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Elektromobiltät Elektroautos, die Geschichte schrieben

Elektro- und Hybridautos – sind sie die Zukunft der Mobilität? Längst nicht alle Experten würden diese These unterschreiben. Eines aber ist sicher: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben sie Automobilgeschichte geschrieben – also lange bevor Carl Benz 1886 seinen dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen zum Patent anmeldete. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Meilensteine der elektrischen Automobilgeschichte vor.

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Kuriose Elektroautos gab es zu allen Zeiten - so wie dieses elektrisch angetriebene Unter-Wasser-Cabrio sQuba von 2008
Kuriose Elektroautos gab es zu allen Zeiten - so wie dieses elektrisch angetriebene Unter-Wasser-Cabrio sQuba von 2008
(Bild: VBM-Archiv)

Ohne Elektromotor kein Elektromobil – so einfach war das Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Elektromotor noch nicht erfunden war. Die ersten „Elektrofahrzeuge“ entstanden in den Werkstätten rühriger Tüftler als Versuchsträger für die ersten Elektromotoren. Meist handelte es sich um elektrisch betriebene Modellfahrzeuge. So testete etwa 1834 Davenport einen Elektromotor in einer Modell-Lokomotive auf einem Schienenkreis und am 1851 erreichte eine echte Elektrolok von Charles Grafton Page eine Spitzengeschwindigkeit von 31 km/h.

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Das erste Elektroauto war ein Dreirad

Das erste offiziell anerkannte Elektrofahrzeug jedoch stammt vom französischen Physiker M. Gustave Trouvé, der es auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris 1881 vorstellte. Es handelte sich um ein Dreirad, das eine Geschwindigkeit bis 12 km/h erreicht. Auch Trouvé wollte die Potenziale von elektrischen Antrieben ausloten und baute unter der Achse eines Dreirades einen seiner selbstkonstruierten Motoren, dessen Bewegung über eine Kette übertragen wurde. Die Stromversorgung des E-Motors übernahmen sechs wiederaufladbare Blei-Säure-Batterien. Das Gesamtgewicht des Fahrzeugs mit Batterien, Motor und Fahrer betrug 160. Trouvé befuhr mit seinem Elektromobil mehrmals die Rue de Valois in beide Richtungen.

Darüber hinaus entwickelte Trouvé um 1882 auch den ersten elektrischen Außenbordmotor für Boote und arbeitete 1887 an einem Hubschrauber mit selbstentwickeltem Elektromotor.

Hybridauto mit Radnabenmotoren

Waren Hybridautos in der Vor-Prius-Zeit noch seltene Exoten, werden es mittlerweile immer mehr. Dabei ist das Prinzip uralt: Das erste Hybridfahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischen Radnabenmotoren war der Lohner Porsche – die Sensation auf der Weltausstellung 1900 in Paris. Die in den Radnaben der beiden Vorderräder eingebauten Elektromotoren erbrachten eine Leistung von 2,5 PS bei 120 U/min. Der 44-zellige Akkumulator mit 300 Ah und 80 V erlaubte eine Fahrstrecke von 50 km pro Batterieladung; die maximale Geschwindigkeit betrug 50 km/h. Die niedrige Drehzahl des Elektromotors ermöglichte den Direktantrieb und den Einbau in das Rad. Der Motor arbeitete ohne Ketten und damit ohne mechanischen Kraftverlust. Dadurch erzielte der Elektromotor einen sehr hohen Wirkungsgrad und lief nahezu geräuschlos. Das Gesamtgewicht des Fahrzeuges betrug 1205 kg. Der Wagen konnte an allen vier Rädern gebremst werden, an der Vorderachse durch die Motoren und an der Hinterachse mit Hilfe einer Hand-Außenband-Bremse

Mit austauschbarem Antrieb

Ein anderes „Hybrid“-Konzept war die Basis des Interurban, der 1905 von der Firma F.A. Woods Auto Co. in Chicago vorgestellt wurde. Für das Gefährt gab es zwei austauschbare Antriebseinheiten: für längere Strecken wurde der elektrische Antrieb einfach mit der kompletten Vorderachse gegen einen Benzinantrieb ausgetauscht – und zwar nach Aussagen des Herstellers innerhalb von rund 15 Minuten.

Schnurlose Stromversorgung

Heute arbeiten Forscher an Konzepten, mit denen sich Elektroautos während der Fahrt „schnurlos“ mit Strom versorgen lassen. Auch diese Idee ist jedoch keineswegs neu, wie ein Beitrag des US-Magazins Modern Mechanix von 1936 zeigt: An Bord des „Radio Powered Car“ sollten elektromagnetische Wellen, die mittels einer zylinderförmigen Antenne über dem Wagen empfangen werden, in Betriebsstrom umgewandelt werden. Die Energie sollte dabei von großen Sendemasten am Straßenrand abgestrahlt werden.

Kernkraft – ja bitte!

1958 stellte Ford das Konzeptfahrzeug Nucleon vor, dessen kleiner Atomreaktor mit einer „Tankfüllung“ spaltbaren Materials eine Reichweite von bis zu 8000 km ermöglichen sollte. Von dem Fahrzeug enstand jedoch nur ein Modell im Maßstab 3:8, das man heute im Henry-Ford-Museum in Michigan bestaunen kann.

Das erste Solarauto

Akkus lassen sich auch mit Sonnenstrom füllen – das wissen wir heute. Erstmals in die Tat umgesetzt wurde diese Idee 1960 von Dr. Charles Alexander Escoffery. Der technische Assistent von Eric Lidow, Präsident und Gründer von International Rectifier, funktionierte einen Baker Electric von 1912 mit 10.640 Solarzellen und 200 W Leistung auf dem Dach zum ersten „Solar-Auto“ um. Immerhin konnten auf diese Weise nach einer Ladezeit von 8 bis 10 Stunden eine Stunde lang mit bis zu 32 km/h gefahren werden. Mehr über das erste Solarauto finden Sie hier

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.