurs in den USA, der Brexit, die Spannungen mit der Türkei und die wirtschaftliche Fragilität in Italien.

Welche Bedeutung haben diese Länder für die deutsche Elektrobranche? Die kumulierten Elektroausfuhren in diese vier Länder beliefen sich im vergangenen Jahr auf 38,0 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als einem Fünftel der gesamten Branchenausfuhren. Die USA sind nach China Deutschlands zweitgrößter Exportabnehmer, Großbritannien liegt auf Platz vier, Italien ist die Nummer sieben. Die Türkei rangiert mittlerweile an 15. Stelle. Auch was den Bestand an Direktinvestitionen der deutschen Elektroindustrie im Ausland anbelangt, sind alle vier Länder von großer Bedeutung

Trumponomics: Licht und Schatten

„Die Trump-Administration hat einerseits expansive fiskalische Maßnahmen, etwa Steuersenkungen oder Investitionen in Infrastruktur, und weniger Regulierung angekündigt, andererseits aber auch protektionistische Maßnahmen, die kontraprodukttiv wirken würden, und zwar für alle, auch für die USA“ so Ziesemer. In der jüngsten Konjunkturumfrage des ZVEI gaben denn auch zwei Drittel der Unternehmen an, dass ihre Aktivitäten aus US-Niederlassungen heraus stimuliert werden könnten. Drei Viertel der Firmen befürchten jedoch auch negative Auswirkungen auf ihr Exportgeschäft mit den USA. Fast alle Unternehmen sind besorgt, dass die Dinge in einen regelrechten Handelskrieg entgleisen könnten.

Brexit: „möglichst viele vorteilhafte Aspekte erhalten“

In Bezug auf Großbritannien, dem zweitgrößten Elektromarkt in Europa nach Deutschland, seien die schlussendlichen Auswirkungen des Brexit-Votums bisher noch kaum zu greifen, was für Unsicherheit sorge. „Der EU-Austritt Großbritanniens darf das europäische Integrationsprojekt aber nicht gefährden“ so Ziesemer. Ein erstaunlich klares Votum gaben die im März befragten Firmen zum Thema Brexit ab: 87 Prozent wünschen sich, die EU solle auf die Entscheidung der Briten mit einer stärkeren Integration reagieren. Es komme jetzt darauf an, zentrale europäische Vorhaben wie die Digitalunion, die Energieunion, die Kapitalunion oder die Sicherheitsunion zu vollenden, kommentierte Ziesemer.

Bei der Gestaltung der künftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien werde es darauf ankommen, dass im Rahmen eines potenziellen künftigen Freihandelsabkommens möglichst viele vorteilhafte Aspekte des Binnenmarktes und der Zollunion erhalten bleiben. Ein Zurückfallen auf WTO-Status wäre die schlechteste aller möglichen Lösungen und unbedingt zu verhindern, so Ziesemer weiter.

Technologischer Fortschritt und offene Märkte blieben die zentralen Quellen für Wachstum und Wohlstand. Abschottung bringe in einer vernetzen digitalen Welt keine Arbeitsplätze zurück.

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