Studie „Mobilität 3.0“ Elektroautos – höhere Reichweiten, fallende Akkukosten

Redakteur: Margit Kuther

2017 könnte das Jahr der E-Autos werden. Unternehmensberater Horváth rechnet mit einem Bestandszuwachs von rund 43.000 auf 112.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland. 2016 gab es nur rund 69.000 (inkl. Plug-ins).

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Tesla Model 3: 2016 baute Tesla rund 84 000 Autos, 2018 sollen es bereits 500 000 sein
Tesla Model 3: 2016 baute Tesla rund 84 000 Autos, 2018 sollen es bereits 500 000 sein
(Bild: Tesla)

2016 war ein ernüchterndes Jahr für die Elektromobilität in Deutschland. Die Wachstumsrate sank im Vergleich zu den Vorjahren weiter ab, so die Studie „Fakten-Check Mobilität 3.0“ von Horváth.

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So waren Ende 2016 rund 69.000 Elektrofahrzeuge (inkl. Plug-ins) auf Deutschlands Straßen unterwegs – nur 60 Prozent mehr als im Vorjahr, davon rund 37.000 rein elektrisch. Zum erhofften großen Schwung trägt diese Entwicklung natürlich nicht bei.

Fünf Plug-in-Modelle kamen 2016 auf den Markt – und lediglich zwei neue reine Elektrofahrzeuge. 2017 sieht diesbezüglich besser aus: So haben bereits zahlreiche Autobauer weitere Hybrid-Modelle sowie reine Elektrofahrzeuge angekündigt. Zu den Modellen von 2016 zählen:

  • Tesla Model X75D (BEV, reiner Stromer)
  • BMW 225xe Active Tourer (PHEV, Plug-in Hybrid)
  • BMW 330e (PHEV, Plug-in Hybrid)
  • Mercedes Benz E 350e Plug-in Hybrid (PHEV, Plug-in Hybrid)
  • Mercedes Benz GLC 350e (PHEV, Plug-in Hybrid)

Weitere Modelle stehen bereits vor der Tür, etwa Teslas Teslas Model 3.

Lesetipp: Wussten Sie, dass es Elektroautos seit 1881 gibt, das erste Hybridauto 1900 vorgestellt wurde und dass es um 1910 mehr E-Autos als Verbrenner gab? Nein, dann lesen Sie den Beitrag: Am Anfang war das Elektroauto.

Die Erkenntnisse im Überblick

 

Die Bestandsentwicklung verzögert die Erreichung des Millionen-Ziels an E-Fahrzeugen, so die Studie von Horváth & Partners: Um eine Million Elektrofahrzeuge bereits 2020 in Deutschland zum Bestand zählen zu können, müsste die durchschnittliche Wachstumsrate über die kommenden drei Jahre rund 95 Prozent betragen.

2017 müssten so insgesamt rund 65.000 Elektrofahrzeuge neu zum Bestand hinzukommen – im Gegensatz zu den 25.000 Fahrzeugen in 2016.

Unter den gegebenen Parametern erachten wir ein solches Wachstum für kaum möglich, dazu müssten sich verschiedene Treiber grundlegend verbessern. Wir rechnet 2017 mit einem Bestandszuwachs von rund 43.000 auf dann 112.000 Elektrofahrzeuge. Unter Beibehaltung der Wachstumsgeschwindigkeit der letzten Jahre verzögert sich die Erreichung des Millionen-Ziels um zwei Jahre auf 2022.

Die Reichweite wächst stetig

Positiv zu vermerken ist, dass sich die Reichweitensteigerung der reinen Elektrofahrzeuge weiter fortsetzt. Die durchschnittliche Reichweite aller 2016 verkauften Elektrofahrzeuge entsprechend den Herstellerangaben lag, wie im Vorjahr von uns prognostiziert, bei ca. 270 Kilometer. Vier Jahre zuvor lag der Wert noch 110 Kilometer niedriger. Wir gehen davon aus, dass mit sinkenden Batteriepreisen und verbesserter Batterietechnik Automobilhersteller in den kommenden Jahren deutlich höhere Reichweiten in Elektrofahrzeugen verbauen werden. Unserer Prognose nach wird bis 2020 ein neu zugelassenes reines Elektroauto im Durchschnitt rund 450 Kilometer mit einer Batterieladung zurücklegen können.

Batterien werden weiter günstiger

Wir gehen davon aus, dass die Automobilhersteller 2016 für den gesamten Batterieblock nicht mehr als 225 €/kWh aufgewendet haben. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Preisrückgang von 18 Prozent.

Somit betrugen die Batteriekosten weniger als ein Drittel der Kosten von 2009. Wenn sich der aktuell positive Trend fortsetzt, wird bis 2020 eine Kilowattstunde weniger als 100 Euro kosten.

Noch stagnieren die Preise für Elektroautos

Trotz sinkender Batteriekosten hat sich die Preisdifferenz zwischen rein batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen und Verbrennern nicht weiter verringert. Waren reine Stromer bis 2010 noch doppelt so teuer wie vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, fiel der durchschnittliche Preisaufschlag aller 2014 zugelassenen Stromer auf etwa 45 Prozent.

Auf diesem Niveau scheint er aktuell zu verharren, denn auch 2016 stellen wir einen durchschnittlichen Aufpreis von reinen Stromern im Verhältnis zu vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor von über 40 Prozent fest.

Einige Autobauer wie BMW und Renault haben jedoch bereits angekündigt, dass ab 2020 kleine Elektroautos genau so viel kosten sollen wie vergleichbare Modelle mit konventionellem Antrieb, bei größeren Modellen soll dies einige Jahre später der Fall sein.

Energiedichte kein Treiber

Auch die leicht verbesserte Energiedichte der verwendeten Batterien ist bisher nicht als ausreichend positiver Wachstumstreiber zu identifizieren. Sie lag 2014 bei ca. 91 Wh/kg und stieg 2016 auf 98 Wh/kg. In anderen Worten:

Am Gewicht einer Batterie pro Wattstunde hat sich in den letzten Jahren kaum etwas verändert. Die Weiterentwicklung der Batterietechnologie wird dafür sorgen, dass zukünftig leichtere Batterien verbaut werden können.

Ausbau der Ladeinfrastruktur noch immer zu langsam

Die Dichte an öffentlichen Ladepunkten liegt momentan nicht auf Kurs. Auch wenn sich die Anzahl 2016 gegenüber dem Vorjahr um knapp 1000 auf ca. 6900 öffentliche Ladestellen erhöht hat, würde es unter Beibehaltung der aktuellen Wachstumsdynamik bis 2020 in Deutschland nur 10.630 öffentliche Ladestellen geben.

Nötig wäre ein Vielfaches. Hoffnung gibt die Kooperation der deutschen Autohersteller VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW, die in Europa gemeinsam ein Schnellladenetz aufbauen wollen.

Hinweis: Die detaillierte Studie samt ausführlicher Grafiken, von denen obige Bildergalerie nur einen kleinen Teil präsentiert, erhalten Sie über Horváth & Partners. Sie können sich direkt an Frau Kathrin Sahin (KSahin@horvath-partners.com) wenden.

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